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NOVEMBER, 2021

Seit nun fast zwei Monaten ist die Stute Ladida aus der Schweiz als Rehapferd bei mir. Sie ist 18 Jahre alt und steht bereits seit sie bei ihrer Besitzerin ist vorbiegig da, hatte immer wiederkehrende Lahmheiten. Anfang 2020 hatte sie schließlich einen schlimmen Unfall, bei dem es ihr aus dem Galopp beide Hinterbeine seitlich nach hinten weg zog. Dabei wurden ihre Knie verletzt, der gesamte Rücken- und Lendenbereich gestaucht und gequetscht – alles natürlich verbunden mit bleibenden Schmerzen. 
Ladida entlastet abwechselnd alle Beine. Aus diesem Grund kam sie zu uns – sie sollte muskulär aufbauen, um ihren gesamten Körper dadurch zu entlasten. Mehr Mobilität und Stabilität bekommen. 

Direkt zu Beginn des Berittes wurde sie osteopathisch behandelt, um einen ersten Überblick über die vorhandenen Probleme zu bekommen und eventuelle Blockaden zu lösen.  Hier arbeite ich mit dem Tierarzt meines Vertrauens zusammen, besonders bei Rehapferden ist eine enge Zusammenarbeit mit einem guten Tierarzt wichtig. Die Behandlung war in ihrem Fall umso wichtiger, da große Baustellen vorhanden sind und viele Bereiche blockiert waren. 
Zwar löst die korrekte Arbeit auch Blockaden und verhindert größtenteils, dass schlimmere entstehen – doch mit vorhandenen Problemen startet es sich schlecht in die Arbeit und erschwert einem Fortschritte. 

Ladida wurde die ersten drei Wochen bei uns täglich gebemert, mittlerweile 6x pro Woche. Ihre ersten Reaktionen auf die Behandlung waren sehr spannend. Die eigentlich extrem entspannte Stute, welche am Putzplatz eher immer eindöst beim Putzen, zappelte ab dem Einschalten des Sets plötzlich wie ein Jungpferd unruhig umher. Sie spürte, dass etwas im Körper passiert, wusste jedoch nicht, was. Nach etwa drei Behandlungen begann sie dann aber schließlich, das Bemer Set zu genießen. Seitdem gähnt und kaut sie immer wieder währenddessen.

Unser Training steigerte sich langsam – anfangs waren die Abkauübungen und die Mobilisation vom Boden aus extrem wichtig. Auch das bewusste Lostreten, den gemessenen Schritt und Rückwärts, sowie Ecken und die Seitengänge vom Boden aus nahmen wir dazu.  
Schließlich haben wir auch angefangen, das Diagonalisieren, Schulterherein im Trab sowie das Antraben fast auf der Stelle dazu zu nehmen. Nicht nur um Kraft aufzubauen, sondern auch zur Mobilisation und Verbesserung der Balance. Gleichzeitig bekam sie durch diese Übungen vermehrt Zugriff zur Versammlung und lernte, dass sie ihre Gelenke nicht nur zum Schieben, sondern auch zum Beugen einsetzen kann. Sie wackelte unter Belastung immer weniger mit den Vorderbeinen, baute immer mehr Kraft auf. 

Ihre verspannte Halsmuskulatur löste sich immer mehr, wodurch sich korrekte Muskulatur aufbauen konnte. Ladida hat auch in der Halswirbelsäule mit Blockaden zu kämpfen – diese können reduziert werden, wenn die Muskulatur korrekt aufgebaut und locker ist. 

„Die Reitkunst macht Pferde stark und stolz.“

Nach den ersten vier Wochen des Reha-Trainings saß ich zum ersten Mal auf ihr. Nur etwa fünf Minuten, in denen sie wahnsinnig zu kämpfen hatte. Während sie sich vom Boden aus schon groß machen konnte im gemessenen Schritt, schaffte sie dies mit Reitergewicht noch nicht. Schon nach wenigen Minuten wackelten ihre Vorderbeine wieder stark. 

Vom Boden aus nahmen wir mittlerweile auch schon den Galopp zur Mobilisation dazu und steigerten die Einheiten immer mehr. 

Schließlich wurden die gerittenen Einheiten länger – und Ladida immer stolzer, erhabener, stärker. 
Wir traben, diagonalisieren, reiten Seitengänge im Trab. Und sie bleibt stabil. Sie wackelt kaum mit den Vorderbeinen, auch nicht nach etwa 20 Minuten (für sie) anstrengender Arbeit unter dem Sattel. Sie wird immer gerader, mobiler, stabiler. Sie findet ihre Balance. Sie steht während und nach der Arbeit meistens viel besser da, steht selbst geschlossen und belastet meistens alle vier Beine. 
Und so sind wir mittlerweile auch schon ein ganz kleines bisschen im Galopp unterwegs.
Ohne Schmerzen, ohne Lahmheiten. 

Ladida ist ein Pferd, bei dem die Reitkunst zu einer der wenigen letzten Chancen wurde. Es ist jedes Mal aufs Neue wieder faszinierend, wie sehr Pferde wieder aufblühen können. Wie stolz sie durch die Arbeit werden. Und wie ein Pferd mit ständig wiederkehrenden Lahmheiten durch diese Arbeit lahmfrei bleibt. 

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