Wir gehen neue Wege

11

August 2017

Ehrlichkeit ist heutzutage eher selten. Besonders in den sozialen Netzwerken wird vieles vorgetäuscht und eine heile Welt gezeigt.
Heute möchte ich ehrlich zu euch sein und ein Thema ansprechen, welches mich schon lange zum zweifeln gebracht hat.

Es geht um die Beziehung zwischen Dreamer und mir. Damals war es Liebe auf den ersten Blick und wir gehören zusammen, das merke ich jeden Tag. Wir haben viel durchgemacht, schwierige Zeiten aber natürlich auch tolle Momente. Doch diese Momente gab es meistens nur vom Sattel aus (oder ohne Sattel) und selten am Boden. Denn dieses Vertrauen, welches es mir vorallem bei Turnieren schenkt, haben wir nicht immer.
Es gab eine Zeit, da ist er auf der Koppel immer vor mir weggerannt. Vielleicht weil ich blind war, weil ich wütend auf ihn war oder enttäuscht, dass es zurzeit nicht so läuft wie ich es mir wünsche. Egal was es war, er war nicht glücklich bei mir. Und auf der Koppel war es die einzige Möglichkeit für ihn, mir das zu zeigen.
Und es hat mich extrem tief getroffen, denn wenn das eigene Pferd einen ablehnt, dann kann das einen großen Schmerz auslösen. Also kam es zu noch mehr Enttäuschung.

Mittlerweile haben wir schon anders gearbeitet und sobald ich komme, grummelt er meistens und kommt (solange kein frisches Graß weitergesteckt ist) fast immer von der Koppel mit einem aufgeweckten und zufriedenen Gesichtsausdruck zu mir. Jedes Mal lässt das mein Herz vor Freude springen!
Beim aufhalftern warte ich jedes Mal und halte das Halfter ruhig in einer tiefen Position, bis er seinen Kopf selbst durchsteckt.
Wir haben also Fortschritte gemacht in unserer Beziehung!

Aber woran liegt es? Wir beide sind hochsensibel und bestimmt auch beide nicht immer einfach. Er hat seine  Aussetzer genau wie ich meine charakterlichen Macken, das macht uns einzigartig. Und seit einer geraumen Zeit merke ich, dass wir uns eben nicht 100% Vertrauen, weder vom Sattel aus, noch vom Boden.
Im Sattel ist das Hauptproblem das Reiten am langen Zügel, denn Dreamer kann jederzeit spontan erschrecken und dann ein riesen Drama machen und rumspinnen oder buckelnd losrennen. Auch am Reitplatz gibt es zwei Ecken, vor denen er ständig Angst hat und in solchen Momenten verlässt dann auch mich die Geduld.
Doch grundsätzlich haben wir eher Probleme vom Boden aus. Wohl jeder Reiter sehnt sich danach, eine gute Verbindung zu seinem Pferd zu haben und in absoluter Freiheit mit ihm arbeiten zu können. Doch wenn ich Dreamer auf den Reitplatz stelle, ohne Longe oder sonstiges, passiert da nicht viel. Entweder geht er von mir weg und graßt, oder er läuft weg, wenn ich zu ihm gehe.

Mir fällt es schwer, das zu schreiben, denn es hat viel mit Demütigung zu tun und kratzt natürlich an unserem Selbstvertrauen. Was habe ich falsch gemacht? Vermutlich so einiges, obwohl ich mich eigentlich bemühe, alles richtig zu machen.
Es lässt mich schon fast verzweifeln. Doch genau hier beginnt nun für mich ein neues Kapitel, denn ich möchte eine besondere Verbindung zu meinem Pferd aufbauen und das wird nicht vom Nichtstun kommen.
Es gilt nun also, die Ursachen für unsere Probleme zu finden und ihnen auf den Grund zu gehen. Meine Interessen muss ich weiter zurück stellen und endlich beginnen, ihm wirklich zu zuhören. Ihn verstehen zu wollen und ihn so zu akzeptieren, wie er ist.
Für mich bedeutet es auch, öfter gebisslos zu reiten, mehr ohne Sattel zu reiten und weniger anstrengende Lektionen zu verlangen.
Also „einfach“ ein paar Schritte zurück gehen. Auch mich selbst akzeptieren und diese kleine Blockade in mir loswerden.

Letztendlich habe ich mich entschlossen, diesen Schritt zu machen, da ich Dreamer wieder mehr Lebensfreude geben will. Er musste nun schon so viel durchmachen, dass er ständig einen besorgten Blick hat und alt wirkt… das Training wird nun also erst Mal nicht mehr im Vordergrund stehen, sondern unsere Verbindung. Natürlich versuche ich dennoch, Muskulatur aufzubauen, doch ob das nun einige Wochen länger dauert oder nicht, ist mir egal. Wir werden mehr Bodenarbeit machen und vor allem auch Freiarbeit.
Ich werde viele demütigende Momente über mich ergehen lassen müssen, in denen er sich aktiv entscheidet, nicht mit mir gemeinsam sein zu wollen sondern von mir weg zu gehen. Und das muss ich akzeptieren, auch wenn es weh tut.
Seine Wut gegen mich darf er mir zeigen, auch seine Enttäuschung. Wie genau ich das ganze angehen werde, weiß ich noch nicht. Ob ich diesen Weg mit der Kamera mitverfolge, weiß ich auch noch nicht. Denn es ist etwas, was mir wirklich schwer fällt.

Versteht das alles bitte nicht falsch, ich habe Dreamer weder misshandelt, noch sonst was !! Aber es gab einfach Momente, die uns eher etwas mehr auseinander gebracht haben. Niemand von euch hätte das gemerkt, wenn ich es nicht ansprechen würde. Doch ich finde, wir dürfen uns Fehler eingestehen und auch Mal sagen, was wirklich Sache ist, oder etwa nicht?
Ich liebe Dreamer über alles, er ist ein tolles Pferd. Doch ich denke, die vielen Vorfälle haben uns beide älter werden lassen, und das leider nicht im Sinne von „reifer und erfahrener“… vielleicht habe ich das Ziel manchmal aus den Augen verloren. Wir haben uns beide aus den Augen verloren. Und ich habe manchmal die kleinen Momente, die das Zusammensein ausmachen, nicht wahrgenommen. Ich schulde ihm so viel und werde ihm das nun alles wieder zurück geben!

Vielleicht waren wir eine Weile lang kein #dreamteam, aber ich bin davon überzeugt, dass wir das wieder werden! Wir standen uns teils selbst im Weg, besonders ich selbst. Das bedeutet, ich muss eigentlich nur an mir selbst arbeiten, doch er wird mir sicher dabei helfen. Pferde spüren unsere Absichten und ich denke, wir werden so wieder den richtigen Weg finden.
Mein Traum ist es, eines Tages nur mit Halsring am Strand galoppieren zu können. Und ich weiß, dass wir das hinbekommen werden. Doch das ist nur ein Traum, denn Erwartungen würden mich schon wieder unter Druck setzen und negative Bilder im Kopf entstehen lassen.
Generell möchte ich nun diesen neuen Weg nicht nur mit Dreamer, sondern all meinen Pferden gehen. Mit jedem werde ich viel Freiarbeit machen und an unserer Verbindung arbeiten, gerade auch mit Bulgari.

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6 Kommentare

  1. Vanessa

    Ich finde dein Ziel super und kann dich total verstehen. Auch ich hab kleine Momente wo ich schon eine Sekunde später denke: War das jetzt richtig so? Und dann weiß ich, dass es das nicht war. Denn selbst ohne sein Pferd zu verprügeln etc. tut man manchmal Dinge die die Beziehung eher einen Schritt zurück bringen. Was uns sehr geholfen hat sind vor allem 3 Dinge (und natürlich der allgemeine Alltag und die Arbeit). 1. Lange (mehrere Stunden) einfach aufm paddock sitzen und zeigen: hey, ich bin da und will dich WIRKLICH kennen lernen. Die Möglichkeit geben, dass das Pferd Kontakt suchen kann.
    2. Freiarbeit (wie du schon sagtest). Und wenn man wirklich frei arbeitet und es aktzeptiert wenn das pferd wegläuft, muss man halt mal ein paar Minuten warten bis man es wieder einlädt und an einigen Tagen bedeutet das eben 10% arbeiten 90% warten.
    3. Tierkommunikation. Ich habe auf Instagram eine Tierkommunikatorin Kontaktiert, der ich fünf Fragen gestellt habe und sie dann mit dem pferd „geredet“ hat. Das Gespräch später zu lesen war sehr rührend und hat uns viel gebracht. Zum Beispiel hat sie mir gesagt wo kleinere Baustellen liegen und wie ich unsere großen Baustellen angehen kann. Und auch, wie sie am liebsten arbeitet (Longe, Handarbeit, Reiten ohne Gebiss,etc.)

    Alles nur Tips und vermutlich weißt du fast alles (und noch mehr) auch schon, aber ich dachte mal eben schreiben schadet ja nicht.

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  2. Anna

    Wäre so toll wenn du deinen Weg mit der Kamera begleiten würde denn mir geht es grade genauso 🙂

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  3. Annika

    Finde ich echt super was du machen willst! Auch ich habe mit meiner reitbeteiligung die freiarbeit angefangen und seitdem ist unsere verbindung und unser vertrauen in einander gewachsen und ich bin froh diesen schritt gemacht zu haben! Ich wünsche dir genau das selbe und bin mir sicher das du es auch schaffen wirst! ❤

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  4. Viktoria

    Ich finde es toll von dir das du uns das erzählt hast. Nicht jeder hätte den Mut dazu das zuzugeben.❤

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  5. Elena

    Hallo,
    erst einmal finde ich es wirklich gut von dir, dass du den Mut hast uns das zu erzählen, das zeigt schon wie sehr dir das ganz am Herzen liegt und auch, dass du wirklich etwas ändern willst.
    Du schreibst, dass du deine eigenen Interessen bzw. dich selber weiter zurück stellen willst um Dreamer zu helfen. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen, aber ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist. Wenn du dich nicht wohl und sicher mit der Situation fühlst, wird er das auch nicht können. Deswegen ist es meiner Meinung nach wichtig, dass sowohl du als auch er nur Dinge machen muss, mit denen du/er klar kommt, ansonsten könnt ihr vermutlich nicht viel ändern, wobei ich deine vorherige Arbeit mit den Pferden schon als deutlich Pferde-und Menschenfreundlicher einstufen würde als bei der Mehrheit der Pferdeleute.
    Ich würde Dreamer als ein sehr vorsichtiges Pferd einstufen das viel Zeit braucht um zu vertrauen und ich denke dieses Vertrauen kann man am besten durch Konsequenz erreichen. Wenn du ihm klar machst was er tun soll/darf und was nicht, wird er dir dafür danken, weil du ihm damit Sicherheit und irgendwann vielleicht auch Vertrauen gibst. Aber natürlich ist es ganz deine bzw. eure Entscheidung wie du mit ihm arbeiten und umgehen willst.
    Auf dem Hof wo ich mit Pferden in Kontakt komme, gibt es viele die eine wirklich schlechte Vergangenheit hatten. Und auch wenn das bei Dreamer vergleichsweise ‚harmlos‘ war, ist es das für ihn selber vielleicht gar nicht. Wie du schreibst seit ihr beide sehr sensibel und was für andere Pferde unbedeutend ist, ist für ihn eine einschneidende Erfahrung. Ich will damit sagen, dass jedes Pferd (und auch jeder Mensch) Dinge unterschiedlich verkraftet. Und da finde ich es wirklich bemerkenswert von dir, dass du darauf Rücksicht nimmst/nehmen willst.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Kraft und Energie dabei diese neuen Wege zu gehen und ich denke du solltest dir selber überlegen, ob du uns das zeigen möchtest oder nicht bzw. ob du anders arbeitest wenn du alleine mit ihm bist oder wenn die Kamera dabei ist.
    Viele Grüße

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    • teresasarnow

      Danke für deinen Kommentar! Ich stelle meine eigenen Interessen natürlich nicht ganz zurück, ich werde auch z.B. weiterhin Turniere reiten (obwohl vorerst eh eine Zwangspause ist). Doch ich könnte nicht wie bisher weitermachen, mit dem Wissen, dass es ihm nicht wirklich gut dabei geht. Schon seit längerer Zeit bin ich in einem Zwiespalt, denn ich weiß, wie es wirklich am besten für ihn wäre- das würde für mich aber bedeuten, das Reiten erstmal lange aufzugeben. Das wiederum kommt für mich (derzeit) nicht in Frage, aber ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich etwas ändern möchte. Und die letzten zwei Tage (an denen ich anders gearbeitet habe) zeigen mir, dass ich absolut auf dem richtigen Weg bin und es auch so wunderschön ist, mit dem Pferd zu arbeiten. Es ist anders, bringt mir aber genauso viele Glücksmomente, wenn nicht sogar mehr.
      Generell arbeite ich auch sehr pro Pferd, gebe ihnen Zeit, reite nicht zusammengezerrt etc. sondern bilde reell aus. Es geht auch wie gesagt nicht um Misshandlung oder was weiß ich, also nicht dass das falsch rüber kam 🙂 Das mit dem viel durchmachen war eher bezogen auf seine ganzen Unfälle, die er leider schon hatte…
      Konsequenz ist bei ihm genauso wichtig wie bei jedem anderen Pferd, da stimme ich dir zu – allerdings denke ich, kann man das auch ohne Zwang erreichen. Was ich in den letzten beiden Tagen gesehen habe ist, dass er durch die Art und Weise wie ich mit ihm gearbeitet habe deutlich sicherer und aufmerksamer wurde und wieder auf mich zukam. Aber natürlich braucht er auch Sicherheit von meiner Seite, da finden wir aber bestimmt einen guten Weg – für uns beide. 🙂
      Vielen Dank!

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