Der Sperrriemen ist ein umstrittenes und heiß diskutiertes Thema. Ich selbst habe dazu eine ganz klare und deutliche Meinung und werde euch heute mal meine Sichtweise über diesen Ausbildungsgegenstand zeigen.
Meiner Meinung nach benötigt kein Pferd einen Sperrriemen, denn der Name ist Programm: Er sperrt das Maul des Pferdes zu, und obwohl noch so viele nun schreien werden „Bei richtiger Benutzung schadet er dem Pferd nicht“…

  1. Wie oft seht ihr einen wirklich korrekt verschnallten Nasen- und Sperrriemen? Gehen wir mal auf den Turniersport ein. Würde ich bei vierzig Pferden mit meinen Fingern nachmessen (ob mindestens 2 aufgestellte Finger dazwischen passen, und zwar nicht an der weichen Stelle des Maules, sondern am Knochen!!) fände ich wohl bei zwei Pferden eine vertretbares Maß vor. Die wenigsten Reiter halten sich daran, mindestens zwei Finger Platz zu lassen – natürlich, wo wäre dann der Sinn, wenn das Maul aufgehen kann?
    Häufig habe ich schon miterlebt dass Reiter die Regel kannten, aber in einer, naja, etwas anderen Art ausführen. Da wird dann die flache Hand entlang der weichen Stellen gemessen und es heißt „ach, da ist so viel Platz, da passt ja meine ganze Hand rein!“.
  2. Ist ein Sperrriemen wirklich richtig verschnallt, hängt er fast durch und baumelt locker am Maul herum. Wozu genau braucht man ihn dann…? Ist er locker, kann man ihn meiner Meinung nach auch weglassen. Es macht schlicht keinen Unterschied, wenn man es wirklich korrekt  benutzt.

Eskadron Reitsport Pferd

Heutzutage benutzt der Großteil der Reiter diesen Riemen, um etwas zu kaschieren und zu verstecken.
Natürlich sperren Pferde das Maul auf, wenn die Hand des Reiters zu hart ist, das Gebiss nicht passt, der Sattel drückt, der Rücken schmerzt, die Zähne weh tun, … es gibt so viele Gründe.
Aber all diese Ursachen führen zu dem Hilfeschrei welcher sich im aufgesperrten Maul äußert. Es ist eine Mitteilung vom Pferd an uns, in der es uns eigentlich gerne etwas sagen würde.
Schmerzen oder Unwohlsein sind dabei wohl die häufigsten Ursachen.
Aber was tun wir, wenn ein Pferd uns sagen will, dass etwas nicht stimmt? Wir knebeln ihm den Mund zu und alles ist wieder super.
Das Symptom ist vielleicht „weg“, aber die Ursache sollte gefunden werden. Vergleichen kann man es mit einer Krankheit beim Menschen.
Habe ich nun schreckliche Rückenschmerzen, bedingt durch eine falsche Haltung oder ähnliches, kann ich Schmerzmittel nehmen und fühle mich wieder fit – gehe arbeiten und mache nichts gegen das eigentliche Problem, welches ja dadurch nicht verschwindet sondern nur übertönt wird.
Beim Pferd dagegen ist es leider so, dass die Schmerzen mit dem Sperrriemen nicht verschwinden, sondern es sich nicht einmal mehr entziehen kann. Das dürfte wohl eine der schlimmsten Sachen sein…

Auch ich bin manchmal unruhig oder zu hart mit der Hand, gebe mal falsche Hilfen, oder mache einfach Fehler. Meine Pferde sind durch ihre Vorgeschichten (wie sie geritten wurden und bei Dreamer die ganzen Unfälle) auch körperlich Vorbelastet und gerade Dreamer hat häufig noch Probleme mit seinen Blockaden, mit denen ihm die Arbeit auch umso schwerer fällt.
Der Unterschied ist nur, dass meine Pferde sperren können und dürfen, ich erlaube es weil es mir etwas sagen sollte. Weil ein Pferd sperrt, heißt es doch nicht, dass man alles falsch gemacht hat oder ein schlechter Reiter ist. Es muss schließlich nicht mal immer was mit dem Reiten selbst zu tun haben, das sollte uns klar werden.
Fehler liegen zwar meistens beim Reiter, aber in diesem Fall können sich auch körperliche Probleme zeigen – ob sie nun durch einen Unfall oder durch schlechtes Reiten bedingt sind.

Eskadron Pferd Reitsport

Zu oft schon habe ich auf die Frage, weshalb jemand mit Sperrriemen reitet, die Antwort bekommen: „Weil alle es so machen“, „Weil mein Reitlehrer das so sagt“, „Da habe ich noch nie drüber nachgedacht“.
Ist nicht eben genau das traurig… nicht über etwas nachzudenken sondern es zu machen, weil eben jeder es macht?
Oder weil der Reitlehrer sagt, man soll es benutzen?
Gerade in einer Zeit, in welcher der Turniersport wirklich ein schwieriges Thema ist und es zu oft zu Missbrauch kommt, muss man wie ich finde sich mal Zeit nehmen um nachzudenken und für sich eine gute Begründung zu finden, weshalb man gewisse Dinge macht/ braucht – oder eben nicht.

Für mich persönlich ist es ein Hilfsmittel, um ein Pferd gefügig zu machen und gewisse Umstände zu überdecken.
Reitet ihr mit Sperrriemen, und wenn ja, aus welchem Grund? Es würde mich mal interessieren noch mehr Meinungen darüber zu hören.
Ich schließe ja nicht aus, dass es auch Ausnahmen gibt – für mich ist nicht jeder, der es benutzt, ein schlechter Reiter und ein Tierquäler, absolut nicht. Nur verstehe ich häufig nicht wieso man ihn benutzt, wenn er so locker verschnallt ist – das macht in meinen Augen einfach wenig Sinn.
Die Begründung, der Sperrriemen würde den Druck vom Maul auf die Nase verteilen, finde ich ebenfalls sehr fragwürdig. Sperrt das Pferd sein Maul auf, kommt zwar zusätzlich Druck auf die Nase, doch der Schmerz im Maul wird doch deswegen nicht geringer?
Früher war das vermutlich eine Erklärung da der Riemen anders als heute bei jungen Pferden durch die Gebissringe gezogen wurden und das Gebiss somit vermutlich wirklich ruhiger war – zum positiven Sinne des Pferdes. Aber wer bitte führt das heute noch so aus?