Verändert mich der Turniersport?
Nach einer Turniersaison kann ich sagen: Ja, eindeutig. Nicht auf eine Weise, in der man mich nicht mehr wiedererkennt und ich ein neuer Mensch bin – es sind kleine, eher unscheinbare Dinge.

Mein Gedächtnis hat sich erstaunlicherweise stark verbessert, womit ich ehrlichgesagt so extrem nie gerechnet hätte. Beim Springreiten weiß man schließlich nie vorher den Parcours, welchen man reiten muss. Normalerweise erfährt man die Reihenfolge der Sprünge erst kurz vor dem Prüfungsbeginn und hat auch dann eher wenig Zeit, abzugehen und sich alles anzusehen.
Vor meinem ersten Turnier war das glaube ich meine allergrößte Angst – was, wenn ich mir den Parcours einfach nicht merken kann?
Ich habe deswegen sogar gegoogelt um Tipps zu finden, welche mir dabei helfen könnten.
Die häufigste Antwort: „Das wird schon, es klingt schlimmer als es ist.“  – das kann ich nur bestätigen.

Zwar habe ich den Parcours bei meinem ersten Turnier vergessen und mich verritten, habe jedoch wieder rein gefunden und konnte zu Ende reiten. Zu dem Zeitpunkt spielte einiges an Aufregung mit, ich war unerfahren und total kopflos. Mein Fehler war wohl, dass ich nie an den nächsten Sprung gedacht habe, sondern nur im Hier und Jetzt war.
Einige Male hat das geklappt, bis der Weg irgendwie nicht mehr selbstverständlich war und ich plötzlich einfach nicht mehr wusste, wo es nun lang geht.
Seitdem muss ich sagen dass ich vor jeder Prüfung enorme Angst habe, erneut den Weg zu vergessen – bisher ist es zwar ein paar Mal fast passiert, war an sich aber nie ein wirkliches Problem.
Es ist so vielen Menschen unverständlich, wie man sich die Sprünge innerhalb kurzer Zeit merken kann, bis man es selbst einmal erlebt. So schwierig ist es im Grunde genommen nicht, es erfordert nur Konzentration und etwas Übung. Je öfter man es macht, desto selbstverständlicher wird es.
Abgesehen vom Turnierreiten merke ich mein besseres Gedächtnis aber auch im normalen Alltag. Sagt mir jemand spontan ein paar Zahlen, welche ich mir merken soll, dann merke ich sie mir nun sogar ohne bewusst daran zu denken. Selbst wenn ich eine halbe Stunde lang noch andere Aufgaben erledigen muss, vergesse ich es nicht – früher wäre so etwas undenkbar gewesen.
Natürlich ist dieser Aspekt praktisch und es freut mich   – sich jedes Wochenende verschiedene Parcours merken zu müssen scheint ein  gutes mentales Training zu sein.

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Früher hatte ich in der Schule immer große Prüfungsangst, ausgelöst durch häufiges Versagen und Misserfolge (hauptsächlich in Mathe…). Diese Angst erzeugte Blackouts und somit nur noch mehr Misserfolge – hat mir also einiges versaut. Da ich mich letztes Jahr sehr vielen Prüfungen gestellt habe und sowohl Erfolgserlebnisse als auch das Gegenteil erlebt habe, merke ich bei Klausuren in der Schule nun nicht mehr viel von meinem früheren Problem. Blackouts hatte ich (bisher) überhaupt nicht mehr und auch meine Nerven spielen nicht mehr so  verrückt, obwohl eine leichte Aufregung vorhanden ist, diese aber auch normal sein dürfte.

Während ich mich auf den Turnieren häufig schon gegen andere beweisen und durchsetzen konnte, erkannte ich meine Stärken (und natürlich auch Schwächen) deutlicher. Ich würde behaupten, dank den Wochenenden auf den Turnierplätzen selbstbewusster geworden zu sein.
Nicht nur bedingt durch die Platzierungen und den Sieg, sondern größtenteils wegen des Abreiteplatzes. Klingt seltsam?
Bei den Dressurreitern wird soweit ich weiß relativ wenig rumgeschrien während dem Vorbereiten, beim Springen sieht das jedoch anders aus. Um lebend aus dem Gewimmel heraus zu kommen braucht man eine laute und am besten einschüchternde Stimme. Einschüchternd bin ich bisher eher nicht, aber rumschreien habe ich schon recht gut gelernt.
Sehr lange konnte ich mich nicht dazu überwinden, laut und deutlich „Oxer frei“ zu rufen. Mit der Zeit und mit den schlechten Erfahrungen jedoch hat sich das geändert.
Es macht mir nichts mehr aus,weil ich über die Unverschämtheit der meisten anderen Reiter weiß. Es wird keine Rücksicht genommen, nicht mal in einem Springwettbewerb – immer scheint es um Leben und Tod zu gehen, der Sieg ist das Wichtigste, egal ob Mensch oder Pferd dafür zu Schaden kommen.
Wird immer zu dicht aufgeritten oder legt irgendwer häufig kurz vor einem Sprung die Stangen höher, muss man lernen, laut zu werden. Anders geht es leider nicht in dem Sport, wie mir scheint.

Außerdem habe ich gelernt, meine Arbeit  zu schätzen. Mit meinen Pferden habe ich mir alles selbst erarbeitet und es ist ein gutes Gefühl, auf einem selbst ausgebildetem Pferd platziert zu werden oder gar zu siegen! Ich bin stolz auf unsere Erfolge und denke, dass ich das auch sein darf.
Niederlagen kommen ebenso oft vor wie gute Ritte, wir arbeiten schließlich mit Lebewesen zusammen und dabei kann es nie immer perfekt laufen. Doch auch mit diesen Misserfolgen muss man lernen, umzugehen.
Leider sieht man ja sehr oft Reiter, die die Wut und Enttäuschung an ihren Pferden auslassen – was meiner Meinung nach das letzte ist und absolut nicht in Ordnung. Das war noch nie meine Art und gerade nach Prüfungen achte ich darauf, egal wie es lief, mein Pferd zu loben. Selbst nach mehrmaligem Verweigern. Ich will es immer gut beenden um das nächste Mal mit einem guten Gefühl auch wieder neu starten zu können.
Mit Niederlagen klar zu kommen ist nicht oft einfach, vorallem wenn sie häufig vorkommen. Doch das ist menschlich und man muss lernen, darüber zu stehen.

Dass sich mein Selbstbewusstsein, die Prüfungsangst und sogar mein Gedächtnis verbessert haben sind denke ich keine unwichtigen Sachen, sondern kann man ruhig einmal erwähnen. Ich hätte es früher wie gesagt selbst nie in dieser Form gedacht, bin aber gespannt, was mich in den nächsten Jahren noch so alles erwartet und freue mich schon sehr darauf!