Wenn langsam die Kraft ausgeht – Unfall auf der Autobahn

20

Juni 2017

Das Leben ist eine beständige Achterbahnfahrt, es geht auf und ab, gibt Höhen und Tiefen. Mal sind diese Höhen und Tiefen weniger extrem, mal hat man das Gefühl, den Verstand zu verlieren und mit nichts mehr zurecht zu kommen.
Während man an einem Tag noch das Gefühl hat, so könnte es für immer weiter gehen und nur so vor Glück strahlt, kann am nächsten Tag bereits wieder eine kleine Welt zusammenbrechen.
Dreamer und ich haben wenig Glück, was diese Auf und Abs betrifft. Schon von Anfang an war unsere gemeinsame Zeit durchzogen von Unfällen, dadurch bedingten Pausen und Rückschlägen. Es gab unglaublich viele Tränen der Verzweiflung und oft genug hatte ich das Gefühl, dass ich einfach nicht mehr kann. Das Gefühl, als würden wir immer einen Schritt vor und zehn zurück machen.

Die letzten zwei Wochen in Kreuth waren anstrengend und anfangs niederschmetternd – denn er ist einfach nicht gesprungen, wollte auf dem Prüfungsplatz nicht mal mehr angaloppieren. Die zweite Woche lief nach Anfangsschwierigkeiten dann endlich besser, im Zeitspringen machten wir den zweiten Platz (ich habe schon vor Freude geheult nur weil er überhaupt durch den Parcours gesprungen ist!) und am nächsten Tag hat Steffi auf ihm den vierten Platz gemacht, mit einem sehr sicheren und souveränen Ritt.
Der Abschluss dieser beiden Turnierwochen hätte also nicht besser laufen können!

Vorgestern, also am Sonntag, ist uns dann allerdings bei der Heimfahrt aus Kreuth etwas wirklich schlimmes passiert, ein Ereignis, welches mich jetzt noch Erschaudern lässt und mir beim Gedanken daran kurz der Atem stockt. Es ist wohl einer der größten Albträume eines jeden Reiters.
Ich war ohne meine Eltern mit dem Hänger auf der Autobahn unterwegs, beide Pferde standen darin. Wir fuhren ganz normal auf der Autobahn, haben uns schon gefreut dass es „nur noch“ 80 Kilometer nach Hause waren. Plötzlich spüre ich, wie unser Auto mitsamt Hänger zur Seite gedrängt werden, sehe in den Seitenspiegel und sehe ein Auto im Hänger ….
Mit hat eine Panik ergriffen wie noch nie bisher im Leben. Plötzlich ist alles in mir zusammengebrochen und mein Herz hat aufgehört zu schlagen. Voller Angst und Verzweiflung, fassungslos und ratlos bin ich in Panik ausgebrochen, hatte einen Zusammenbruch und habe es trotzdem irgendwie geschafft, den ins Schleudern gekommenen Hänger gerade zu bekommen und auf den Standstreifen aufzuweichen. Sofort bin ich stehen geblieben, mein erster Gedanke war dabei nur „Die Pferde – was ist mit den Pferden“. In meinem Kopf hatte ich schon die schlimmsten Bilder, wie die beiden vollkommen aufgelöst und verstümmelt kurz vor dem Sterben sind.
Natürlich bin ich ohne Nachzudenken sofort aus dem Auto gesprungen und nach hinten gelaufen – gut, dass wir in einer Bucht neben dem Standstreifen standen, ansonsten hätte mich wohl auch genauso schnell ein Auto erwischen können. Mir ging es in dem Augenblick nur noch um meine beiden Pferde und die Angst um meine Lieblinge hat mir jede Vorsicht genommen.

Das Bild lässt mich einfach nicht mehr los, wie das Auto frontal in die Seite des Hängers geknallt ist…
Mit den Pferden, aber natürlich auch ohne, gab es schon so einige schlimme Momente in meinem Leben. Momente, die mich jahrelang noch verfolgt haben, die Panik in mir ausgelöst haben und manchmal dazu gebracht haben, nicht mehr Leben zu wollen, weil der Schmerz in dem Moment einfach zu schlimm erschien.
Doch dieses Erlebnis war mit Abstand, mit großem Abstand, das allerschlimmste und heftigste, was mir jemals im Leben passiert ist. Meine Pferde sind meine besten Freunde, meine Babys, sie sind alles für mich. Es gibt nichts Wichtigeres in meinem Leben!
Und für einen Moment hat es sich angefühlt, als würde man mir alles entreißen und zerstören. In diesem Moment hat es sich angefühlt, als würde ich selbst innerlich sterben. Das können wohl die wenigsten von euch nachvollziehen, und das ist absolut verständlich. Seid froh, wenn ihr dieses Gefühl nicht kennt. Ich wünsche es niemandem, denn es ist die reinste Hölle.
Sonntag ging es mir bis ich eingeschlafen bin noch extrem schlecht, ich habe mich nur halb lebendig gefühlt und sah auch aus wie ein verheultes Gespenst. Der Schock saß tief.

Wie geht es nun weiter? Das frage ich mich auch. Beginnen wir mit den positiven Nachrichten: Bulgari hat weniger abbekommen, geht zwar nicht ganz klar, aber es scheint nichts schlimmeres zu sein und braucht wohl nur einige Tage Ruhe.
Was Dreamer betrifft… ich habe das Gefühl, einfach nicht mehr weiter zu kommen. Es gibt ständige Rückschläge, andauernd trifft es uns beide. Und ganz ehrlich? Im Moment habe ich einfach keine Kraft mehr. Ich habe keine Kraft mehr.

Ich bin kein starker Mensch, auch wenn viele das denken und ich immer versuche, mich so zu geben. Aber ich bin es einfach nicht. Mein Herz erträgt nicht so viel und das spüre ich gerade jetzt wieder. Denn mal wieder fühlt es sich an, als würde alles in mir zerbrechen.
Es geht nicht darum, dass Dreamer nicht mehr reitbar wäre oder sonstiges – das keinesfalls. Er geht sehr lahm, durch den Unfall hat es wieder alles verschoben (Wirbelsäule, ISG, etc). Er hat unzählige Prellungen und natürlich auch Schmerzen, geht sehr klamm und deutlich schlechter als vorher.
Nichts, was wir nicht mehr hinbekommen könnten. Und doch wirft es uns einen riesen Schritt zurück – mal wieder!
An diesen Problemen arbeiten wir nun schon seit dem ersten Unfall, knapp vor zwei Jahren. Seitdem arbeiten wir mit andauernden Rückschlägen an den Blockaden und allen weitern Dingen, die bei ihm schief gelaufen sind.
Und wenn ich „arbeiten“ sage, dann meine ich das auch. Denn ihn ordentlich zum Laufen zu bringen ist alles andere als einfach! Vor zwei Wochen dachte ich mir noch, dass es nun endlich gut wird. Er ging konstant, sehr locker, endlich in Anlehnung und schwungvoll über den Rücken. Nach wie vielen Jahren…? Und jetzt beginnen wir bei Null, wenn nicht sogar bei -5. Bis er wieder so geht, wie es vor zwei Wochen der Fall war, wird es mindestens wieder bis zum nächsten Jahr dauern.

Wie schon so oft gesagt, bedeuten mir Turniere bei weitem nicht alles – und doch habe ich Träume und Ziele, die wir so niemals erreichen werden. Die Welt dreht sich weiter, ob wir wollen oder nicht – genauso wie mein Herz weiterschlagen wird, obwohl es sich manchmal nicht so anfühlt. Und obwohl meine Probleme anderen Menschen winzig erschienen werden, oder viele einfach nicht verstehen werden, wieso es mir so schlecht geht – obwohl ich mein Pferd in Zukunft wieder reiten kann – für mich ist dieses extreme Auf und Ab, einen Schritt vor und zehn zurück einfach so kräftezehrend und anstrengend. In Momenten wie es jetzt der Fall ist, würde ich mich am liebsten eine Woche ins Bett verkriechen und nichts tun.

Dreamer wird nun vierzehn Tage mit Schmerzmitteln behandelt und muss stehen bzw. darf nur vorsichtig bewegt werden. Das bedeutet, ich werde öfter mit ihm spazieren gehen, aber keinesfalls reiten. Was danach ist, wissen wir alle noch nicht. Meine größte Hoffnung ist es, dass er danach wieder deutlich klarer und besser geht – denn das würde bedeuten, dass wir auch das Training vorsichtig wieder aufnehmen und dann steigern dürfen. Obwohl eine Behandlung so oder so dringen notwendig sein wird und mein Tierarzt ihn öfter osteopathisch behandeln werden muss.
Aber was, wenn das nicht der Fall ist? Dann ist eine langfristige Behandlung angesagt und die Turniere für dieses Jahr müssten wir wohl größtenteils streichen.

Diesen Beitrag habe ich eigentlich verfasst, um mir alles von der Seele zu reden – ich wollte euch zu jedem Ereignis, besonders den Wochen in Kreuth, ausführliche Beiträge liefern. Doch jetzt wollte ich einfach einen klaren Kopf bekommen und euch auf den neuesten Stand bringen. Denn ich habe das Gefühl, keine Kraft mehr zu haben und immer wieder zurückgeworfen zu werden, egal wie sehr ich mich bemühe alles richtig zu machen.

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3 Kommentare

  1. Ella

    Bitte Bitte Gib Nicht AuF!!!!!!Es gibt immer einen Weg wieder glücklich zu werden, immer! Glaub mir vor ein paar wochen ist mir ebenfalls das schlimmste meines Lebens passiert, ebenfalls zusammenhängend mit Pferden. Diesen Tieren die einem vieles geben aber auch so viel nehmen. Ich hab mich oft gefragt wozu ich diesen Sport eigentlich mache, wenn er mir immer wieder meine Kraft und Freude nimmt. Ich spüre die Folgen dieses Unfalls immer noch, aber mit den richtigen Menschen an seiner Seite schafft man alles. Und wenn man zurück blickt, auf das was man geschafft hat, dann kann man sich langsam wieder arrangieren. Du hast schon so viel geschafft. Ich kenne dich nicht und du mich auch nicht aber ich wünsche mir so sehr dass alles wieder gut geht. Für mich aber vor allem für dich. Bitte gib mir irgendein Zeichen dass du das hier gelesen hast, dass würde mich sehr freuen! Ich hoffe ich konnte dir helfen

    Antworten
    • teresasarnow

      Vielen Dank für deine lieben Worte!
      Du hast vollkommen Recht, zwar gibt mir der Sport so viel, doch andauernd kommen dann wirklich schlimme Augenblicke dazwischen, die mich an allem zweifeln lassen. Aufgeben werde ich aber niemals, dafür träume ich schon viel zu lange davon und habe schon viel zu viel investiert. 🙂
      Ich hoffe auch, dass bei dir wieder alles gut wird!

      Antworten
  2. Jörg Trautmann

    Hallo Teresa,

    Keine schönen Nachrichten nach dem Urlaub, habs gerade erst gelesen und es tut mir schrecklich leid für euch. Aber ich bitte dich, gib nicht auf, du hast viele, die hinter dir stehen und genauso denken, dir Kraft und Hilfe geben können.
    Dreamer wird es dir danken, auf eine eigene Weise.
    Ich kann dir auch nur meine Hilfe anbieten, sei es reden oder so, ich bin kommende Woche in der Nähe …
    Was kommt, gib nicht auf, du schaffst das !

    Ganz liebe Grüße!!!

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