Der gestrige Tag hatte es wirklich in sich, das kann ich euch sagen. Am Abend habe ich mich gefühlt, als wäre eine Woche innerhalb von 24 Stunden vergangen und war so fertig, wie lange nicht mehr.
Meine Gefühle hatten an dem Tag tatsächlich eine Achterbahnfahrt.

In der Früh bin ich mit Dreamer ausreiten gegangen, in der Hoffnung, dass es ganz entspannt werden würde. Wir sind nur im Schritt geblieben und schon zu Beginn hatte er ein wenig gesponnen und mehr als sonst vor allem Angst. Da wir eine etwas neuere Runde gegangen sind, kamen wir an einigen Rehen in einem Gehege vorbei – welche er nur von weiter weg kannte. Diese fand er gleich gruselig und als einige sich bewegten und aufstanden, raste sein Herz wild los.
Ohne Sattel spürt man den Herzschlag der Pferde sehr gut, finde ich – ein Grund, weshalb ich gerne ohne Sattel reite. Doch natürlich waren wir mit Sattel unterwegs und ich dachte, sein Herz platzt gleich!
Schließlich hat er Panik bekommen, ist rückwärts gerannt, wollte umdrehen. Als er nicht durfte, ist er gestiegen, und das leider ordentlich! Was ich noch nie erlebt habe bei ihm war das tiefe und schnelle Treten der Vorderbeine auf der Stelle, wobei er fast in die Knie gegangen wäre!
Links neben uns war ein tiefer Graben mit einem kleinen Bach, in den wir andauernd fast rückwärts rein wären. Als ich es dann geschafft habe, ihn etwas weiter vor und weg vom Bach zu bringen, musste ich all meine Kraft aufwenden, um ihm vom durchgehen über die Wiese abzuhalten.
Die ganze Prozedur dauerte ziemlich lange, bis wir letztendlich dann ‚entspannt‘ wieder gehen konnten.

Danach waren wir zu dritt mit Bulgari ausreiten und wollten zum ersten Mal wieder den Weg reiten, in dem wir letztes Jahr in ein Wildbienennest getreten sind.
Zur kurzen Info: Bulgari und ich hatten dabei viele Stiche abbekommen, während es bei mir ’nur‘ etwa fünf waren, hatte Bulgari über 50 Stiche! Die Schmerzen und Panik welche er emfpunden hat, kann man gar nicht beschreiben, und auch meine Angst um Bulgari war riesig.
Der Kleine hat sich diesen Vorfall natürlich gemerkt, ich hatte aber gehofft, dass es nicht so schlimm werden würde. Bereits vor dem Wald zappelte er rum, bis er schließlich versuchte durchzugehen und ebenfalls stieg. In seiner Angst ist er Ginger auf den Fuß gestiegen und hat an ihrem schlechten Fuß eine Wunde verursacht, weshalb wir den Ausritt mehr oder weniger abbrechen mussten und meine Mutter Ginger führte.
Nachdem ich gesagt habe, dass sein Verhalten an den Bienen liegt, haben wir versucht, einen Ausweichweg zu gehen – durch diesen Wald, nur ein anderer Weg. Bis dahin war noch alles gut, als wir aber im Wald waren, drehte Bulgari komplett durch. Er versuchte loszurennen, ist fast gegen einen Baum gelaufen, rückwärts gerannt und versuchte, zu steigen. In seiner Panik schien er eine Art Flashback gehabt zu haben, er schüttelte mit dem Kopf wild herum, schlug um sich und ging (ähnlich wie Dreamer es gemacht hat an dem Tag!) fast in die Knie, weil er mit den Beinen so schnell auf der Stelle trat und scheinbar wie damals dachte, überall säßen die Bienen.
Das mitzuerleben war wirklich hart für mich, ich kenne mich ein wenig aus mit Traumata und weiß, wie schlimm so etwas für den Betroffenen ist.
Wir sind also schnell wieder aus dem Wald raus und haben uns auf dem Heimweg gemacht.

Danach habe ich noch Amadeus gearbeitet und hierbei endlich einige positive Erlebnisse für den Tag gehabt. Nach einer Kuscheleinheit und dem Vorführen seines spanischen Schrittes, machten wir noch ein wenig Freiarbeit und schließlich lies ich ihn noch ein paar Runden laufen.
Auf unserem Platz stand ein Sprung, Steffi stand mit Ginger an der Bande neben dem Sprung, so dass dort kein Platz mehr war (den Grund dafür weiß ich nicht mehr, ich denke, weil sie zusehen wollte). Amadeus ist einige Male ganz entspannt und ohne Streß vor dem Sprung vorbei galoppiert, auf dem Zirkel. Das nächste Mal aber sprang er ganz locker da drüber, als wäre nichts gewesen!
Warum ich mich darüber so sehr gefreut habe?
Amadeus hatte als Fohlen einen Unfall, weshalb er nicht mehr gerne springt und immer etwas unsicher ist. Er vermeidet das kleinste Kreuz, so lange es geht. Und plötzlich hüpft er mir über einen etwa 50-60 cm hohen Steilsprung!
Das hat mich natürlich wahnsinnig gefreut und so glücklich gemacht!

Weiter ging es dann, als der Tierarzt zu Dreamer kam und sich die Verletzungen an seinen Beinen ansah. Mein Verdacht war bereits seit einiger Zeit Narkolepsie, das ist eine Schlafkrankheit, bei der die Pferde einfach umkippen und dadurch meist auch auffällige Wunden an bestimmten Stellen der Beine entstehen – die harmloseren Formen bestehen daraus, dass die Pferde beim Dösen oder in gewissen Situationen, wie beim Satteln, einfach ‚einschlafen‘ und umkippen. In der schlimmsten Form, wenn die Pferde zB beim Reiten umfallen, ist zum Glück sehr selten.
Was man grundsätzlich sagen kann ist, dass Dreamer diese Anfälle nachts haben muss, oder wenn niemand am Stall ist (also vormittags und gelegentlich nachmittags auch mal). Er taumelt nicht beim Putzen oder ähnliches.
Diese Diagnose habe ich versucht, so gut wie möglich von mir weg zu schieben – als es dann ausgesprochen wurde, traf es mich doch sehr hart.
„Alle möglichen Streßquellen finden und von ihm fernhalten“ war der Satz, welcher mir am meisten Angst macht. Denn nun habe ich andauernd im Kopf, wie es vor allem auch mit den Turnieren weiter gehen wird.
Diese Nachricht war also ein großer Tiefschlag für mich an dem Tag…

Einige Zeit später machte mein Bruder dann noch Videos von Amadeus und mir, für den YouTube Kanal. Das wiederum machte total Spaß – erneut haben wir Freiarbeit gemacht, sind gemeinsam (vom Boden aus) über ein Kreuz gesprungen und zwei Mal saß ich sogar auf ihm und wir sprangen über das Kreuz!
Ein unglaubliches Gefühl, nachdem ich ihn wohl seit 2 Jahren nicht mehr ‚gesprungen‘ war.
Er hatte dabei keine Angst, fühlte sich nicht unwohl – sondern ging ganz locker drüber.
Das Ganze hat auch echt Spaß gemacht, und schöne Videos sind auch noch dabei raus gekommen.

Mein Tag war also durchzogen von negativen und positiven Dingen, das Auf und Ab kam so schnell, wie es wieder ging. Erst am Ende des Tages, als ich alleine in meinem Zimmer saß, niemanden um mich herum hatte und das erste Mal zum wirklichen Denken kam (was bei mir nie gut ist), stürzten die ganzen Gefühle auf mich ein.
Ein spannender Tag, jedoch auch ein sehr sehr anstrengender. Mit drei Pferden erlebt man wohl immer was, leider häufig auch negatives.