Geländereiten ist wichtig, doch wieso eigentlich? In diesem Beitrag möchte ich euch einige Gründe aufführen und vor allem auch meine persönlichen Gründe nennen.

Reitet man sein Pferd täglich in der Halle oder auf dem Platz, bietet dies (abgesehen von Stangenarbeit, etc.) relativ wenig Abwechslung. Es ist immer die gleiche Umgebung.
Manche Pferde werden mit der Zeit triebig, reagieren schlecht, sind unmotiviert bei der täglichen Arbeit. Spielt man wieder und wieder die gleiche CD ab, kann man sie irgendwann nicht mehr hören.
Reitet man Tag für Tag auf dem Platz die gleichen Lektionen, geht es auch den Pferden so – sie können es schlicht und einfach nicht mehr sehen.
Bietet man dem Pferd zu wenig Abwechslung, kann es dazu führen, dass die Motivation mit der Zeit nachlässt. Viele Pferde werden dann stumpf am Bein, gehen nicht mehr vorwärts, verlieren schlicht und einfach die Lust zu arbeiten. Dann werden Bluttests gemacht, Untersuchungen, verschiedenes Futter ausgetestet – obwohl die Ursache am Ende ganz einfach fehlende Motivation ist.

Neben der Abwechslung bietet das Gelände also auch einen Ausgleich, besonders wichtig meiner Meinung nach bei Turnierpferden. Der Turniersport ist für die meisten Pferde ein sehr großer Streßfaktor, die Hängerfahrten, die Anspannung am Turnier. Zumindest bei meinem Pferd merke ich es, aber auch wenn ich mich am Turnier umsehe, finde ich da bei 90% der Reiter und Pferde eher Stress als Spaß …
Reitet man sein Pferd also fast jedes Wochenende auf Turnieren, so wie ich es diese Saison eigentlich auch vor hatte, muss man im Gegenzug für Abwechslung sorgen und dem Pferd eine Möglichkeit bieten, im Kopf wieder klar zu werden und abschalten zu können.

Abgesehen davon aber gibt es natürlich auch mehr oder weniger schreckhafte Pferde, Dreamer zum Beispiel hat im Parcours meist Angst vor den Blumen und Pflanzen neben den Hindernissen, wenn er daran vorbei galoppieren muss – vor allem bei Zeitspringen eine lästige Angewohnheit.
Auf dem heimischen Platz sehen die Pferde meist nur das Gleiche, es gibt wenig Veränderungen. Im Gelände dagegen warten immer neue Herausforderungen, an welche man Pferde gewöhnen kann oder muss. Zu Beginn hat Dreamer bei unserer Hauptrunde immer beim Vorbeigehen an einem großen Holzstapel gesponnen, ist durchgegangen und einmal sogar gestiegen. Seitdem übe ich das jedes Mal, mittlerweile können wir schon (wenn auch mit deutlicher Zügelverbindung) daran vorbeitraben, ohne dass mehr passiert.
Zumindest bei uns liegen auf verschiedenen Strecken Planen herum, Hölzer am Rand, dunkle Erdflecken, Traktoren, von den Bauern natürlich auch mal irgendwelche Geräte zum Arbeiten.
Im Schritt mögen diese Sachen vielleicht weniger eine Herausforderung sein, im Trab und Galopp aber wird es schnell mal gruselig. Desto mehr ein Pferd im Leben sieht, desto sicherer wird es und gewöhnt sich an sämtliche Sachen. Und dadurch werden sie natürlich generell entspannter und weniger schreckhaft.
Die Konfrontation mit neuen Dingen härtet also ab und wirkt sich somit auch im Turniersport positiv aus.

Pferd Reiten Reitsport

Dazu kommt auch das Vertrauen, welches zum Reiter gestärkt wird. Im Gelände erlebt man deutlich mehr als auf dem Dressurplatz, muss lernen, ein Team zu werden.
Vertraue ich Dreamer im Gelände? Nein, ehrlichgesagt noch nicht komplett. Natürlich hat das auch seine guten Gründe, aber wir arbeiten daran.
Die Verbindung zum Pferd ist eine Partnerschaft, und wie in jeder Partnerschaft muss man an seinen Problemen arbeiten. Desto mehr man gemeinsam durchlebt, desto harmonischer wird das Team und lernt, sich gegenseitig zu vertrauen. Wofür vertrauen wichtig ist, brauche ich hoffentlich nicht weiter auszuführen…

Zu guter letzt macht es ganz einfach Spaß und ist auch für mich als Reiter ein tolles Gefühl, wobei ich natürlich hoffe, bald mit Dreamer mal ganz unbeschwert und frei im vollen Galopp über ein Feld galoppieren zu können.
Aber auch mit meinen anderen Pferden gehe ich immer wieder ausreiten, sehr gerne auch mit Amadeus, da wir uns blind vertrauen und ich ihn auch mal durchgehen lassen kann, ohne Angst zu haben, dass etwas passiert. Mit ihm bin ich schon viele Male in einem unglaublichen Tempo über ein Stoppelfeld geflogen – die Geschwindigkeit und das Gefühl zu schweben ist einfach ein Traum!

Diese Gründe sind für mich wohl die Wichtigsten und für Dreamer und mich muss ich noch austesten, wie häufig wir ins Gelände gehen und wie wir ein gutes Mittelmaß finden. Darüber wird auch der nächste Beitrag gehen.