Unsere erste Turniersaison hatten wir im Jahr 2015 ab Ende August bis November. In dieser Zeit ritten wir 10 Springprüfungen. Wir waren kaum vorbereitet darauf, hatten zuhause zwar ab und zu ein paar Sprünge auf Cavaletti Höhe geübt, aber nur wenige Male Springunterricht genommen.

Das erste Turnier ritten wir in Kreuth (Oberpfalz). Es gibt auch bei uns in der Nähe einen Ort namens Kreuth, nur 50 Kilometer entfernt.  Bis dahin hatte ich dummerweise nie die Postleitzahl eingegeben um die Entfernung zu berechnen, weshalb mein Vater erst am Abend zuvor sah, dass wir statt 50 Kilometern 250 fahren mussten. Ich hatte es ewig geplant und mich so sehr darauf gefreut, dass wir beschlossen, zu fahren. Kurz nach Mitternacht stand ich also auf um zum Stall zu gehen und war schon wahnsinnig aufgeregt.
Das E Springen lief unerwartet gut – bis ich den Weg vergessen hatte und eine Runde außen herum galoppierte, um den nächsten Sprung zu finden.
Am Ende meinten die Richter, dass es aufgrund eines Navigationsproblems heute leider keine Platzierung gäbe. Ich habe es mit Humor genommen und musste selbst lachen, auch wenn ich mich ein wenig über mich geärgert hatte.
3-1
Bei unserem zweiten und dritten Turnier (beides A* Stilspringen) landeten wir direkt jedes Mal auf dem 6. Platz! Es kam mir vor wie ein Wunder, da ich ihn noch nie auf A Höhe gesprungen war und vor allem die Oxer beeindruckend wirkten. Das zweite Mal, dass wir jemals gemeinsam einen gesamten Parcours gesprungen sind, wurden wir sofort platziert.

Daraufhin ging es nicht ganz so perfekt weiter, das nächste A Stil war leider auf einem tiefen Sandplatz sehr hoch gebaut und ich bin bescheuert geritten – viel zu langsam und oft falsch rangekommen. Stolz war ich danach trotzdem auf den Kleinen, da er mich mutig und trotz meiner Unsicherheit durch den Parcours getragen und gekämpft hat. Es reichte sogar noch für den 7. Platz! Die darauffolgenden Prüfungen (A*, Stilspringwettbewerb und E Stil) liefen ebenfalls schlechter.

Im November fuhren wir nochmals nach Kreuth, dieses Mal für einige Tage. Ich hatte A* und A** Springpferdeprüfungen genannt, die ersten beiden Prüfungen liefen wirklich in Ordnung.
In unserem ersten A** erhielten wir sogar eine Wertnote von 6,9 obwohl ich wieder häufig falsch angeritten bin. Auch unseren ersten Wassergraben hat Dreamer toll gemeistert und sprang wie selbstverständlich darüber.
Nach diesen beiden Springprüfungen war unsere Woche dort aufgrund des Zusammenstoßes mit einem anderen Pferd auf dem Abreiteplatz leider beendet – über diesen Unfall könnt ihr in einem anderen Beitrag etwas erfahren.

Springturnier Pferd Kreuth

Abschließend kann ich sagen, dass ich absolut schlecht geritten bin und froh sein konnte, so ein wahnsinnig tolles Pferd zu haben. Obwohl er selbst jung und unerfahren war, hat er immer mit mir zusammen gearbeitet und versucht, mir so viel wie möglich zu helfen.
Er hat meine Fehler ausgeglichen und mir Mut gegeben, wenn ich schwach wurde. Ich vermisse die Zeit ein wenig, als Dreamer vor keinem Sprung gezögert hatte und immer drüber wollte.
Er hat mir einen angenehmen Start in die Turnierwelt ermöglicht, nun muss ich lernen, ordentlich im Parcours zu reiten und auch mit weniger einfachen Pferden umzugehen. Denn die Tage, in denen Dreamer ein einfach zu springendes Pferd war, sind vorerst vorbei und werden auch nicht so schnell wieder kommen.
Was er mir an Sicherheit und Vertrauen gegeben hat, muss ich ihm nun zurückgeben.