Gestern hatten wir unser zweites Zeitspringen, besser gesagt eine Stilspringprüfung  mit Stechen.
Vergangenes Jahr im November hatten wir bei unserem ersten Zeitspringen sofort den ersten Platz erreicht und ich habe mich schon ein wenig auf die diesjährige Saison gefreut.

Die Prüfung gestern fand am Gut Bohmerhof statt, auf einem schönen Sandplatz mit einem gut gebauten Parcours, ohne vielen Planzen oder Blumen um die Sprünge, was mich generell immer erleichtert. Dreamer hat vorallem beim vorbeigaloppieren an Sprüngen Probleme, wenn dort Dinge stehen.
Nachdem wir früh genug und relativ entspannt ankamen und uns einen Überblick vom Parcours und der Abreitehalle verschafft haben, bereiteten wir uns auch schon vor. Die Abreitehalle war schön, aber nicht riesig. Zum Glück war auf 15 Reiter begrenzt (ich war die 14. in der Reihenfolge, hatte also genug Zeit mich vorzubereiten), trotzdem herrschte Chaos – wie immer!
Jedes Mal stresst mich diese Situation und lässt mir manchmal den Atem stocken, wenn schon wieder jemand ganz knapp an uns vorbei galoppiert. Dreamer zuckt gelegentlich noch oder lässt sich kurz verunsichern, steckt das ansonsten aber besser weg als ich.
Da ich am Abreoteplatz ständig um mich herum alles beobachten muss, komme ich relativ schlecht zu einer wirklich ordentlichen Vorbereitung und kann Dreamer niemals wirklich effektiv vorbereiten.
Einige Kandidaten, die wie wild umher ritten, fielen mir auch an dem Tag wieder auf. Eine davon galoppierte wenige Meter vor dem Sprung aus dem Schritt oder Trab an, um ihr Pferd irgendwie über das Hindernis zu bringen – mal hat es geklappt, mal nicht. Dass es nicht wirklich sinnvoll ist, ein Pferd etwa 3-4 Galoppsprünge vor dem Oxer anzugaloppieren, sollte hoffentlich jedem klar sein. Vielleicht steckte da ja auch irgendeine spezielle Taktik dahinter, so wie es bei dem Paar aussah, denke ich das aber weniger.
Ich könnte mich über so viele Reiter dort aufregen, aber das ist schließlich nicht das Thema. Wie immer richte ich mich mit solchen Beiträgen an die Turnierreiter unter euch und fordere euch auf, Rücksicht auf andere zu nehmen! Neben euch gibt es noch mehrere Reiter, die vielleicht nur dieses eine Pferd haben und sich vieles hart mit diesem Tier erarbeiten mussten und es über alles lieben! In dem Prüfungsstress passiert es schon mal, dass man sich stark konzentriert oder zu aufgeregt ist, aber man muss nur die Umgebung ein wenig beobachten und manchmal einfach versuchen, sich mit Blickkontakt zu verständigen – was gut funktioniert, wenn man den anderen nur ansehen würde!

Beim Abspringen war Dreamer von Anfang an brav und sprang ohne großes Drama über das erste Kreuz aus dem Trab und danach auch im Galopp. Nach ein paar Steilsprüngen nahmen wir dann sogar ein Mal den Oxer in Angriff, was bei uns nicht häufig vorkommt. Beim Abreiten bin ich mittlerweile extrem vorsichtig und verzichte auf viel Springen, je nach Gefühl (ob ich es brauche oder nicht und natürlich wie chaotisch es am Platz ist) springe ich zwei oder drei kleine Oxer, mehr brauchen wir aber nicht.
Generell verstehe ich nicht, wieso man sein Pferd wieder und wieder über die Sprünge jagen muss, bis es durchgeschwitzt ist und nur noch keucht vor Erschöpfung. Schließlich heißt es „Aufwärmen“, nicht „kaputt reiten“. Uns reichen je nach Tagesform vier bis zehn Sprünge, mehr springe ich sehr selten ab. Natürlich dient das zum Aufwärmen der Gelenke, jedoch erfolgt das bei uns in den Gangarten und das Springen muss man nicht übertreiben.
Als dann noch drei Reiter vor mir auf der Liste standen, nahm ich noch einmal einen Steilsprung und fühlte mich dann recht gut vorbereitet. In Gedanken ging ich nochmal durch, was ich in Ruhe vor der Prüfung noch machen muss – Jacke ausziehen (habe ich einmal schon fast vergessen!), Nachgurten und noch ein paar Momente dem Reiter vor mir im Parcours zusehen.
Leider kam es anders als gedacht und plötzlich wurde ich schon am Prüfungsplatz aufgerufen, als ich noch in der Halle ritt – zwei Reiter vor mir waren nicht erschienen. Dreamer und ich sind also losgetrabt, habe mir ohne Zügel im Trab die Jacke ausgezogen und nicht mehr nachgegurtet. Solche Situationen stressen mich unglaublich und setzen mich unter Druck, weshalb ich eigentlich jemand bin, der immer lieber etwas zu früh da ist! Mit (stark) durchhängenden Sattelgurt und total perplex sind wir also in den Parcours geritten, etwas unordentlich gegrüßt und los ging es.


Vor dem ersten Sprung war Dreamer ein wenig unsicher und zwischendurch musste ich schon wirklich reiten, aber er hat es total super gemacht! Die Prüfung haben wir dann mit einer 7,4 beenden können und waren somit noch im Stechen.
Auch hier lief es eher chaotisch ab, da mir niemand sagen konnte, wann ich rein reiten kann. Zwischen meiner ersten und zweiten Prüfung verging einige Zeit und Dreamer wurde nur Schritt geritten bzw. ist auch gestanden, da wir nicht wussten, ob wir ins Stechen kommen. Zeit zum erneuten Aufwärmen war also nicht und mir war das Risiko zu groß, zum traben nochmal kurz in die Halle zu reiten.
Der Parcours lief dann aber absolut klasse, Dreamer hat seinen Job richtig gut gemacht und ich habe mich sehr gut gefühlt auf ihm! Wir waren wirklich gut unterwegs und relaitv schnell – auch, wenn es immer extrem langsam aussieht.
Ganz knapp am ersten Platz vorbei landeten wir also unerwartet auf dem zweiten Platz!
Diese Runde war schon deutlich schöner als der Ritt in Kreuth und ich bin mir sicher, dass wir es auf Zeit auch noch deutlich besser und feiner hinbekommen, doch das müssen wir natürlich auf den Turnieren üben! Ärgerlich war lediglich ein Fehler von mir, als Dreamer im Kreuzgalopp gelandet ist und ich ihn dann natürlich ein wenig zurücknehmen musste – ohne dieses Versehen wären wir auf dem ersten Platz gelandet, da uns das einiges an Zeit gekostet hat.
Nach dieser Prüfung hatte ich noch ein Springen gennant, nach so tollen Leistungen habe ich aber entschlossen, nach Hause zu fahren und ihm den restlichen Tag auf der Koppel zu gönnen.

Zeitspringen macht unglaublichen Spaß, nur dachte ich nie, dass uns das liegt. Normalerweise halte ich Dreamer eher ein wenig zurück, da er ansonsten schnell unkontrolliert wird und ich teilweise tatsächlich eine leichte innere Blockade habe.
Während ich das Stilspringen immer etwas ruhiger angehe (bzw. es versuche), bin ich auf Zeit ein anderer Mensch – reite energischer, absolut entschlossen und zielstrebig, genau wie mein Pferd. Meine innere Unsicherheit oder Zurückhaltung ist dabei wie weggeblasen, als wäre ein Schalter umgelegt!
Und ja, es macht einfach Spaß und lässt mein Herz vor Freude springen! Auch Dreamer hat man seine Freude angemerkt, mit gespitzten Ohren hat er sich ein Herz gefasst und wie ein Großer durch den Parcours gekommen!
Dieser Erfolg war natürlich ein großes Highlight für mich und hat mich schon wieder unglaublich glücklich gemacht!

Auf die Saison bin ich wahnsinnig gespannt und werde definitiv mehr Zeitspringen nennen!