Unser Trainingstagebuch – private Einblicke

23

Juli 2017

Nach Dreamers Kauf damals, vor drei Jahren, habe ich eine Art Tagebuch geschrieben, in dem ich alles zum Pferdetraining festhalten wollte. Heute habe ich es wieder gefunden zwischen alten Büchern und fand es irgendwie total schön, gleichzeitig natürlich auch recht amüsant, was so alles drin stand.
Tagebücher sind zwar etwas sehr persönliches, in diesem aber nur vereinzelte Teile, da es schließlich um mein Pferd ging. Daher möchte ich euch in diesem Beitrag ein paar Ausschnitte davon zeigen. Die kursive Schrift habe ich eins zu eins aus dem Trainingstagebuch so übernommen, wie es hier steht. Texte mit normaler Schrift „kommentieren“ sozusagen die damaligen Geschichten.

Dreamer – Trainingstagebuch
Traumfänger (aus Traumweise von Perechlest)
23.07.2014

Als ich ihn in der Stallgasse stehen sah, war es Liebe auf den ersten Blick.
Ich hoffte, dass dieses Pferd Traumfänger ist. Und er war es.

Am Sonntag fuhr ich mit Papa nach Lübeck, um ein Pferd anzusehen. Montag bin ich Traumfänger zwei Mal geritten, als wir alleine ins Gelände durften habe ich mich um etwa 5 km verritten.
Das hat an dem Tag übrigens niemand erfahren, obwohl ich total in Panik war, da ich kein Handy dabei hatte und ich felsenfest davon überzeugt war, mir die kleine Runde um den Hof eingeprägt zu haben… dem war scheinbar nicht so, das norddeutsche Gelände ist eben doch anders als das in Bayern. Dreamer hat mich damals aber souverän im Renntrab und Galopp wieder nach Hause getragen!

Wichtig ist jetzt, dass ich ihn wendig mache, gymnastiziere, viel mit Stangen arbeite (Technik, Geschick) und ein Team mit ihm werde. Ich selbst muss Abstände schätzen lernen.

Heute reite ich Dreamer am Sandplatz, ich habe zwei kleine Sprünge aufgebaut, die ich in die Dressurarbeit einbeziehen werde.
Gestern habe ich Meterschritte gehen geübt.

Auf ca. 7 m macht er zurzeit drei Galoppsprünge – es sollten zwei sein.
Wie sagt man so schön… Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung 😀

Heute habe ich den Sandplatz „umgebaut“, er sieht jetzt wie folgt aus:
Auf der Mittellinie zwei Galoppstangen (Abstand 3,40 m), daneben Schritt bzw. Trabstangen auf gebogener Linie (u.a. aus Volte zu reiten).
Morgen reite ich nur dressurmäßig und baue drei bis vier Mal diese Stangen ein.

Heute trainiert: Schrittpirouette, Seitengang, Schulterherein (auch Trab), Schenkelweichen, Travers, Galopppirouette, Kurzkehrt, Galoppsprung erweitern / verkürzen. Links ist seine schlechte Hand.

Abends als ich den Meterschritt geübt habe, hab ich mich kurz ohne Sattel nur mit Strick um seinen Hals am Platz auf ihn gesetzt. Er war super brav. Zwischen uns gibt es schon eine richtige Verbindung. Er apportiert gerne – ich bin gerade dabei, es ihm beizubringen.
Wie man heute sieht, habe ich das Unternehmen scheinbar nicht lange weitergeführt.

Olympia ist ein verdammt großes Ziel, das unerreichbar aussieht. Aber mit harter Arbeit … ist es vielleicht gar nicht so unmöglich. Wenn wir zusammenarbeiten, werden wir sicher irgendwann S Springen gehen können. Wichtig ist Vertrauen. Das ist das allerwichtigste – gegenseitiges Vertrauen.

„Wenn du an etwas arbeitest, musst du alles geben, was du hast. Wozu sonst das Ganze.“

Dreamer hatte viel zu viel Energie. Er hat drei Tage hintereinander nur unter dem Sattel gebuckelt und ist gestiegen. Nachdem ich ihn einfach Mal laufen habe lassen, ging es wieder.

11.10.2014
Ich war die letzte Zeit oft kurz vor der Verzweiflung und immer öfter ganz nah an meinen Grenzen mit Dreamer. Zwischendurch lief es gut, und plötzlich stieg er nur noch richtig hoch und buckelte durchgehend. Ich hab richtig oft geweint, weil ich nicht weiter wusste.

Plötzlich läfut es wieder richtig gut! Heute haben wir einen Parcours fehlerfrei geschafft.

Den letzten Donnerstag habe ich ihn um 4 Uhr früh trainiert. Am Wochenende dann zweimal.

06.12.2014
Erster fliegender Wechsel

Heute war ich mit Dreamer lange im Schneesturm ausreiten, er war so brav!
Letztens hatte er etwas Panik vor der Decke, da sie die Bänder um die Hinterbeine hat und er das nicht kannte. Er ist rumgerannt und war panisch, als ich ihn angesprochen habe und beruhigen wollte, ist er direkt zu mir gekommen!

Das Tagebuch habe ich nicht täglich geführt und ich denke nur bis Ende des Jahres 2014, also noch vor seinem ersten Unfall an Sylvester. In dem Trainingstagebuch findet man unzählige Übungen, welche ich aufgezeichnet habe. Speziell aufgebaute Stangen, Übungsreihen für alle Situationen, junge Pferde, was man dabei alles beachten muss, wie man es reiten muss. Von den nicht zu vielen Seiten sind allein sechs Seiten komplett skizziert mit Übungen für den Springsport – einige davon wirklich nicht schlecht. Das Buch hat mir ein paar Anregungen gegeben, auch für das derzeitige Aufbautraining.
Viele Leute haben mir vorgeworfen, dass ich mir kein junges Pferd hätte kaufen sollen. Doch wie man aus diesem Buch wirklich erkennen kann (wenn man es selbst sehen würde), habe ich mich wahnsinnig viel informiert, viel gelesen, über alles nachgedacht. Die ein oder andere Stelle lässt mich schmunzeln, während manche mir wieder die Augen öffnen und alte Erinnerungen kommen. Wie zum Beispiel die schlimmen Phasen zu Beginn, als er nur noch gebuckelt hat … wie ich damals schon geschrieben habe, hat mich das zum Verzweifeln gebracht. Es sind teils auch persönliche Einblicke, aber so alte Texte finde ich immer spannend, aus der heutigen Sicht zu lesen!

„Als ich ihn in der Stallgasse stehen sah, war es Liebe auf den ersten Blick – ich hoffte, dass dieses Pferd Traumfänger ist.
Und er war es.“

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