Gestern habe ich zusammen mit einer Reitschülerin mal wieder einen Gelassenheitsparcours aufgebaut.
Leider bauen wir so etwas viel zu selten auf, meist etwa ein- bis zweimal im Jahr. Für die Pferde bedeutet das viel Abwechslung und meist auch Spaß.

Womit wir üben ist ganz unterschiedlich und orientiert sich an den Ängsten der Pferde – Regenschirm, Plane, Flatterbänder, Luftballons, Mülltüte, schon alles war dabei.
Im Winter (hauptsächlich wenn Schnee liegt) jedoch haben wir noch weitere interessante Trainingsgegenstände:
Feuer. Wir üben in Form kleiner Fackeln und 1 Meter Wunderkerzen, welche man von Silvester kennt.
Doch dazu komme ich später noch genauer.

Am Samstag haben wir einen Parcours mehrerer Gegenstände aufgebaut und mit allen fünf Pferden trainiert, wobei jeder seine Schwächen und Stärken hat auf welche man induviduell eingehen muss. Bulgari hat so ein Training zum ersten Mal durchlaufen, weshalb wir mit ihm noch nicht zu viel gemacht haben – wichtig war mir, zu sehen, wie er auf welche Konfrontation reagiert. An diesem Tag aufgebaut hatten wir:
– eine Gerte, an welcher viele flatternde Absperrbänder angebracht waren
– eine Peitsche, an welcher ein Müllsack hing
– eine Gerte mit Nikolausmütze am Ende
– Stoffplakat zum drüber gehen (im Sommer nutzen wir dafür planen, im Winter mit nassen Hufen ist mir die Rutschgefahr da aber zu groß)
– Wunderkerzen
– Fackel

Immer schrecklich finden die Pferde sämtliche Gegenstände, welche an Gerten/Peitschen befestigt sind und herumfliegen können. Bis zu einem gewissen Grad ist das alles noch in Ordnung, aber sobald diese Monster seitlich auf das Pferd zukommen und es am Ende auch noch berühren, zeigen die Pferde die schönsten Ausweichmanöver.
Unser diesjähriges Hauptproblem war eine Nikolausmütze, ob man es glaubt oder nicht…
Auf die Idee gekommen bin ich nachdem wirklich keines unserer Pferde sich eine einfache Nikolausmütze aufsetzen hat lassen (da ich eigentlich ein paar kitschige Weihnachtsfotos machen wollte), nicht einmal Amadeus!
Was genau an der Mütze so angsteinflößend ist, habe ich nach wie vor noch nicht ganz verstanden, aber dazu müsste man wohl ein Pferd sein.

Pferd Reitsport Reiten
Zu Beginn haben wir die Pferde also am Platz herum geführt, um sie ein wenig auf das Training vorzubereiten. Beim Gelasseneitstraining führen wir die Pferde stets vom Leichten zum Schweren, so wie man es aus der alltäglichen Ausbildung eines Spring- oder Dressurpferdes auch kennt.
In unserem Fall war das eine Plane, über die wir die Pferde geführt haben. Nach kurzem Anschauen lassen und Zögern war es dann aber gar kein Problem.
Daraufhin ging es zu den Flatterbändern. Wir hatten Absperrband kleiner geschnitten und an eine lange Gerte befestigt, welche wir zunächst nur an einem Hindernisständer angebracht hatten damit man sie erst einmal ansehen konnte.
Nachdem das Vorbeigehen kein Problem war, nahmen wir die Gerte in die Hand und wedelten leicht damit herum, sowohl vor dem Pferd als auch auf beiden Seiten.
Dreamer fand es sehr gruselig und beruhigte sich erst nach einer Weile, hat dann sogar an den Bändern herumgeknabbert.

Danach ging es zu der Nikolausmütze und dem Müllsack, welche je an einer Peitsche befestigt waren. Ähnlich wie bei den Flatterbändern haben wir sie vor und neben den Pferden hoch gehoben und je nach Reaktion auch mehr damit herumgewedelt.
Wichtig ist mir immer, dass ein Pferd zum Beispiel seitlich ausweichen darf, wenn es ihm zu viel wird, nicht aber aggressiv oder zu impulsiv reagiert.
Dreamers Problem ist häufig, dass er früher beim Verladen in den Hänger zum Beispiel extrem heftig reagiert hat, was man auch bei meinem YouTube Video über das RA2 zu Beginn sieht. Anders als andere Pferde lässt er sich kaum mehr händeln und ist uns schon oft genug ausgekommen, weil ich ihn einfach nicht mehr halten konnte.
Dieses Verhalten wollen wir natürlich so gut wie möglich reduzieren, damit der Impuls in den verschiedenen Situationen immer mehr sinkt und sich dauerhaft gesehen sein Verhalten generell bessert.

Und nun kommen wir zum wirklich interessanten: Das Feuertraining, welches wir nun schon regelmäßig jeden Winter üben.
Vielleicht ist das ein wenig umstritten und ich habe mich auch lange damit auseinandergesetzt, bevor wir begonnen haben. Die Gründe für dieses nicht ganz so alltägliche Training: Ich möchte nicht, dass meine Pferde beim kleinsten Feuer in Panik ausbrechen und sich nicht mehr händeln lassen. Das bezieht sich sowohl auf Silvester, als auch auf zum Beispiel kleine Feuerstellen wie ein Lagerfeuer oder ähnliches.
Ich war schon einmal in einer Situation, in der ich mit Amadeus an einem kleinen Lagerfeuer vorbei musste und das zwar geklappt hat, er aber sichtlich nervöser wurde.
Es kann also nicht schaden, wenn Pferde so etwas in einem kleinen Rahmen schon mal erlebt haben und sich vor Panik nicht gleich losreißen bzw. durchgehen.


Diese Ruhe soll natürlich nicht bewahrt werden, sollte beispielsweise ein Feuer im Stall ausbrechen.
Dass die Pferde wegen dem Schrecktraining in so einem Fall die Ruhe bewahren, ist auszuschließen. Bei einem richtigen Feuer handelt es sich zum einen schließlich nicht nur um eine kleine Fackel, außerdem wird es irgendwann heiß und die Pferde wollen weg.
Ohne einen Menschen der ihnen Sicherheit gibt, wie es im Training ist, würden die Pferde auch so nicht zu dem Feuer hin gehen und beäugen es durchaus kritisch, was sie auch sollen.
Unser einziges Ziel ist es, die Reaktion darauf sobald ein Mensch dabei ist kontrollierter zu halten – das Pferd soll also weniger auf seinen Insinkt hören und etwas mehr auf unser Handeln vertrauen.

Geübt haben wir mit den Fackeln, dass wir die Pferde in einem gewissen Radius um das Feuer herum führen können, ohne dass sie seitlich komplett wegziehen.
Auf ein Feuer zugehen stellt weniger Probleme als das seitliche vorbeigehen dar.
Bulgari, der das zum ersten Mal gemacht hat, war sehr neugierig und hatte relativ wenig Angst.

Die Wunderkerzen sind eine Steigerung zum Feuer und eine größere Herausforderung. Damit fangen wir immer sehr langsam an um zu sehen, wie die Pferde darauf reagieren. Während einer die Kerzen anzündet, steht der andere mit dem jeweiligen Pferd zu Beginn etwa 5-10m weiter weg, und geht erst nach dem die Wunderkerze brennt näher heran, bis der Führende des Pferdes die Wunderkerze selbst in eine Hand nimmt und wieder ausprobiert, wie das Pferd auf verschiedene Haltungen reagiert.

Es ist ein wenig viel um das hier zu genau für jedes Pferd zu beschreiben, weshalb wir das Gelassenheitstraining für euch gefilmt haben! In den nächsten Tagen werdet ihr auf Youtube also alles über unser Training sehen können, mit allen fünf Pferden. Sobald das Video online geht erfahrt ihr das natürlich auf meinem Instagram Account.