Turniere – das Wichtigste auf der Welt?

09

Juli 2017

Seit etwa zwei Jahren bin ich nun im Turniersport – es gab gute Momente mit Erfolgen, aber auch viele schlechte Augenblicke. Sind Turniere mir wichtig? Ja, das waren sie schon vor vielen Jahren, ohne dass ich je die Möglichkeit hatte, daran teilzunehmen.
Bereits als Kind bewunderte ich Meredith Michaels Beerbaum mit ihrem Shutterfly, wie sie so mühelos über jedes Hindernis sprangen. Nach und nach entwickelte sich eine Hoffnung in mir und der Wunsch, eines Tages genauso reiten zu können.
Damals schon haben sich große Träume in meinem Kopf festgesetzt, die ich nicht mehr loswerden konnte. Es sind Träume, über die die meisten Menschen lachen werden. Stört mich das? Früher hat es mich irritiert, denn man konnte nie ehrlich sein oder seine Herzenswünsche aussprechen. Heute sieht das anders aus, denn die Meinung anderer Menschen ist mir (größtenteils) relativ egal, auch wenn ich noch daran arbeite, Kritik an mir nicht zu persönlich zu nehmen.
Was würdet ihr denken, wenn jemand sagt, dass er gerne einmal bei Olympia mitreiten würde?
Ist das verrückt? Ist es unmöglich? Ich habe keine Ahnung, vermutlich ist es beides davon. Wie viele werden sagen, es sei dumm, solche Träume zu haben, wenn man selbst erst auf E / A Niveau reitet. Doch ist es wirklich so dumm? Sind Träume nicht genau dafür da, um auch Mal unwirklich zu sein?
Ein Traum kann gleichzeitig auch ein Ziel sein, und ja, ich würde gerne so weit kommen, wie es nur möglich ist. Ob das in vielen Jahren ein M oder S Springen ist, oder in vielen Jahrzehnten vielleicht Olympia, kann niemand – wirklich niemand – sagen.
Jeder hat einmal klein angefangen, nicht wahr? Nicht jeder von uns hat das Glück, bereits als Kind viele teure Pferde haben zu können. Nicht jeder von uns hat wahnsinnig viel Talent. Ich zum Beispiel sehe einfach die Distanzen zum Sprung schlecht, was mich teils zum Verzweifeln bringt und den Traum von Olympia doch etwas weniger real erscheinen lässt, und dennoch lasse ich mir meine Träume niemals ausreden, denn sie machen einen Menschen aus.

Der Turniersport gehört zu meinem Leben, und ich kann ihn mir dort nicht mehr wegdenken, niemals. Natürlich geht nichts über das Wohl meiner Pferde, und sollte es aus irgendeinem Grund irgendwann nicht mehr gehen, ist es eben so. Doch ich werde immer einen Weg finden, diesen Sport auszuführen – auch auf Turnieren.
Es geht nicht darum, zu gewinnen, obwohl es ungelogen ein wahnsinniges Gefühl ist, anders als alles was ich bisher erlebt habe. Es sind die kleinen Momente, die den Sport magisch wirken lassen. Wenn man plötzlich ein Team wird und gemeinsam kämpft, alles gibt, um durch den Parcours zu kommen.
Wenn man merkt, dass das Pferd gewinnen will und weiß, dass es um Schnelligkeit geht. Es ist die Verbundenheit, die Freundschaft, die im Sport nicht selbstverständlich ist.
Wenn das Pferd nach Monaten das erste Mal wieder durch den Parcours kommt und man vor Freude heult. Wenn das Pferd für einen kämpft, obwohl man gerade gar nichts auf die Reihe bekommt. Und auch dann noch springt, wenn man wie ein Vollidiot angeritten ist und ein Sprung unmöglich erscheint.

Dreamer ist viel mehr als nur ein Sportpferd oder Turnierpferd für mich. Er ist ein Herzenspferd, es war Liebe auf den ersten Blick. Von der ersten Sekunde an wusste ich, dass wir zusammen gehören und perfekt füreinander sind.
Jahrelang habe ich gespart, um mir irgendwann endlich ein eigenes Pferd kaufen zu können, mit dem ich meinem Traum ein kleines Stück weiter komme. Es war nicht so, dass er mir geschenkt wurde, wie es meistens ist. Umso schlimmer sind derartige Rückschläge wie wir sie eigentlich jedes Jahr erleben. Denn in Dreamer habe ich so wahnsinnig viele Hoffnungen (wenn auch kaum Erwartungen) gesetzt, und ich weiß, dass er ein Genie ist.
Zwar passt der Spruch „Genie oder Wahnsinn“ perfekt zu ihm, denn er ist beides und wohl mehr davon „Wahnsinn“. Doch wir haben zusammen gefunden, die schwierigen Phasen überwunden. Und ich weiß, dass ich mit ihm alles erreichen könnte.
Neben ein paar Kleinigkeiten ist das einzige, das mich von höheren Sprüngen oder Prüfungen abhält, mein schlechtes Auge. Denn ich weiß, dass er mit mir an einem guten Tag schon heute durch ein M Springen kommen würde – wenn er es wirklich will.

Ist mir der Sport wichtig? Ja, es gibt nichts Wichtigeres in meinem Leben – außer die Pferde natürlich.
Viele werden es sicher nicht verstehen, denn der Turniersport ist umstritten. Doch vielleicht kennt ihr diese Sehnsucht in euch, wenn es sich anfühlt, als würde das Herz schon fast wehtun – weil man etwas so sehr und aus tiefstem Herzen möchte. Genau so ergeht es mir bei den Turnieren.
Zwar geht die Welt nicht unter, wenn ich einige Wochen keine Prüfungen reiten kann, doch genau in solchen Augenblicken spüre ich dieses Ziehen und die Sehnsucht.
Als ich in Grafing letztes Wochenende zum Zuschauen da war, hätte ich weinen können vor Enttäuschung. Denn es ist ein tolles Turnier, auf dem ich bisher jedes Jahr war und auch jedes Jahr platziert war. Die schönen Erinnerungen bleiben, wie hier der erste 2. Platz in einem A Springen.
Doch ich war nur Zuschauer und durfte nicht reiten. Macht mich das zu einem schlechten Menschen, wenn mir der Turniersport so wichtig ist? Ich denke nicht.

Das Wichtigste auf der ganzen Welt sind für mich meine Pferde – egal, ob ich mit ihnen Turniere reite oder nicht!

„Fear kills dreams
Fear kills hope
and can hold you back from doing something that you know within yourself you’re capable of doing“

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2 Kommentare

  1. Equus Domesticus

    Warum sollen Turnierreiter schlechtere Menschen sein? Solange der eigene Ehrgeiz nicht zu Lasten des Pferdes geht, ist nichts dagegen zu sagen. Und als Teenager hab ich auch noch von Olympia geträumt!

    Antworten
    • teresasarnow

      Ich habe oft genug zu hören bekommen, dass es mir doch nur um die Turniere gehe, weil ich Dreamer nicht aus dem Sport nehme. Und das, obwohl ich wohl eine der wenigen ohne Überehrgeiz bin.
      Naja 15 bin ich ja auch nicht mehr, und ist nicht so dass ich alles rosa rot sehe – aber Träume darf man schließlich haben und es gab sicher genug Olympia Reiter, die immer davon geträumt haben, aber auch nie ernst genommen wurden. Wobei das jetzt auch nicht heißen soll, dass ich sowas irgendwann Mal erreichen könnte 😀

      Antworten

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