Anfang März erhielt ich Post vom Trakehner Verband. Am 15. und 16. April fanden zwei Sichtungstage auf dem  Gestüt Welvert statt, zu denen wir eingeladen waren. 500 Kilometer von unserem Stall entfernt.
Als ich die Einladung zu dem Training mit Patrick Stühlmeyer erhalten habe, konnte ich mein Glück kaum fassen – zwei Trainingstage für junge Trakehner. Ich erzählte meinem Vater von dem Brief und er meinte nur, dass wir hinfahren. Ehrlichgesagt hat mich das ein wenig überrascht, aber es hat mich umso mehr gefreut.

Die Anlage ist ein Traum. Viele Stallungen, eine Reithalle und ein wirklich großer Außenplatz umgeben von idyllischen Gebäuden und einem Herrenhaus mit Blick auf den Reitplatz.
Mein Vater und ich übernachteten im Wohnmobil, nur wenige Meter vom Stall entfernt. Ein paar Stunden nach unserer Ankunft hatten wir auch schon unsere erste Einheit.

Natürlich war ich anfangs total aufgeregt, bisher hatte ich noch nie viel Training, wenig Erfahrung, ein junges Pferd – keine gute Kombination, wenn man es nüchtern betrachtet. Und dann noch so ein guter Trainer, was würde er nur von uns denken? Wir konnten noch nicht einmal gezielt richtig an den Sprung reiten.
Meine größte Befürchtung war, dass er mich wegen meinen fehlenden Sporen und Sperrriemen schimpfen würde. Oft genug musste ich mir diesbezüglich schon kleine Standpauken anhören.
Meine Bedenken und Sorgen waren umsonst. Wie sich herausstellte ist Patrick Stühlmeyer ein eher ruhiger und entspannter Mensch (soweit ich das anhand der kurzen Zeit beurteilen kann), der individuell auf jeden Reiter eingeht. Nachdem wir ein paar Sprünge gesprungen waren fragte er mich zwar nach dem Grund, weshalb ich ohne Sporen reite, jedoch nicht belehrend oder mit einem negativen Unterton, sondern aus reinem Interesse. Ich erklärte ihm, dass ich es nicht für nötig halte und mich außerdem noch nicht sicher genug am Sprung fühle. Komme ich falsch ran, habe ich immer Angst, Dreamer mit  Sporen aus Versehen weh zu tun.
Dass ich es für mich persönlich für Schwachsinn halte und zwanghafte Methoden bei unsicheren Pferden ablehne, hatte ich wiederum nicht so direkt gesagt.

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Durch seine Art brachte er mich zum Handeln ohne groß darüber Nachzudenken.
„Man hat das Gefühl, du willst im Moment gar nicht wirklich über die Sprünge. Du musst es wirklich wollen!“ war der Satz, nachdem sich alles veränderte. Ich begann, wirklich zu reiten, wie noch nie bisher in meinem Leben. Woran genau es lag? Keine Ahnung. Ich wusste von Anfang an, dass man beim Springen sein Herz voraus werfen muss, geändert hatte sich bei mir aber nie etwas.
Dieser Trainer brachte mir also in zwei Springstunden das Springen mehr bei, als es jeder andere in vielen Wochen oder Monaten geschafft hätte.

Diese zwei Tage haben unser Jahr gerettet und Dreamer und mich wieder ein Team werden lassen. Ihm verdanke ich im Grunde genommen  fast alles, was seit diesem Training positives geschehen ist. Dazu gehört auch, dass er mir meine Hoffnung wieder gegeben hat, welche ich eine Weile nicht mehr gefunden hatte.
Ist es nicht verrückt, wie eine einzige Begegnung mit einem fremden Menschen jemandem so viel Hoffnung geben kann?

Es ist auf jeden Fall geplant, dass ich wieder bei ihm trainieren will. Eventuell fahren wir nächstes Jahr mit beiden Pferden nach Norddeutschland, um an Kursen bei ihm teilzunehmen.