Vor vielen Jahren war ich eine begeisterte und gar nicht mal so schechte Skifahrerin, habe an kleinen Wettbewerben teilgenommen und war dabei meist vorne dabei. Es hat mir großen Spaß gemacht und ich war immer mutig – manchmal zu mutig.
Eines Tages in einem Skikurs habe ich (soweit ich mich noch erinnere) länger gebraucht, um meinen Handschuh wieder anzuziehen und die Gruppe ist schon voraus gefahren.
Aus Angst, die anderen zu verlieren, bin ich schnell hinterhergefahren – viel zu schnell und zu gerade, habe die Kontrolle verloren und bin mit voller Geschwindigkeit über eine große Unebenheit im Boden gefahren. Unfreiwillig flog ich also einige Meter durch die Luft, bis ich schließlich am Boden landete, alles andere als sanft.
Mir blieb die Luft weg und ich dachte, ich ersticke – mal abgesehen von den unglaublichen Schmerzen und meinem Schock. Schließlich musste ein Rettungshubschrauber kommen und mich ins Krankenhaus fliegen.

Ich hatte an diesem Tag großes Glück, doch dieser schlimme Sturz hat immer noch spürbare Folgen hinterlassen. Mal ganz abgesehen von der Angst vor dem Skifahren (zwar war ich seitdem noch einige wenige Male, die Panik überwiegte jedoch dabei und seit vielen Jahren lasse ich es lieber ganz bleiben) hat auch mein Körper leichte Schäden davon getragen, welche ich zwar im Alltag nicht merke, dafür aber umso mehr, sobald ich meinen Sport ausübe.
Das Aussitzen, welches zwar erlernt und geübt werden muss, ist für „normale“ Reiter etwas Selbstverständliches. Für mich dagegen bedeutet es unglaublich viel Überwindung.
Aufgrund meines Sturzes habe ich nach wie vor starke Blockaden in der Hüfte, welche einfach nicht weg gehen. Ich besuche regelmäßig einen Ostheopaten und versuche wirklich, etwas dagegen zu unternehmen – doch die Blockade bleibt. Das war lange Jahre der Grund dafür, dass ich das Unangenehme und auch für andere auch schlecht aussehende einfach weggelassen und ignoriert habe. Da es für mich bequemer war, ließ ich das Aussitzen schlicht und einfach weg und tat so, als gäbe es das beim Reiten gar nicht.
Zwar war das nicht unbedingt zielführend, da ich mir immer gewünscht habe, endlich normal Aussitzen zu können. Doch sobald jemand zusah, konnte ich es nicht mehr üben – aus Angst, was andere denken, versteifte ich mich nur noch mehr und saß noch schlechter.  Auch bei Kursen wollte ich es nicht üben, da immer jemand zugesehen hatte und ich vor ihren Kommentaren Angst hatte.

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Mittlerweile ist es so, dass mein Wunsch, endlich auch Aussitzen zu können, viel größer ist als die Angst davor, sich zu blamieren. Daher arbeite ich ganz bewusst noch mehr daran und übe es mittlerweile regelmäßig. Auch diese Saison habe ich vor, diesbezüglich wirklich weiter zu kommen und es in mein tägliches Training einfließen zu lassen.
Ob ich auf YouTube weiterhin Ausschnitte zeigen kann, in welchen ich auch aussitze, wird sich noch zeigen – das hängt davon ab, wie die Reaktion darauf sein wird.
Es würde mich jedoch wahnsinnig freuen, euch auch dort an meinen (hoffentlich irgendwann erkennbaren) Fortschritten teilhaben zu lassen. Wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja doch irgendwann, „ganz normal“ sitzen zu können.

Meiner Meinung nach sollte man andere nicht zu schnell be- und verurteilen, sondern sich Gedanken über die Hintergründe machen. So gut wie alles im Leben hat einen Grund. Wie ein Mensch sich verhält hängt ab von den Erfahrungen, welche er im Leben gemacht hat. Genauso können, wie bei mir, Unfälle zu kleinen Fehlern geführt haben.
Hört jemand von mir, dass ich zwar bereits an hohen Lektionen arbeite, jedoch nicht einmal das grundliegende Aussitzen beherrsche, wird er vermutlich lachen und mich nicht weiter ernst nehmen. Vermutlich bekäme ich in dem Fall den Tipp, mich doch lieber erst einmal den „leichtesten“ Dingen zu witmen, anstatt auf höheres Niveau kommen zu wollen.
Wüsste man in diesem Augenblick jedoch, dass ich leider Gründe für meine Fehler habe, könnte man es eventuell auch verstehen und würde mich vielleicht nicht gleich verurteilen.
Auch andere Menschen haben Gründe für ihre Handlungen und oftmals sollte man diese einfach hinterfragen, nicht zu oberflächlich betrachten sondern mal nachdenken, was dafür ausschlaggebend sein könnte – bzw. denjenigen einfach mal fragen.