Sei du die Veränderung, welche du dir für die Welt wünscht!

Ich habe Überzeugungen in meinem Sport, zu denen ich fest stehe. Den Turniersport sehe ich generell sehr kritisch, was jedoch absolut nicht bedeutet, dass ich irgendjemanden verurteile.
Die meisten Menschen, welche ich bisher kennengelernt habe, verfolgen keine schlechten Absichten. Niemand macht extra Fehler, oder? Auch ich mache Fehler und habe vorallem früher viele Fehler gemacht, so wie wir alle.
Mein Glück war es, dass ich nie in einer normalen Reitschule unterrichtet wurde und auch nie von den typischen Reitlehrern. Durch bestimmte Menschen in meinem Leben habe ich gelernt, die gängigen Methoden zu überdenken und habe mich natürlich auch von meinen Trainerin beeinflussen lassen.
Der einzige Unterschied ist wohl, dass bei den meisten Reittrainern einfach „stur“ das Wissen vermittelt wird, welches auch sie so gelernt haben. Nachgedacht, weshalb etwas gemacht wird, wird eher selten.
Meine Trainer dagegen macht das Gegenteil: Er hat mich immer dazu gebracht, die Dinge und Methoden zu hinterfragen. Wieso mache ich dies und das? Wieso reite ich mit Sperrriemen? Gibt es dafür eine logische Erklärung?
Gibt es nur diese eine Methode? Und wenn es heißt, dass ich seine Methoden in Frage stelle, hat es ihn eher noch gefreut, dass ich mir darüber Gedanken mache.
Denn ich habe gelernt, sehr komplex zu denken, über viele Wege, und mir auch von Bewegungsabläufen ein genaues Bild zu machen.

Ich hinterfrage sämtliche Trainingsmethoden und Hilfsmittel, welche zur Ausbildung des Pferdes dienen. Aber bedeutet das automatisch etwas negatives? Wieso darf ich nichts hinterfragen, obwohl (oder eher gerade weil) es „nun mal so gemacht wird“ oder schon immer so ist?
Zu häufig schon habe ich auf die (neutrale, nicht angreifende) Frage, weshalb jemand mit Sperrriemen reitet, folgende Antworten erhalten:
„Ich weiß auch nicht genau… habe da noch nie richtig drüber nachgedacht.“ oder auch
„Ich weiß es nicht, eigentlich einfach weil alle es machen.“
Tatsächlich habe ich mir vor einiger Zeit mal die Mühe gemacht, viele Reiter nach ihren Gründen zu fragen, und diese beiden Antworten habe ich leider zu oft bekommen. Es ist schade, wie wenig im Sport überlegt wird und wie wenig hinterfragt wird.
Hinterfragen heißt schließlich nicht autoamtisch kritisieren.

Pferd Reiter Reitsport

Meiner Meinung nach werden die wenigsten Turnierpferde, egal ob auf E oder Grand Prix Niveau, reell ausgebildet und geritten. Mit dieser Ansicht stoße ich gegen viele verschlossene Türen und auf wenig Verständnis. Zurecht, wenn man bedenkt, wie viele sich dadurch angegriffen fühlen können. Auch bedenken muss man allerdings, dass meine Ansicht von „reeller Ausbildung“ zwar mit der Ausbildungskala der FN übereinstimmt, nur leider hält sich die FN meiner Meinung nach eher selten an ihre eigenen Richtlinien, zumindest bezogen auf die Ausbildung der Pferde.
Für mich ist Anlehnung etwas anderes als man es heute in den meisten Betrieben sieht, genauso wie Schwung und Losgelassenheit. Diesen Aspekt darf man nicht vergessen, wenn man sich nun angegriffen fühlen sollte.
In dem Fall haben wir wohl eine komplett andere Ansicht über „richtig“ und „falsch“.
Egal, was ich diesen Menschen erklären würde (denn es ist nicht so, dass meine Aussage einfach aus der Luft gegriffen ist), die meisten lehnen mich schon vor dem ersten Wort ab und lassen sich auf nichts ein, was ich sage.

Ein paar wenige Menschen überdenken das ganze System und beginnen, auch die Hintergründe des Sportes zu erfassen.
Vorallem unter Turnierreitern ist es jedoch meist noch so, dass sie schnelle und weniger aufwendigen Methoden bevorzugen. Ganz einfach aus dem Grund, da sie es selbst nun mal so gelernt haben und oft nicht darüber nachdenken, was man denn anders machen könnte.
Es wäre dumm zu sagen, ich möchte den Turniersport oder Reitsport verbessern. Und doch habe ich die Hoffnung, dass sich eines Tages alles zum Vorteil des Pferdes wendet und gerade im Turniersport nicht mehr so oberflächlich geritten und auch ausgebildet wird. In diesem festgefahrenen System gibt es in einem Team bestehend aus Pferd und Reiter meist nur einen Sieger.

 

Als letzte Anmerkung:
Ich behaupte nicht, dass alle Turnierreiter schlecht oder falsch reiten, denn dieser Beitrag richtet sich (auch wenn es vielleicht so wirkt) absolut nicht nur an die Turnierreiter, sondern an jeden!
Seit den Turnieren komme ich nur hauptsächlich mit Reitern in Kontakt, welche selbst auch Turniere reiten – oder mit meinen Reitschülern, welche aber ebenfalls ein anderes Denken haben oder erlernen möchten.
In meinen Beiträgen verurteile ich also niemanden, da es mir nicht zusteht. Mein Ziel ist es ganz einfach, Menschen zum Nachdenken anzuregen und sie vielleicht dazu veranlassen zu können, auch mal vom üblichen und ausgetretenen Weg abzuweichen, um neue Methoden auszuprobieren. Es gibt nicht immer nur einen Weg.
Es soll sich nun aber niemand angegriffen fühlen, und wenn doch – vielleicht gibt es dann ja etwas, was man verändern könnte. 🙂