Ich probiere gerne neue Sachen aus und habe häufig ein paar verrückte Ideen. Darunter kam mir eines Tages in den Sinn, ob man wohl ohne Sattelgurt (aber natürlich mit Sattel) reiten könnte und wie weit man dabei gehen könnte.

Wie genau ich auf die Idee gekommen bin, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr genau. Der Gurt von Dreamers Dressursattel ist immer extrem locker und hängt meist nur dekorativ am Bauch herum ohne einen konkreten Sinn zu erfüllen, weshalb wir schon öfters ‚Ärger‘ meines Reitlehrers bekommen haben. Dreamer jedoch ist ein äußerst sensibles Pferd und kann es nicht abhaben, wenn er zugeschnürt wird – weder am Maul mit einem Sperrriemen, noch durch einen Sattelgurt.
Ein ideal sitzender Sattel verrutscht nicht – es gibt natürlich immer Ausnahmen (schlechte Sattellage, etc.), wenn er mit Gurt nicht rutschen darf, heißt das dann eigentlich nicht auch dass er ohne genauso wenig die Position verändern darf? Natürlich musste ich das ausprobieren.

img_4215

Voraussetzung hierfür war ein ausbalancierter und gerader Sitz, es ist klar dass der Sattel verrutscht sobald der Reiter schief sitzt. Ohne ausreichendes Gleichgewicht kommt es zudem ohne Gurt beim Erschrecken und zur Seite springen des Pferdes oder bei einem Buckler natürlich zum Sturz von Reiter (und Sattel). Dazu sollte der Sattel wirklich „perfekt“ passen. Mit meinem Dressursattel hab ich hier Glück, mit den anderen Sätteln würde ich das nie ausprobieren.

Pferd reiten

Also ging es los mit dem Aufsteigen, dass sich gar nicht so schwierig gestaltet wie man denkt. Wir haben ein Podest als Aufsteigehilfe und ich stütze mich generell auf der anderen Seite des Sattels auf, um mein Gewicht so gleichmäßig wie möglich auf beide Seiten zu verteilen und vorallem auf junge Pferde so sanft wie möglich aufzusteigen.
Schon bei den ersten Schritten war es ein ganz seltsames Gefühl, so haltlos zu reiten. Ich war sehr vorsichtig bei all meinen Bewegungen und ein wenig zögerlich, nach einigen Minuten hatte ich mich aber daran gewöhnt.
Im Trab könnt ihr euch vorstellen dass es noch viel unglaublicher war – nach ein paar wieder vorsichtigeren Schritten begann ich, Dreamer ganz normal zu arbeiten. Aussitzen, Leichttraben, Volten, Schulterherein, Trabverstärkungen.
Sogar über Cavaletti sind wir getrabt!

img_4218

Das Spannendeste kam dann am Schluss: Sowohl im Schritt als auch im Trab hielt der Sattel wahnsinnig gut, in sämtlichen Lektionen. Also versuchten wir es schließlich auch im Galopp.
Wie erwartet war es problemlos. Das Gefühl ist unbeschreiblich, einfach faszinierend!  Das Adrenalin putschte mich auf und gleichzeitig war es ein gutes, sicheres Gefühl und das Ganze verband mich auf eine ganz neue Weise mit meinem Pferd.
Während ohne Sattel reiten das Vertrauen schon stärkt, glaube ich dass solche komplett neuen Erfahrungen ein noch stärkeres Band erschaffen. Ohne Sattel ist sitzen bleiben auch nicht einfach, ohne Gurt aber ist es ein noch höheres Risiko.
Seltsamerweise war Dreamer an dem Tag nicht besonders schreckhaft, sponn in der schlimmen Ecke nicht komplett rum – was wirklich selten vorkommt.

img_4210

Zu guter letzt war mir auch das einfache Galoppieren noch nicht genug – weshalb wir einen kleinen „Sprung“ (soweit man es so bezeichnen kann) aufstellten. Obwohl er einmal sehr groß absprang und daraufhin ein paar Buckler machte verrutschte der Sattel nicht und wir sprangen noch einige Male darüber. EIne tolle Erfahrung war es allemal!
Ob es direkt einen Sinn hatte? Ich bin nicht der Meinung, dass alles einen Sinn haben muss. Nutzlos war es jedoch nicht – Dreamers Gurtlage hatte Freiheit und war nicht eingeengt, unser Vertrauen wurde gestärkt, wir hatten Spaß – sind das nicht genug Gründe?

img_4209

Wichtig am Ende noch zu erwähnen: Ich wusste, dass der Sattel nicht rutschen wird und habe es nur deswegen gemacht. Man sollte es jedoch nicht unbedingt nachmachen, da ich ansonsten wirklich noch keinen Sattel gefunden habe, mit welchem das möglich wäre bzw. ich es machen würde. Auch vom Pferd hängt es stark ab – also nicht nachmachen!