Nachgeben am äußeren Zügel [Meine Probleme & Fehler]

Teresa Sarnow

22 Juli 2017

Jeder Reiter macht Fehler, egal ob auf E Niveau oder bereits S**. Fehler sind menschlich und von Pferden meist verzeihbar, denn sie können sehr wohl unterscheiden, ob etwas mit schlechten Absichten passiert ist, oder aus Versehen.
Daher möchte ich eine Art ‚Reihe‘ von Beiträgen schreiben, in denen ich speziell über meine Probleme beim Reiten sprechen möchte, wie es dazu kam und was ich dagegen tue.

Beginnen möchte ich mit der ersten Sache, die mir in den Sinn gekommen ist: Das Nachgeben am äußeren Zügel.
Grundsätzlich gebe ich immer nach und versuche, mit einer so leichten und feinen Verbindung wie nur möglich zu reiten. Das Nachgeben spielt beim Reiten meiner Meinung nach eine wahnsinnig große Rolle, denn wenn ein Reiter zu wenig nachgibt, kann ein Pferd schnell die Lust zu Arbeiten verlieren und wiederspenstig werden, was häufig als Ungehorsam abgetan wird.
Sowohl das Nachgeben nach einer bestimmten Lektion oder anstrengenden Arbeitsphase im Sinne von „Zügel lang lassen“, als auch das Nachgeben auf eine annehmende Zügelhilfe sind bedeutend. Denn erfolgt kein Nachgeben, wird das Pferd ebenfalls dagegen gehen und Druck aufbauen – bis das Ganze in einem wilden Herumgezerre ausartet.

Wie wirkungsvoll das Nachgeben ist, sehe ich in jeder Einheit mit Amadeus – die Anlehnung fällt ihm noch schwer und so versucht er häufig, sich ein wenig nach oben zu entziehen. Es reicht dabei, eine Sekunde lang beide Zügel etwa eine Hand breit nach vorne zu geben, und plötzlich kippt er schön ab, arbeitet mit und läuft geschmeidig. Was andere bei ihm gerne durch „Paraden links rechts“ (Riegeln) oder grobes Anziehen zu lösen versuchen, funktioniert mit deutlich weniger Kraftaufwand viel besser – und natürlich reeller.

Ich bin ein Mensch, der so gut wie ausschließlich nach Gefühl reitet. Das bedeutet nicht, dass ich von der Theorie keine Ahnung habe, doch ich denke nicht „in dieser Situation muss ich jetzt das und das machen“, sondern reite meist ganz automatisch. Das Nachgeben an sich ist kein Problem für mich, lediglich das Nachgeben am äußeren Zügel in Wendungen, Seitengängen, etc.
Um dem Pferd in einer Wendung und genauso in einem Seitengang eine gute Biegung zu ermöglichen, muss es in der Lage sein, seine äußere Seite dehnen und lang machen zu können. Hält man außen dagegen und begrenzt das Pferd zu sehr, ist diese Biegung aber eingeschränkt und nicht mehr ordentlich möglich.
Reite ich mit Amadeus eine Traversale, muss ich auch den äußeren Zügel ein wenig nach vorne geben, ohne dabei die sanfte und stetige Verbindung zu verlieren. Ich muss ihm nur so viel Platz geben, dass er diese Lektion ausführen kann. Zu oft ‚halte‘ ich außen zu sehr dagegen, was einfach gesagt alles kaputt macht.
Gebe ich nur wenige Zentimeter oder gar Milimeter mehr Zügel oder führe meine Hand mit nach vorne, kommt er plötzlich zum Schwingen, tritt schön seitwärts und unter. Sobald ich genug mitgehe und mein Pferd sozusagen loslasse,  ohne ihn dabei im Stich zu lassen, fühlen sich die Lektionen einfach und schwebend an.

Im Prinzip ist es so auch beim Schulterherein, was ich häufig bei Dreamer deutlich merke. In den Seitengängen reell und locker nachzugeben und in Anlehnung zu gehen, fällt ihm eher schwer. Das liegt zum einen an körperlichen Vorbelastungen und muskulären Geschichten, aber natürlich auch an mir selbst! Wenn er sich nach oben entzieht, muss ich nur mit dem äußeren Zügel ein wenig mit nach vorne gehen, um ihm die richtige Bewegung und Haltung zu ermöglichen, und er kippt locker ab.
Um von den höheren Lektionen wegzugehen, beginnt das schon bei der einfachsten Volte oder auf dem Zirkel. Sobald man außen zu fest dran ist, und damit meine ich bei weitem nicht „ziehen“ oder starken Druck ausüben, sondern einfach eine etwas zu kurze Zügelverbindung zu halten, kann ein Pferd die einfachste Lektion schon nicht mehr korrekt ausführen.

Diese Angewohnheit bessert sich bei mir schon deutlich, besonders zurzeit achte ich bewusst in Wendungen und bei bestimmten Lektionen darauf und natürlich bestätigt ein fantastisches Reitgefühl diese Handlung, wodurch man sich eine lästige Angewohnheit durch „Belohnung“ abgewöhnen kann.
Es sind oft ganz simple Tätigkeiten bzw. Fehler, die uns davon abhalten, das Potenzial unserer Pferde vollkommen zu entfalten. Schlimmer als die Fehler selbst aber ist mangelnde Einsicht. Denn wer sich seiner Fehler bewusst ist oder die Fähigkeit und und Stärke hat, sie zu erkennen und daran arbeitet, ist immer auf einem richtigen Weg!

Unter diesem Foto vom letzten Jahr erkennt man, dass meine äußere Hand gut nach vorne mitgeht. Dafür könnte man hier aber wieder zwanzig andere Fehler aufzählen 🙂

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