Dass ich mal Turniere reiten würde hätte vermutlich niemand erwartet. Schon sehr früh bekam ich mein erstes eigenes Pferd, meinen Tinker Amadeus und mit ihm verstrich gleichzeitig die Chance, Turniere zu reiten.
Nicht, dass das ein Problem gewesen wäre – ich hatte niemals den Wunsch, mich mit anderen zu messen. Auch meine Eltern sind nicht von der überehrgeizigen Sorte, wie man sie so häufig auf den Turnierplätzen sieht.
Ich bin geritten weil es mir Spaß gemacht hat und alles was zählte war die Verbindung zum Pferd. Wozu braucht man als Kind Erfolge, wenn man mit seinem Pferd auch einfach im Galopp über die Wiesen reiten kann und sich unglaublich freut, dem Pferd endlich auf das Podest aufsteigen gelernt zu haben? Der Erfolgsdruck kommt schließlich noch früh genug und dann freut man sich über die Zeiten, in welchen man einfach nur glücklich sein konnte.

Wir standen früher in einem kleinen Offenstall, in welchem hauptsächlich Freizeitreiter waren. Eine Frau und ihre Kinder ritten jedoch Turniere und schreckten uns alle ab. Jeden Tag wurden die Kinder auf ihre Pferde gezerrt, sobald sie „zu schlecht“ geritten sind wurden sie geschlagen und die Pferde waren kaputt durch die das tägliche Training mit Rollkur. Wie Profis spielten sie sich zwar auf, kamen aber nie mit einem Erfolg nach Hause. Es war das Bild des heutigen Turniersportes und hat auch mich stark geprägt – und abgeschreckt.  Hat ein Pferd nicht mehr „funktioniert“, kam es zum Schlachter und ein neues musste her.
Ich konnte mir nie erklären, wie ein Mensch so grausam zu seinen Pferden sein konnte.

Mit der Zeit – und ich kann beim besten Willen nicht erklären, weshalb – interessierte mich der Springsport immer mehr. Ich denke, damals war ich etwa neun oder zehn Jahre alt und bewunderte die großen Reiter in den Reitmagazinen mit ihren wundervollen Pferden. Schließlich entdeckte ich Meredith Michaels-Beerbaum – bis heute mein Idol und für mich der erste Schritt zum Turniersport.
Shutterfly und sie inspirierten mich und setzten mir einen Traum in den Kopf: Olympia.
Gut, ich war noch sehr jung und hatte keine Ahnung. Ich war noch nie in meinem Leben auf einem Pferd gesprungen und es bestand keine Aussicht darauf, jemals ein Springpferd zu besitzen.
Aber der Traum ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Einige Jahre später stand dann fest, dass ich noch ein Pferd bekommen würde. Zwar war anfangs ein Lipizzaner geplant, nach einer Weile in der ich auch einige Pferde angesehen hatte und das kleine Reitabzeichen machte wurde uns aber klar, dass ein reines Dressurpferd nicht mehr das richtige wäre. Die letzten Jahre hatte ich nur diese eine Sparte im Reitsport kennengelernt und wollte jetzt auch die anderen Seiten des Sportes erleben.
Letztendlich kam es zu Dreamers Kauf, über unsere Geschichte könnt ihr hier mehr erfahren: https://teresa-sarnow.de/der-einstieg-in-den-turniersport/

Pferd Reiten Reitsport

Bereue ich es, dass ich erst so spät ein ‚Sportpferd‘ bekommen bzw. gekauft habe? Die meisten anderen reiten seit ihrer Kindheit schon Turniere, bekommen regelmäßigen Unterricht und ein Pony nach dem anderen, bis man alt genug für ein richtiges Pferd ist und die ehemaligen Ponys verkauft werden. Nein ich bereue es nicht. Pferde sind für mich keine Sportgeräte welche ich auswechsle, wenn ich etwas Besseres gefunden habe. Und sehe ich viele der Kinder und auch Turnierreiter in meinem Alter, bin ich oft entsetzt. Das Denken, welches viele haben, ist einfach unglaublich. Es gibt so viele arrogante und total verwöhnte Menschen in unserem Sport. Auch ich habe sehr viel Unterstützung von meinen Eltern bekommen und bekomme diese immer noch. Mein erstes Pferd habe ich geschenkt bekommen, mein zweites jedoch (welches  fünf Mal so teuer war) musste und wollte ich mir komplett alleine, vom eigenen Geld, kaufen. Durch meinen späten Einstieg in die Turnierwelt habe ich gelernt, bodenständig zu bleiben. Das Ganze ist nicht selbstverständlich für mich und ich musste mir alles hart erarbeiten.
Ich finde einfach es macht einen Unterschied, ob man schon als Kind ein Top Kaderpony bekommen hat und jedes Wochenende Turniere geritten ist, oder ob man wie ich erst mit 17 beginnt.
Wie auch immer, ich bin auf jeden Fall sehr froh, wie alles gelaufen ist und würde es jederzeit wieder so machen.