Mein erstes eigenes Pferd besitze ich nun schon seit 2003, also seit 13 Jahren. Er ist ein Tinker namens Amadeus und wurde am 10.05.2000 geboren und ist nun schon 16 Jahre alt. Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Wenn andere sagen wie lange ich Dreamer nun schon habe und dass das ja auch schon wieder über zwei Jahre sind muss ich immer lachen, da zwei Jahre für mich überhaupt nichts sind. Wenn man mit einem Lebewesen einen so langen Weg hinter sich (und hoffentlich noch vor sich) hat, verändert sich mit der Zeit der Blickwinkel, was die Dauer von Beziehungen betrifft.

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Als Saugfohlen wurde er prämiert, sein Vater Attila war ein wunderschöner und beeindruckender Hengst, dem mein Kleiner sehr ähnlich sieht.
Amadeus ist außergewöhnlich klug, mein Reitlehrer meint immer: „Wenn er könnte, würde er sofort lesen und schreiben lernen.“. Anders als viele andere Pferde scheint Amadeus nicht nur im Hier und Jetzt zu leben und zu denken, sondern ähnlich wie ein Mensch. Es scheint, als könne er zielgerichtet denken. Möglicherweise kenne ich ihn einfach zu gut und habe eine zu starke Verbindung zu ihm, doch auch andere bemerken, dass er kein gewöhnliches Pferd ist. Er ist wahnsinnig aufwegeckt und neugierig. Gewöhnlich kommt er sofort angelaufen, wenn wir seinen Namen rufen und galoppiert dann auch mal im vollen Tempo von der Koppel. Genau so viel Aufmerksamkeit wie er braucht, wird er aber auch schnell eifersüchtig.
Er ist ein Seelenpferd, wie man es sich nur erträumen könnte und gerade durch seine menschliche Art ist er vielmehr als nur ein guter Freund. Er gehört zur Familie und schon manchmal habe ich mir gewünscht, er wäre ein Mensch. Lernt man einmal wie es ist, einem Lebewesen zu 100% vertrauen zu können, wird es nur umso schwerer, allen anderen (Menschen) zu vertrauen.

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Amadeus hat mich schon oft beschützt und ich weiß, dass er immer auf mich aufpassen wird. Ich würde ihm mein Leben anvertrauen, und das kann würde ich wohl bei niemandem sonst sagen. Wenn ich ihn reite darf er sogar durchgehen und buckeln, weil ich weiß, dass er notfalls jederzeit auf mich hören würde.

Er merkt immer genau wie es mir geht, und so verhält er sich mir gegenüber an Tagen an denen es mir schlecht geht anders, als wenn alles super läuft. Ist aufmerksamer und rücksichtsvoller, lässt sich dann auch mal länger knuddeln – wovon er normal kein großer Fan ist.

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Doch der Kleine war nicht immer so – die ersten Jahre nach dem Kauf war er ein Pferd ohne einen Funken Selbstbewusstsein. Nachdem wir ihn langsam ausbildeten und später ich die Ausbildung komplett übernahm, ihm unter anderem auch spanischen Schritt, sämtliche Seitengänge und höhere Lektionen wie die Piaffe lernte, wuchs sein Selbstbewusstsein. Die Arbeit ließ nicht nur seinen Körper schöner werden, sondern Amadeus auch stolzer.
Obwohl sein Körperbau alles andere als gut ist (seine Hinterhand ist stark überbaut), konnte er dies immer mit seiner Lernfähigkeit und seinen Bemühungen ausgleichen und mir war es somit möglich, ihn auf hohem Niveau auszubilden. Mit der Zeit erarbeiteten wir gemeinsam sämtliche Seitengänge in allen Gangarten, Traversalen, Galoppirouetten, Piaffe und Levade. Er gibt sich in jeder Trainingseinheit viel Mühe und will immer etwas machen, weshalb uns dieser Fortschritt möglich war. Die hohen Lektionen zu erlernen strengt ihn enorm an, da ihm sein Körperbau die Versammlung natürlich erschwert.
Vergleicht man ihn heute mit einem Foto vom Kauf damals, würde man ihn wohl kaum mehr erkennen.

Leider kamen mit der Zeit einige Dinge dazwischen, er ging einer längere Zeit lahm und auch heute hat er wieder ein Problem, welches selbst unseren Tierarzt verzweifeln lässt, da nichts zu finden ist. Amadeus geht normalerweise auch im Unterricht mit und daher ist er zurzeit nicht mehr auf dem damaligen Ausbildungsstand.
Sobald er wieder fit ist habe ich vor, selbst wieder mehr mit ihm zu machen, damit er nicht nur von Kindern und Anfängern geritten wird, sondern mindestens zwei bis dreimal die Woche mit mir trainiert um wieder auf das alte Niveau zu kommen. Zwar hat er kein Stück verlernt, aber die dementsprechende Muskulatur muss natürlich wieder aufgebaut werden und so etwas dauert schließlich.
Mein aktueller Plan ist dann aber ihn wieder auf M Niveau zu bringen und sobald alles passt mit ihm an ein paar Dressurturnieren teilzunehmen, da ich ihn aussitzen kann. Hierbei geht es mir aber nicht darum, etwas zu gewinnen oder vorne dabei zu sein – ich will mit ihm teilnehmen, weil es mir Spaß macht und ihm auch gefallen könnte, zu zeigen, was er kann. Zudem finde ich es schade dass man eher selten Tinker (und ähnliche Rassen) bei den Dressurturnieren sieht.

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Dieses Foto entstand vor ein paar Jahren, wie man sieht war er zu der Zeit schöner bemuskelt. Ich habe auf ihm das Reiten mit Kandare gelernt und in Reitstunden auch immer wieder Mal gemacht, zuhause aber selten, da es im Grunde genommen nicht notwendig ist.

Nun kennt ihr also meine drei eigenen Pferde, Keith und Ginger werde ich in einem anderen Post noch vorstellen.
Mit Amadeus hat für mich eigentlich alles begonnen, er hat mir auch die Freude am selbstständigen Arbeiten gezeigt und welche Erfolgserlebnisse man mit einem selbst ausgebildeten Pferd haben kann. Er ist meine erste große Liebe und wird auch meine letzte sein, die Verbindung zu ihm ist so stark wie es wohl nie mehr sonst bei einem anderen Pferd sein wird.
Natürlich liebe ich alle meine Pferde, aber Amadeus ist etwas ganz besonderes für mich. Selbst wenn ich seit einiger Zeit leider eher nur noch weniger mit ihm zu tun habe (am Stall sehe ich ihn trotzdem täglich) – wenn wir dann wieder etwas machen, ist es, als hätte sich niemals etwas geändert. Und gerade das ist das Schöne, ich muss keine Angst haben, irgendwann die Verbindung zu ihm zu verlieren. Denn das ist unmöglich.