Häufig frägt man mich nach meinem schönsten Erlebnis mit meinen Pferden und hier könnte ich seitenweise erzählen. Schöne Erlebnisse gibt es zum Glück deutlich öfter als wirklich schlimme Situationen, zumindest würde ich das mal behaupten.

Eine der schlimmsten Momente meines Reiterlebens war ganz klar der Unfall am Abreiteplatz mit Dreamer, darüber könnt ihr in diesem Beitrag alles erfahren:
https://teresa-sarnow.de/unfall-auf-dem-abreiteplatz/

Doch es gibt ein Erlebniss, welches wohl nicht so schnell übertroffen werden kann und ganz klar auf Platz eins steht. Letzten Sommer, ein paar Wochen nach Bulgaris Kauf, sind wir mit Ginger und Bulgari ausreiten gewesen. Der Tag verlief super entspannt und toll bis dahin, die Pferde waren brav und schließlich ritten wir durch einen Wald, durch den wir schon häufig gegangen waren. Das Wetter war einfach perfekt.
An dem Tag wollten wir darin ein paar Fotos machen und dachten uns nichts dabei, wenige Meter vom Weg abzuweichen und uns für die Fotos zwischen die Bäume zu stellen.
Zu Beginn machte die Reitbeteiligung von Ginger Fotos von Bulgari und mir, da die Kulisse mit dem Wald traumhaft war. Schließlich tauschten wir die Plätze, ich nahm mein Handy und wollte ebenfalls von den beiden Fotos machen.
Dazu kam es jedoch nicht mehr, denn plötzlich bekamen die Pferde Panik und wir bemerkten, wie unglaublich viele Bienen oder Wespen aus einem Nest am Boden unter der Erde heraus flogen. Auch mich erwischten schließlich die ersten Stiche, Bulgari war bereits komplett aufgelöst und wusste nicht, was vor sich ging.  Er spürte nur noch die Schmerzen, überall saßen Bienen und er bekam Panik, wurde kopflos. Um Kontrolle behalten zu können, musste ich mein Handy kurzfristig in den Wald werfen um die Hände frei zu haben.
Mehrmals rannte er mir sowohl vorwärts als auch rückwärts gegen Bäume, quetschte meine Füße daran ein und begann, senkrecht zu steigen. Der Wald war uneben und ständig stolperte er und fiel fast über Baumstümpfe.
Die Bienen aber ließen einfach nicht nach, es kamen immer mehr und mehr, wir waren alle in Panik. Am ganzen Körper meines Pferdes saßen die Bienen, viele davon an seinem Kopf, in Augennähe, an den Ohren. Sogar unter seine Fliegenmütze kamen einige davon, welche dann natürlich auch nicht mehr weg gingen und ich versuchen musste, sie weg zu bekommen. Bulgari hatte solche Schmerzen von den Stichen, dass er ständig versuchte, sich auf den Boden zu werfen, mit den Vorderbeinen einknickte und ich auf ihn einschlagen musste, damit er sich nicht hinlegt. Er sah schließlich nichts und wusste nicht, woher der Schmerz plötzlich kommt. Da die Bienen auch am Kopf stochen, schlug er wie wild um sich und versuchte irgendwie, den Schmerz am Kopf loszuwerden.
Das Szenario war wirklich purer Horror, wir wussten einfach nicht, was wir tun sollten! Nachdem wir die Pferde ein wenig von der Stelle wegtreiben konnten und wieder ein wenig Kontrolle hatten, machten wir uns im Galopp auf den Heimweg.
An der Stelle hätten wir für einen kurzen Heimweg umdrehen müssen und erneut an den Bienen vorbei reiten müssen, doch das wäre undenkbar gewesen. Somit mussten wir den längeren Weg nehmen, welcher normalerweise etwa 20 Minuten dauert, bis man zuhause ist. Je nach Beschaffenheit der Böden sind wir also getrabt und schnell galoppiert, haben eine Abkürzung quer über ein Feld genommen (der Traum jedes Reiters – unter anderen Umständen).
Wie ich mich fühlte kann ich gar nicht beschreiben, ich hatte einfach nur unglaubliche Panik um mein Pferd und fühlte, wie wir beide schon schwächer wurden. Zwar versuchte ich, den anderen zuliebe einigermaßen bei mir zu bleiben, doch ich selbst habe eine Bienenallergie und merkte davon schon die Auswirkungen. Gegen Ende konnte ich mich im Galopp nur noch gerade so halten, musste mich vollkommen auf Bulgari verlassen – der zu dem Zeitpunkt erst 4 und alles andere als geländeerfahren war! Auch diesen Weg sind wir vorher noch nie mit ihm geritten.
Am lockeren Zügel galoppierten wir also so schnell es ging nach Hause quer über die Wiese, anrufen konnten wir ohne Handy schließlich niemanden. Nachdem wir am Haus vorbei zum Stall kamen und währenddessen meine Eltern verständigen konnten, sattelten wir sofort ab und meine Mutter brachte Medikamente.

Der kleine Bulgari war vollkommen fertig mit den Nerven, hatte Angst und war verstört. Zu dem Zeitpunkt lies er sich vor Panik von niemandem mehr anfassen. Schließlich machten wir uns an die Arbeit, einige der Stachel aus dem Fell zu bürsten. Auch hier lies er niemanden ran, so dass ich ganz vorsichtig versuchen musste, das zu machen.
Ihn hatten an dem Tag weit über 50 Bienen gestochen, schon alleine an jedem Bein waren über zehn Stachel. Was für Schmerzen das gewesen sein müssen, möchte ich gar nicht wissen. Er hat mir so unendlich Leid getan und ich war danach noch länger bei ihm, um zu sehen, wie es ihm geht.
Unser Tierarzt hatte (passend natürlich) gerade Urlaub und war nicht erreichbar, so dass wir in der Pferdeklinik und später noch bei einem anderen Tierarzt angerufen haben um uns zu erkundigen, wie schlimm so viele Stiche für ein Pferd sind.
Denn das war wohl auch eine meiner größten Sorgen – ein oder zwei Stiche bringen (soweit ich weiß) kein Pferd um, doch was machen über 50 Stiche mit einem Tier?? Zu dem Zeitpunkt fürchtete ich wirklich um sein Leben, wenn man es ganz ehrlich sagen darf. Denn ich hatte keine Ahnung bezüglich der Auswirkungen.
Auch eine Angst von mir war seine Reaktion danach mir gegenüber. Würde er den schlimmen Vorfall am Ende mit mir verbinden und abweisend oder unsicher reagieren? Vielleicht würde er das alles ja auf mich beziehen. Schnell zeigte er mir aber das Gegenteil, in dem er nur von mir die Stacheln entfernen lies und sich anfassen lies. Nachdem er wieder im Paddock war, klebte er an mir und wich mir kaum von der Seite. Schon ein paar Mal habe ich bisher erlebt, wie stark so schlimme Ereignisse jemanden zusammenschweißen können und zum Glück  hat sich das auch an dem Tag wieder bestätigt.
Pferde spüren, ob wir etwas negatives bewusst oder unbewusst tun. Sie merken, ob wir ihnen schaden wollen oder helfen möchten – ob da nun Schmerz mitspielt (wie zum Beispiel beim Entfernen der Stachel), ist nicht wichtig. Genau so wie Bulgari auch meine Angst während dem Vorfall und auf dem Heimweg gespürt haben muss, selbst ein Blinder hätte das bemerkt.

Seitdem waren wir nicht mehr mit ihm in diesem Wald, die Probleme mit seiner Angst vor sämtlichen Fliegen, Mücken und anderen Insekten ist seitdem aber riesig. Ständig schüttelt er bei der kleinsten Einbuldung, dass dort etwas rumschwirren könnte, den Kopf und wird dabei schnell panisch.
Zu dem Zeitpunkt war er ein absolutes Baby, sowohl körperlich als auch vom Kopf her. Er konnte das nicht verstehen, es gab für ihn keinen „Übeltäter“. Es ist ein Unterschied, ob ein Pferd von einem Hund gebissen wird, wo die Angst auch nur bei der Begegnung eines Hundes wirklich auftritt, oder ob da einfach „nichts“ war, das wirklich sichtbar war. Es kam wie aus dem Nichts. Aus diesem Grund ist es so unberechenbar, dass er es einfach nicht einschätzen kann.
Die Angst wird also noch ein wenig bleiben, natürlich arbeiten wir aber so gut wie es geht daran.

Vor ein paar Wochen war ich nun zum ersten Mal mit zwei anderen Pferden in dem Wald, doch leider hat mein Verdacht sich bestätigt, dass er die Angst natürlich speziell mit diesem Ort verbindet und traumatisiert ist. Die Reaktion auf seine Angst war panisches Treten mit den Vorderbeinen, so dass er fast in die Knie gegangen ist und Steigen. Er scheint sich eingebildet zu haben, dass wieder überall Bienen sind, obwohl dort nichts war.
In diesem Jahr werde ich das Trauma also angehen und versuchen, mit ihm daran zu arbeiten. Ob wir es dieses Jahr in diesen Wald schaffen, weiß ich noch nicht. Vielleicht warte ich damit ab bis zum Winter, um sicher zu sein, dass dort keine Bienen sein werden.