Reite ich in der wunderschönen winterlichen Abendsonne, in der sich das sanfte und warme Licht über die schneebedeckten Flächen zieht, sehe ich eine schöne Szene für ein Video. Wie ich durch das wunderschöne Licht galoppiere, mit passender Musik. Ich sehe, wie ich ein Foto in warmen Licht machen könnte, in dem Amadeus steigt oder Dreamer passagiert.
Jeden sonnigen Tag möchte ich ausnutzen, um Fotos oder Videos zu machen. Ja, es macht mir unglaublichen Spaß – ich schneide gerne Videos, ich sehe sie mir gerne immer und immer wieder an, und vor allem finde ich es wichtig, Erinnerungen zu haben. Gerne auch von schönsten Momenten auf Video oder Foto.
Aber ich glaube, ich zerstöre mir damit oft selbst den Moment. Die Magie, welche in solchen Augenblicken stecken kann, geht verloren, wenn man nicht selbst in dem Moment lebt, sondern ihn nur „durch eine Kamera“ sieht.
Nur unser Kopf und Herz kann Momente in seinem vollsten Umfang erleben und auch speichern – der leichte Wind, welcher weht. Das warme Gefühl auf dem Gesicht. All diese Dinge wird man nie durch eine Kamera erleben können.

Gerade vorhin erst bin ich Amadeus in der Abendsonne geritten und konnte die Schönheit gar nicht fassen – alles wirkte so warm und glänzte, obwohl es tiefster Winter ist. Der Schnee hat geglüht und ein sanftes rosafarbenes Licht erstrahlte über die Koppeln. Ich jedoch habe zu erst daran gedacht, ob nun jemand ein Video von mir machen könnte und habe mich so sehr darauf fest gefahren, dass ich den Moment nicht mehr erlebt habe. Ich war nicht wirklich anwesend, war nicht bei meinem Pferd, sondern mit den Gedanken ganz wo anders. Das ist weder fair, noch auf Dauer schön. Mir ist es jedoch selbst aufgefallen, wie sehr ich mein eigenes Wohlbefinden in dem Augenblick vernachlässigt habe und mir wurde klar, dass ich viel zu oft nur „durch die Kamera“ blicke, anstatt etwas mit meinem Herzen sehen zu können.
Dieses Glücksgefühl geht dadurch verloren und ich denke, ich muss darauf achten, mir manchmal Zeit für die wichtigen Augenblicke zu nehmen – ohne Kamera, ohne Handy, ohne Zuschauer. Einfach nur für mich und mein Pferd.

Natürlich habe ich auch heute darauf geachtet, nachdem mir aufgefallen ist, wie unfair das meinem Pferd gegenüber eigentlich ist. Ich saß also einfach nur auf Amadeus, habe nichts gemacht, nur in das wunderschöne Licht geblickt – meine Gedanken über Videos und Fotos habe ich versucht, einfach auszuschalten. Mit der Zeit ist es mir gelungen und ich habe so ein großes Glück empfunden!
Es sind solche einfachen Momente, welche einen erschaudern lassen können. Und für mich selbst ist es enorm wichtig, diese Augenblicke nicht verstreichen zu lassen, um eine Kamera zu holen oder vor der Kamera „so gut wie möglich aussehen zu wollen“. Das ist das Leben und obwohl ich es schön finde, ab und an solche magischen Erinnerungen auch auf Video festhalten zu können, ist es im Endeffekt doch wichtiger, sie in unseren  Köpfen zu haben.
Irgendwann werden schließlich auch unsere Pferde nicht mehr sein, und sollte es mal so weit sein, möchte ich auf unser gemeinsames Leben nicht nur durch eine Kamera zurückblicken können.