Erster Sturz von Bulgari

10

August 2017

Meinen ersten Sturz von Bulgari hatte ich heute. Stürze passieren und gehören wohl zu unserem Sport, wie kaputte Fingernägel oder die Helmfrisur. Meist geht es gut aus, manchmal ziemlich schlimm… voraussehen kann man sowas nie, denn auch das bravste Pferd der Welt kann stürzen oder sich erschrecken.

Heute bin ich Bulgari ohne Sattel auf dem Stoppelfeld (etwa ein halber Kilometer von unserem Haus weg) geritten. Zu Beginn schon war er etwas nervös, hauptsächlich wegen den Fliegen. Letztes Jahr sind wir mit ihm in ein Wespennest im Wald getreten und seitdem ist er da verständlicherweise nicht mehr sehr ruhig… im Trab ging es dann aber, ich musste zwar schon etwas in die Zügel greifen, aber er war kontrollierbar. Also wollte ich kurz einige Meter galoppieren. Generell war es erst das etwa dritte oder vierte Mal ohne Sattel auf ihm und erst das zweite Mal auf dem Stoppelfeld – er hat aber nie gelernt, zu rennen, also war es beim ersten Mal absolut kein Problem.

Eine halbe „Zirkelrunde“ ging also noch, plötzlich geriet er aber komplett ausser Kontrolle. Wenn er dicht macht, könnte glaube ich kein Mensch auf der Welt mehr auf ihn einwirken..
Also habe ich versucht, mich zu halten – etwa das dritte Mal ohne Sattel auf ihm. Anfangs hat er dann sogar noch gebuckelt und ist mit mir Richtung Hauptstraße galoppiert, was meine größte Motivation war, nicht herunterzufallen. Denn wenn ich vor etwas im Gelände echt Angst habe, dann davor, dass mein Pferd alleine auf eine Straße rennt oder sich in den Zügel tritt und etwas bricht. Viele sehen mich komisch an, wenn ich sage, dass ich immer versuchen werde, auf einem durchgehenden Pferd sitzen zu bleiben – aber so hat man noch eine minimale Einwirkung auf das Pferd und kann schlimmeres, wie z.B. das Rennen auf eine gut befahrene Straße, vermeiden. Denn die hohen Maisfelder drum herum hätten ihn direkt dort hin geleitet.
Trotz Buckeln konnte ich mich also irgendwie oben halten (was mich sehr gewundert hat) und habe es geschafft, ihn in die andere Richtung galoppieren zu lassen. Also ging es im Renngalopp über das ganze Feld, über einen kleinen Graben zwischen Feld und Feldweg und quer über die Wiese heimwärts.
Wenn ich so darüber nachdenke, saß ich wirklich noch nie in meinem Leben auf einem so schnell galoppierenden Pferd, obwohl natürlich durchgehen etc. schon ab und zu vorkam.
Falls Bulgari Rennpferd werden möchte, hätte er auch normal mit mir darüber reden können… und auch wenn er keine Stehmähne will, muss er sich nicht so dagegen wehren! 😉

Im vollen Galopp mit einer am Zügel zerrenden Reiterin die überhaupt keinen Plan mehr vom Leben hatte und sich gefragt hat, was sie machen soll, ging es also etwa einen halben Kilometer über die Wiese. Zurückblickend kam mir das enorm lang vor, obwohl es nur einige Sekunden dauerte. Schon auf dem Stoppelfeld, als auch am Anfang der Wiese hatte ich den Gedanken, ob ich mich abwerfen soll.
Ja, nur wie…. und im Renngalopp? Ob das eine so schlaue Idee war, wusste ich nicht, denn in so einer Lage war ich noch nicht besonders oft und der Blick auf den schnell vorbeiziehenden Boden hat mich zweifeln lassen, dass Abwerfen eine kluge Idee ist.
Also saß ich da und sah unseren Koppelzaun immer näher kommen… ich weiß ja nicht, wer von euch Bulgari schon etwas besser kennt. Ich tue es – leider. Denn Bulgari ist ein Pferd, das vor nichts halt macht – entweder kann man schließlich drüber springen, oder einfach durchrennen. Egal ob normaler oder Holzzaun. Über ein Haus würde er wohl eher versuchen, drüber zu springen, aber bei ihm kann man nie wissen.
Und um ehrlich zu sein, habe ich tatsächlich starke Angst bekommen, fast schon Panik, da ich keinen Ausweg gesehen habe. Er hat sich gar nicht mehr lenken lassen und ist im vollen Tempo auf den Zaun zu galoppiert… etwa zwanzig Meter vor dem Zaun habe ich mich dann fallen lassen.
So oder so wäre ich vermutlich gestürzt – spätestens bei einem Sprung über 1,20 ohne Sattel auf Bulgari. Wäre er mit mir durch den Zaun, will ich mir nicht ausmalen, was passieren hätte können. Ich habe mich also fallen lassen, das ist wirklich ein scheiß Gefühl und ich konnte mich erst dazu überwinden, als ich wirklich Panik hatte wegen diesem blöden Zaun. Denn ich wusste, dass ich Schmerzen haben würde und ein Sturz eher selten Spaß macht.  Vielleicht wäre es ‚einfacher‘ gewesen, wenn ich halb seitwärts am Pferd gehangen wäre oder was weiß ich… aber ich saß normal auf ihm drauf und musste die Entscheidung treffen, ob ich abspringe oder nicht.
Er hat zum Glück nicht nach mir getreten oder sonstiges, sondern ist gleich eher weg von mir, so dass ich auch nicht unters Pferd gekommen bin. Und gegen mein Erwarten ist er weder über noch durch den Zaun gegangen, vielleicht aber auch weil er über meinen Abgang erschrocken ist.

Aufgekommen bin ich relativ gerade auf dem Rücken und konnte erst kaum mehr atmen, was aber denke ich normal ist bei so einem starken Aufprall. Während ich wieder aufgestanden bin, ist Bulgari den Zaun entlang zum Feldweg gelaufen und dort dann zum Eingang des Stalles galoppiert, wo er dann endlich stehen blieb.
Schließlich bin ich nochmal aufgfestiegen und ihn einige Runden am Platz getrabt und auch noch kurz galoppiert.
Bulgari ist bei der Sache also nichts passiert und in den nächsten Tagen werde ich direkt wieder (mit einem anderen Pferd, und mit Sattel) auf das Stoppelfeld gehen und üben.
Als ich wieder aufgestiegen bin, hatte ich keine Angst. Das Vertrauen ist nicht weg, sowas passiert mit jungen Pferden. Es hätte nicht passieren sollen, vielleicht hätte ich auch früher aufhören müssen und gar nicht erst galoppieren wollen. Aber es ist passiert und mit sowas muss man in unserem Sport einfach rechnen.
Angst habe ich also nicht, sicher werde ich beim nächsten Galopp ohne Sattel im Gelände etwas skeptisch und vorsichtiger sein, aber Mitte nächster Woche sollten wir so weit sein dass es klappt.

Da natürlich zu meiner Gesundheit auch viele Fragen kamen – mir geht es soweit gut. Etwa eine Stunde lang konnte ich nach dem Sturz schlecht und nur unter starken Schmerzen atmen, außerdem war mir sehr schlecht. Von den Schmerzen im Rücken brauche ich wohl gar nichts erzählen. Vorsichtshalber sind wir dann zum Arzt gefahren und es ist nichts gebrochen oder sonstiges, ich habe eine starke Prellung und es ist wohl gestaucht. Gut, dass ich erst am Montag beim Osteopathen zum Einrenken war… da werde ich nächste Woche direkt wieder hin müssen.
Sobald ich das Gefühl habe, dass es geht, darf ich wieder reiten. Der Arzt kennt mich mittlerweile und hat zwar dazu gesagt, dass ich morgen vielleicht noch eine Pause machen soll, aber mehr hat er schon gar nicht mehr dazu gesagt. 😀
Dreamer longiere ich morgen nur, da der Osteopath kommt. Gemeinsam mit Steffi und einem anderen Pferd werde ich dann noch mit Bulgari kurz aufs Stoppelfeld gehen, aber mehr als Schritt muss nicht sein. Ab Samstag hoffe ich dann, dass es wie gewohnt weiter gehen kann. Bewegen vermeide ich bis dahin aber weitgehendst.

Vertrauen ist also noch da, dass Bulgari kein einfaches Pferd ist wusste ich von Anfang an. Auch, dass junge Pferde nicht einfach sind sondern Aussetzer haben können. Auch Dreamer kam fünfjährig in eine sehr gefährliche Phase, in der ich oft gar nicht mehr Reiten wollte. Bulgari ist dieses Jahr fünf geworden und somit heißt es nun durchhalten und weitermachen.
Zwar hatte er dieses dicht machen und durchgehen auf dem Platz schon einige Wochen lang nicht mehr, aber ab und zu macht er das eben – wenn er nicht gerade steigt.
Wir bekommen das schon in den Griff, werden nun viel im Gelände üben und ich hoffe, dass wir seine Panik vor Fliegen/ Bienen etc. weg bekommen. Denn diese Angst erschwert die Arbeit am normalen Verhalten, da er kopflos wird, sobald Insekten um ihn herum sind. Verübeln kann man ihm dies aber nicht….

Abschließend denke ich also nicht, dass uns dieser Zwischenfall in irgendeiner Weise zurückgeworfen hat. Bulgari mag ich noch genauso wie zuvor und er ist mein kleines Baby, das einfach ab und zu nicht weiß, wo ihm der Kopf steht und dann ganz blöde und unverantwortliche Dinge macht. Hat ein Pferd einmal gelernt, dass es mehr Kraft hat als ein Mensch, dann wird es häufig gefährlich. Und Bulgari ist sich seiner Kraft durchaus bewusst.

Nach der ganzen Sache überlege ich auch, ein Falltraining zu machen. Während sowas meiner Meinung nach bei einem normalen Sturz wohl eher weniger hilft, hätte es hier vielleicht sogar tatsächlich etwas gebracht. Zwar spielen da mehrere Faktoren mit, aber wenn man genug Zeit hat (und es kam mir heute wie Stunden der Verzweiflung vor) könnte man da ja auch einen Plan machen, wie man sich am besten Abwirft. Wer weiß, vielleicht mache ich sowas mal.

Überrascht war ich heute aber definitiv, wie lange ich mich eigentlich auf ihm gehalten habe – und das ohne Mähne zum festhalten 😀

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4 Kommentare

  1. Katharina

    Hallo,
    Das soll jetzt nicht böse klingen, aber ich verstehe nicht, wie man mit einem jungen Pferd ohne Sattel über ein Stoppelfeld galoppieren kann. Vor allem da du ja immer wieder berichtest, dass Bulgari zwischendurch durchgeht und auch auf dem Platz teilweise nicht händelbar ist. Meiner Meinung nach sollte man nicht hunderte Meter brauchen, um ein Pferd anhalten zu können – egal wie alt oder in welcher Situation. Sowas kann ja echt schnell gefährlich für Pferd, Reiter und Unbeteiligte werden. Ich finde es gut, dass du in den nächsten Tagen direkt wieder zum stoppelfeld willst. Nach Möglichkeit hätte ich Bulgari direkt wieder dorthin gebracht und nur noch Schritt gehen lassen, damit er den Weg auch ruhig geht.Nichtsdestotrotz hast du das natürlich nicht absichtlich gemacht, und es ist schön, dass es dir noch gut geht.
    LG
    Katharina

    Antworten
    • teresasarnow

      Wir haben das bereits letztes Jahr gemacht und normal merkt man ihm an, ob er dicht macht oder nicht. Es passiert meistens wenn irgendwas ist was ihm nicht passt. Ich habe auch geschrieben dass ich es an dem tag vielleicht hätte lassen sollen, aber ich habe nie gesagt dass wir generell 100 m zum anhalten brauchen ? Die Hilfen funktionieren super, nach dem was du schreibst dürfte ich mit ihm generell niemals Ausreiten oder galoppieren … Ich bin direkt aufgestiegen und noch geritten, das war wichtiger als nochmal dort hin zu reiten. Aber es ist falsch zu sagen, dass er generell nicht händelbar ist. Ja er ist oft schwierig, Aber in den letzten Wochen kam das nicht mehr vor. Und wie gesagt, wenn man danach geht dass er ab und zu Aussetzer hat, dann dürfte ich mit ihm nicht aufs Turnier, nicht ins Gelände, nicht auf dem Platz springen oder zu Kursen fahren … 🙂

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  2. equestrian.blondes

    Unser kleiner ist genau so. Er ist auch vor 3 Monaten das erste Mal durch gegangen. Ich habe dabei die Bügel verloren. Ich glaube, in dem Moment ist es ziemlich egal, ob man im Sattel sitzt oder grad ohne unterwegs ist. Manche schlagen sogar Haken, da kann man sich auch mit Sattel nicht mehr halten.
    Ich würde den kleinen auch gerne ohne Sattel reiten, mir ist das aber ehrlichgesagt zu ristkant. Die junge Stute können wir problemlos ohne Sattel reiten, es kommt also auf das Pferd an.
    Aber passieren kann immer was. Egal ob mit oder ohne. Ein Pferd ist eben ein Fluchttier.
    Sich fallen zu lassen – da gehört schon einiges an Mut dazu.
    Gut, dass nichts schlimmeres passiert ist.

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    • teresasarnow

      Ohje .. ich finde es im Sattel weniger schlimm, wenn sowas ist, weil ich da (meistens) trotzdem dann besser einwirken kann und eben nicht gar so rutsche, aber in vielen Situationen ist es wohl wie du sagst relativ egal ob mit oder ohne Sattel.
      Da hast du Recht, Bulgari bin ich z.B. letztes Jahr (4 Jährig!) das erste Mal ohne Sattel geritten und direkt am Stoppelfeld galoppiert – absolut entspannt und problemlos, nur etwas schwankend da die Balance noch nicht ganz ausgeprägt war. Er kann wahnsinnig brav und entspannt sein, aber leider eben auch komplett anders. Ich denke aber mit der Zeit und mit dem Alter wird das generell besser, fünf ist ja doch meist so ein schwieriges Alter. Ganz ablegen werden manche es wohl leider nie, aber naja…
      Hat auch einiges an Überwindung gekostet, mich fallen zu lassen… kein schönes Gefühl gewesen

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