Seit knapp einer Woche reite ich Dreamer nun täglich ins Gelände – was ist daran außergewöhnlich?
Im Gelände zu üben sollte schließlich ein absolutes Basic sein und regelmäßig gemacht werden, vor allem im Ausgleich zum Turniersport.
Diese regelmäßigen Ausritte jedoch waren für mich und Dreamer keine Selbstverständlichkeit, obwohl wir zu Beginn immer wieder mal ausreiten waren, ging es dann total unter – aus zwei verschiedenen Gründen.

Mein Training war so fokussiert auf Fortschritte, dass ich es schlicht und einfach meist vergessen habe. Ich habe auf Turniere hin trainiert, wollte Springen, Dressur reiten, musste immer ‚produktiv‘ sein. Mit der Zeit konnte man das schon fast eine Bessesenheit nennen (nicht negativ oder im Bezug auf Überforderung!) , ich musste mich und mein Pferd jeden Tag auslasten und „sinnvoll“ arbeiten. War ich mal nur eine Runde im Gelände, ging es mir danach schlecht, weil ich das Gefühl hatte, ja nichts getan zu haben – genauer betrachtet natürlich absoluter Schwachsinn!

Der zweite Grund war Dreamers extremes Verhalten im Gelände. Zwar war er zu Beginn relativ brav (aber immer noch ein Trakehner nach Klischee), als dann aber die Phase begann, in welcher er auch am Platz teils lebensgefährlich wurde, ging es auch im Gelände los. Abgesehen davon, dass Dreamer einfach kein „Freizeitpferd“ oder Geländepferd ist, sondern sich scheinbar auf Turnieren deutlich wohler fühlt, gab es neben ständigen Erschrecken und angespannten Tänzeln auch wirklich viele gefährliche Situationen.
Sehr in Erinnerung geblieben sind mir zwei Augenblicke – einmal als ich ihn einen Tag vor dem Turnier ganz entspannt im Gelände bewegen wollte, er mir dann jedoch so extrem quer durchs Feld durchging, gebuckelt hat und fast senkrecht gestiegen ist, so dass ich mich kaum noch halten konnte. Keine schöne Erfahrung, obwohl ich schon häufig auf schwierigen Pferden saß. Das war nochmal eine Nummer größer und wirklich kein Spaß mehr, sondern hat mir -ganz ehrlich gesagt- Angst gemacht!

Das zweite Mal auf dem Stoppelfeld letztes Jahr – mit den Tinkern können wir Gas geben, einfach rennen lassen, denn am Ende des Feldes (ein wenig weiter ist eine gut befahrene Straße) werden sie wieder kontrollierbar. Natürlich wollte ich auch mit Dreamer auf’s Feld und austesten, ob ich auch ihn ein wenig „laufen“ lassen kann. Mein Traum wäre es, im vollen Galopp mit einem guten Gefühl über das Stoppelfeld zu preschen…
Selbstverständlich würde ich auf einem Warmblut nie so über das Stoppelfeld jagen, wie mit den kleineren Tinkern, zu denen ein ganz anderes Vertrauen besteht.
Also bin ich langsam angaloppiert und wollte ihn dann vorsichtig etwas vor lassen, habe den Zügel ein wenig nachgegeben – und weg war er. Im vollem Buckelgalopp ging er ab, so dass ich wieder Mühe hatte, sitzen zu bleiben. Keine Freundensprünge – das Pferd wollte seinen Reiter definitiv mit allen Mitteln loswerden und ist abwechselnd vorne und hinten hoch gegangen.
Auch kein Spaß für mich, und es hat mir wieder gezeigt, dass ich Dreamer im Gelände  nur extrem versammelt fast auf der Stelle galoppieren kann, um ihn unter Kontrolle zu halten – was ich dann die nächste Zeit auch immer gemacht habe, anders ging es schließlich nicht.
Entspannte Ausritte?
Fehlanzeige!
Entspannt war es bei uns selten, ich konnte nicht einfach mal den Zügel locker lassen, musste immer wachsam sein. So stelle ich mir eine Runde im Gelände nicht vor, vor allem, nachdem ich Amadeus in sämtlichen Gangarten und Situationen am langen Zügel oder sogar ohne Zügel reiten könnte.
Es machte mir also schlicht und einfach keinen Spaß mit ihm, streßte mich, frustrierte uns beide! Wer mich kennt, weiß, dass ich meine Pferde fein reiten möchte. Im Gelände dagegen muss ich gestehen, dass ich teilweise wirklich auch sehr grob eingreifen musste, um gefährliche Situationen zu verhindern.

pferd reiten reiter

Seit einer Woche nun aber war ich ausschließlich nur im Gelände unterwegs, mit dem Ziel, die Ausbildung neu aufzustocken und ihn zu einem Pferd zu machen, mit dem man im Gelände auch mal ein wenig flotter Galoppieren kann, ohne Angst vor einem absoluten Kontrollverlust haben zu müssen, oder davor, auf der Straße vor ein Auto zu kommen. Ich möchte schlicht und einfach frei galoppieren können, ohne ihn halten zu müssen, ohne nur auf der Stelle zu galoppieren, ohne Angst haben zu müssen, dass er mich runterbuckelt!

Die Ausbildung im Gelände gehe ich nun komplett anders an, ich reite nur Dressur, schlendere also kaum vor mich hin. Wir arbeiten sehr abwechslungsreich und bauen auch anstrengendere Elemente in die Arbeit ein. Nachdem ich einen VLOG über einen Ausritt gepostet hatte, in dem ich auch von unseren Problemen erzählt habe, wurde mir klar, dass viele Menschen solche Probleme mit ihren Pferden haben.
Ich habe mich immer sehr alleine damit gefühlt und dachte, dass es wenigen außer mir ähnlich ergeht – doch dem ist nicht so.
Und ich habe begriffen, dass es nicht schlimm ist, solche Schwierigkeiten zu haben und offen damit umzugehen, solange man daran arbeitet
Wir sind schon nach dieser Woche einen großen Schritt weiter gekommen, was ihr auch in meinem Video sehen könnt. Da so viele Leute Probleme im Gelände haben, möchte ich euch natürlich auch mit auf meinen Weg durch diese Ausbildung nehmen und werde in einem nächsten Blogbeitrag erklären, wie genau ich im Gelände übe, um unsere Probleme in den Griff zu bekommen! Vielleicht entwickelt sich daraus ja eine kleine Reihe, wenn Interesse besteht!