Bin ich eine Freizeitreiterin oder eine Turnierreiterin?

Häufig stehen zwischen beiden Seiten große Konflikte und Meinungsverschiedenheiten.
Den Freizeitreitern wird vorgeworfen, sie würden ihr Pferd nur im Gelände herumdackeln lassen ohne jegliche sinnvolle Arbeit zu verrichten. Die Pferde glotzen wie Giraffen in der Gegend herum, „Anlehnung“ ist ein Fremdwort. Gymnastizierung? Am langen Zügel herumschlendern ist doch das Natürlichste der Welt für ein Pferd, es reicht also doch vollkommen aus, wenn das Pferd in allen Gangarten die Nase dauerhaft am Boden herumschleift!
Turnierreiter dagegen reiten ihre Pferde automatisch in Rollkur. Sperrriemen, Sporen, Ausbinder – die alltäglichen Folterwerkzeuge kommen natürlich bei jeder Trainingseinheit zum Einsatz. Turnierreiter lieben ihre Pferde nicht sondern nutzen sie nur aus. Die Pferde müssen täglich perfekt gestriegelt sein, verbringen meist Boxenhaft und sehen selten mal etwas anderes als die Box oder die Halle.

Vorurteile wird man überall finden können und ich denke, ein winzig kleines Stückchen Wahrheit findet man tatsächlich in einigen Fällen.
Doch wie sehe ich mich?
Jahrelang war ich lediglich Freizeitreiterin, bin hauptsächlich planlos am Platz herumgeritten und ging ins Gelände. Für meine Pferde und auch mich war das immer ein großer Spaß. Mit der Zeit begann ich dann dank einer neuen Reitlehrerin, meine Pferde ordentlich zu gymnastizieren und auch auf ein höheres Niveau in der Dressur zu bringen. Trotz allem war ich ganz klar noch reine Freizeitreiterin, damals ja auch ohne große Turnierambitionen.
Wie ist es heute? Ich reite Turniere, werde in dieser Saison fast jedes Wochenende auf Turnieren unterwegs sein und es ist ein großer Teil meines Lebens geworden, welchen ich mir schon jetzt nicht mehr wegdenken kann.
Aber sehe ich mich als Turnierreiter?
Meine Erfahrungen mit anderen Turnierreitern sind bisher leider größtenteils weniger angenehm gewesen. Natürlich kenne ich eine Menge freundlicher und sehr lieber Menschen, welche ebefalls Turniere reiten.
Aber betrachtet man alleine die Kinder, welche in diesem Sport aufwachsen, könnte ich manchmal verzweifeln. So fernab der Realität jagen schon die Kleinsten ihre Pferde mit Sporen und Sperrriemen durch den Parcours oder Riegeln den Kopf herunter wie ein Profi.
Arroganz begegnet jemandem unter Turnierreitern sehr häufig. Man trainiert sein Pferd nicht so, wie jeder es tut, und sofort wird auf denjenigen herabgesehen. Viele junge Reiter die ich kenne sind eher verwöhnt, mussten sich nie selbst etwas kaufen oder erarbeiten, da die Eltern mehr als spendabel sind.
Das alles ist nicht schlimm, wenn man bei all dem Erfolg und dem sportlichen Wettkampf noch auf dem Boden bleibt. Heute ist das aber nicht mehr selbstverständlich. Als richtige Turnierreiterin bezeichne ich mich daher eigentlich nie, da ich zu oft erlebt habe, wie herzlos mit den Pferden im Sport umgegangen wird.
Freizeitreiterin bin ich dagegen auch nicht mehr, ich habe Ambitionen, stelle meine Pferde sportlich vor, arbeite daran, sie auch in der Dressur auf höchstes Niveau zu bringen und habe mittlerweile große Ziele.

Eine gute Frage also, ob ich Freizeit- oder Turnierreiterin bin. Weder noch, oder beides?