Mein Pferd blüht wieder auf

26

Dezember 2017

Die letzten Wochen und Monate mit meinen Pferden haben mich sehr inspiriert, denn mit Dreamer habe ich intensiv mit der Freiarbeit begonnen – und das war alles andere als einfach. Jede Einheit war ein kleiner „Kampf“, nicht im negaiven Sinne, sondern einfach anstrengend und hat uns beiden viel abverlangt. Ich habe versucht, eine Verbindung zu ihm herzustellen, zu lernen, wie wir kommunizieren können und wie ich mich bewegen und verhalten muss.
Denn von Freiarbeit hatte ich keine Ahnung, ich bin als Reiterin aufgewachsen und beherrsche vom Sattel aus alles intuitiv. Meistens geschieht alles automatisch, ich muss nicht darüber nachdenken, wie etwas geht oder was ich machen muss. Es passiert einfach und ich lasse zu, dass es geschieht.
Bei der Arbeit vom Boden aus, ohne das Pferd mit einem Hilfsmittel kontrollieren zu können, stand ich erstmal blöd da. Ja, wie bekommt man ein Pferd nun dazu, gerne bei einem zu sein und mit mir zu arbeiten? Ein Pferd, welches man nicht immer fair behandelt hat und das leider oft schwierg ist, was es nicht einfacher gemacht hat, immer ruhig zu bleiben.
Denn das muss ich mir leider eingestehen – ich war nicht immer fair.

Es schmerzt erst einmal, wenn man merkt, dass das Pferd kein Interesse an einem hat. Sich von mir abwendet und alles ausser man selbst interessanter ist. Ich hätte anfangs einfach nur heulen können, denn es ist ein demütigendes und schreckliches Gefühl! In diesen Momenten kam alles wieder in mir hoch, was ich je mit ihm falsch gemacht habe. Aber die Vergangenheit kann man nicht ändern und ich war und bin wirklich bemüht, an mir selbst zu arbeiten. Das war der erste Schritt – sich eingestehen, was falsch war, wie die Lage ist und was man ändern muss.
Mein Temperament gehört da definitiv dazu, ich muss lernen, bei mir selbst zu bleiben, egal wie sehr Dreamer auch rumspinnt oder das zehntausendeste Mal in seiner Ecke spinnt, obwohl dort nie etwas passiert ist.
Vom Boden aus war es anfangs nicht einfach, bei mir zu bleiben, wenn er sich von mir abgewendet hat. Aber mit der Zeit wurde es besser und ich habe Vertrauen zu ihm aufgebaut, gespürt, wie er sich langsam für mich interessiert.
Und merkt, dass die Arbeit mit mir Spaß machen kann und es ohne Zwang geht.
Bei all dem bitte ich euch, nichts falsch zu verstehen – ich habe Fehler gemacht, aber nicht in einer brutalen oder extremen Form. Ich war nicht immer ganz fair, habe ihn aber natürlich nie misshandelt oder sonstiges! Nicht, dass hier etwas falsch rüberkommt. Das Wohl meiner Pferde steht ganz oben und mir war immer wichtig, wie es ihnen geht und dass sie auch beim Reiten etc. freiwillig dabei sind.

Mit der Zeit hat sich unsere Arbeit also gebessert, auch wenn ich bei Dreamer extrem viel innere Energie benötige, um ihn zu motivieren. Das strengt mich an, ist aber auch eine Herausforderung.
Wir beide mussten lernen, zu kommunizieren, und wir haben es geschafft. Anfangs war ich immer unsicher, wie ich mich bewegen sollte. Auch ihm ist es so gegangen, das hat man gespürt.
Aber ich wurde immer sicherer, habe rumprobiert und einen für uns guten Weg gefunden. Von speziellen Vorgehensweisen oder Methoden habe ich mich ferngehalten, denn ich wollte mich nicht nach etwas richten müssen – das kann ich machen, wenn die Basics erarbeitet sind. Auf unsere Weise.

Einige Male ist er nun schon ohne Strick neben mir getrabt und auch galoppiert, wobei ich hier den Strick meist noch dran lasse. Was ein galoppierendes und wilder werdendes Pferd neben sich für ein unglaubliches Gefühl ist, kann ich nicht beschreiben. Er macht mir Respekt, das auf jeden Fall. Manchmal fast schon Angst, denn kontrollieren kann ich ihn so nicht. Aber gleichzeitig berührt es mich so sehr, dass ich beim Gedanken an diese kurzen Momente auch jetzt wieder Gänsehaut bekomme und vor Freude weinen könnte.
Über die Jahre habe ich das gemacht, was wohl die meisten machen, um nicht die Kontrolle zu verlieren – hat er vom Boden aus gesponnen, wollte buckeln oder sonstiges, habe ich es unterdrückt. Dadurch ist er abgestumpft und hat den Willen verloren, sowas wieder zu machen. Ich wollte nie, dass er wild wird, wenn er neben mir traben soll. Er sollte einfach brav bei mir bleiben.
Das war ein großer Fehler!
Mit unserer Arbeit aber erwacht er wieder neu zum Leben, macht Ansätze zum Buckeln, schüttelt den Kopf, geht mit den Vorderbeinen ein wenige nach oben – und wird dazu ermutigt. Es ist ein absolut tolles Gefühl, und ich lerne immer mehr, die Kontrolle abzugeben. Mich dem Moment hinzugeben und aus der Situation heraus intuitiv zu handeln.
Dadurch habe ich viel gelernt und man sieht wieder, dass die Pferde selbst uns so viel zu sagen und lernen haben. Für manches braucht man keinen Trainer, wenn man die Zeichen des Pferdes nur richtig erkennt und an sich selbst arbeiten möchte. Für unsere Beziehung ist dieses Training extrem gut und hilft uns sehr, mehr zueinander zu finden!

Über die nächsten Wintermonate steht vermehrt die Freiarbeit mit meinen beiden Pferden an, dazu schreibe ich noch was. Auch zur Arbeit mit Bulgari, welche durch die Erfahrung mit Dreamer direkt besser begonnen hat, kommt noch ein Beitrag.

Foto: Helmut Weiss

Foto: Helmut Weiss

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1 Kommentar

  1. Lea

    Toller Beitrag! Bei uns war es ähnlich zunächst nutzt das Pferd seine Freiheit und interessiert sich nicht für einen. Aber nach einiger Übungen hab ich nun festgestellt, dass mein Pferd so viel mehr Spaß hat und motivierter ist als bei der Arbeit am Seil.

    Antworten

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