Morgen haben Dreamer und ich unser erstes Turnier in diesem Jahr. Schon seit einiger Zeit mache ich mir viele Gedanken, die Aufregung steigt täglich. Auf der einen Seite kann ich es kaum erwarten, endlich wieder zu reiten, andererseits breitet sich auch ein mulmiges Gefühl in mir aus.
Der ein oder andere mag jetzt vielleicht denken, dass wir ja nichts zu verlieren haben und es in den niedrigen Klassen noch um nichts geht. Das stimmt natürlich, dennoch bin ich ein zielorientierter Mensch mit großen Träumen.
Zwar steht für mich mein Pferd immer an erster Stelle, aber die Turniere sind ein sehr großer und wichtiger Teil meines Lebens geworden, welchen ich mir nicht mehr wegdenken möchte.

Was ich mir wünsche ist ein Pferd, welches wieder sicher durch den Parcours kommt. Nicht nur irgendein Pferd, sondern mein Traumfänger, mit welchem ich nun schon seit über zwei Jahren Seite an Seite so viel durchgemacht habe und durchmachen musste.
Die Momente, in denen er für mich gekämpft hat und dabei seine eigenen Bedürfnisse komplett zurückgesteckt hat – obwohl mir diese Augenblicke für ihn Leid tun, sind es genauso Momente, welche mir Hoffnung geben. Ein Pferd, welches (ohne Zwang!) unter größten Schmerzen noch die ersten Sprünge des Parcours springt, bis es schließlich aufgeben muss und nicht mehr kann – ist das nicht ein gutes Zeichen für das Vertrauen und die Loyalität zueinander?
Ich weiß, dass Dreamer immer für mich kämpfen wird, und zwar so lange er es kann.
Trotz allem habe ich nach wie vor Angst davor, dass er in einer Prüfung verweigert.
(Für Unwissende: Seit unserem Unfall auf einem Abreiteplatz vor über einem Jahr hatten wir eine schwierige Zeit, aus dem Pferd, welches nie im Leben verweigert hätte, wurde ein sehr unsicheres und schwierig zu reitendes Pferd, mit welchem ich durch keine Prüfung mehr kam.)
Ich habe keine Angst, weil ich befürchte, zu fallen – das ist mir bereits geschehen und seitdem reite ich eher waghalsiger als zuvor. Es geht nicht um mich, sondern um uns, um das Band zwischen meinem geliebten Pferd und mir.
Jede Verweigerung hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack und kratzt das Vertrauen ein wenig an, so sehr man es auch versucht, auszublenden. Frustriert bin ich nach einem misslungenen Turnier nur wegen mir selbst und ich lasse es nie am Pferd aus, sondern versuche, ganz bei mir zu bleiben. Eine Enttäuschung ist aber in solchen Situationen vorhanden, und da Pferde sehr sensible Tiere sind, entgehen diese negativen Gefühle ihnen natürlich nicht.

Was ich mir für diese Saison wünsche sind keine Schleifen, keine Pokale oder Siegerehrungen.
Ich wünsche mir das volle Vertrauen meines Pferdes, dass er wieder konstant Sicherheit im Parcours hat und es weniger dieser extrem schlechten Tage gibt, an denen einfach überhaupt nichts klappt und ich nicht wie wild ackern muss, um mein Pferd irgendwie halten zu können.
Ich möchte am Vorabend kein schlechtes Gefühl haben und mich fragen müssen, ob wir am nächsten Morgen überhaupt über den ersten Sprung kommen werden. Oder über den Zweiten. Oder Dritten.
Wie schon öfter erwähnt mache ich mir über viele Dinge Gedanken, kein besonders guter Charakterzug, denn dadurch entstehen auch mindestens so viele Sorgen. Abschalten lässt sich dies jedoch nicht, also muss ich damit leben.

Für morgen hoffe ich das Beste und bin gespannt, ob diese Saison vielleicht von Anfang an ein wenig besser wird!
Entspannt rangehen würde ich gerne und versuche es jedes Mal, gestaltet sich aber als eher schwierig. Wir kennen die Halle, den Abreiteplatz und das Ambiente in München, was mich schon einmal etwas beruhigt.
Natürlich werdet ihr erfahren, wie es uns gegangen ist!