Ein Pferd, das immer Spaß macht!

03

Juni 2017

Nicht jedes Pferd reite ich gerne, denn so wie manche Charaktere nicht füreinander gemachrt sind, gab es (wenn auch selten) bisher schon Pferde, auf denen ich eine Runde im Schritt geritten bin, nur um festzustellen, dass ich am liebsten gleich wieder absteigen würde. Nicht aus Angst oder Unsicherheit, sondern weil einfach nichts zusammenpasst und das Gefühl absolut nicht stimmt.
Mittlerweile steige ich bei so einem Gefühl dann auch tatsächlich ab, denn ich war schon oft genug Probereiten, um heute ganz ehrlich zu sein und mir solche Kämpfe nicht mehr anzutun.

Dann gibt es Pferde, die ab und zu sehr viel Spaß machen, so wie Dreamer. Ganz entspannen kann ich auf ihm nie, da er in jeder Ecke seine Monster sucht und jederzeit am langen Zügel erschrecken oder losbuckeln kann. Reite ich ihn, bin ich also immer ein wenig gespannt, um auf jede Situation vorbereitet zu sein. Das bedeutet nicht, dass ich Dreamer nicht gerne trainiere! Nur ist es häufig nervenaufreibend, kräftezehrend und gelegentlich bringen wir uns gegenseitig zum Verzweifeln.

Und dann gibt es noch Pferde wie Bulgari, die einfach immer und in jeder Situation Spaß machen und mir ein dauerhaftes Lächeln ins Gesicht zaubern. Bemüht sind alle meine Pferde, doch er ist mit so einer Neugier und Motivation bei der Sache, dass er mir jeden Schritt vorweg nehmen würde, wenn er könnte.
‚Wir sind doch vorhin an der Stelle angaloppiert, also galoppiere ich hier gleich nochmal an‘, ‚Siehst du den Sprung da vorne? Liegt zwar nicht direkt auf dem Weg, aber ich zieh einfach hin, macht doch eh mehr Spaß als Dressur!‘ könnten seine Gedanken sein.
Wenn er einmal in Fahrt kommt, marschiert er los wie eine Maschine, die man nicht mehr stoppen kann. Eine tolle Eigenschaft, die bei jungen Pferden (gerade im Turniersport) aber leider zu oft ausgenutzt wird. Natürlich würde auch ich am liebsten gleich höher bauen und mehr springen, nicht nach ein paar Kreuzen schon aufhören.
Bulgari würde das problemlos mitmachen, denn seine Motivation reicht für zehn Pferde aus. Dennoch muss man sich selbst einbremsen in Situationen wie diesen und überlegen, was das Richtige für das Pferd ist. Man sollte ein motiviertes Pferd nie so weit bringen, dass es dieses Interesse an der Arbeit irgendwann verliert. Je eher man aufhört, desto länger erhält man sich die Arbeitsfreude.
Was Bulgari betrifft – er hat noch nicht besonders viele Muskeln und auch nicht die beste Kondition, denn er wird nach wie vor antrainiert. Das richtige Maß mit so einem Pferd zu finden, ist schwierig, aber machbar. Zurzeit reite ich ihn nur ein paar Mal die Woche, springe dann aber fast jedes Mal.
Der Großteil wäre nun vermutlich entsetzt – doch wie definiere ich „springen“ eigentlich? Sicher anders, als die Meisten.
Für mich bedeutet springen mit Bulgari zurzeit etwa dreißig bis vierzig Zentimeter hohe Kreuze aus dem Trab oder auch Galopp anzureiten, um Abwechslung in die Dressurarbeit zu bringen. Manchmal sind es fünf „Sprünge“, manchmal zwanzig. Meist jedoch eher wenige.

Seitdem Bulgari und ich viel Bodenarbeit gemacht haben und spazieren gegangen sind, wurde die Verbindung schlagartig tiefer. Von einem auf den anderen Moment habe ich endlich endgültig realisiert, dass Bulgari tatsächlich mir gehört und bei uns bleiben wird. Während mein Verstand es wohl einfach knapp ein Jahr lang nicht verarbeiten konnte, dass Bulgari nicht nur ein Einstellpferd oder Berittpferd ist, sondern für immer bei uns bleiben wird, hatte ich auch Schwierigkeiten damit, ihn emotional anzunehmen. Es war, als hätte irgendein Schutzmechanismus mich davon abgehalten, dass er mir zu nahe kommt und mich in irgendeiner Weise berühren könnte. Seine Nähe, die er ganz offensichtlich gesucht hat und immer sucht, konnte ich einfach nicht zulassen.
Bulgari habe ich nicht geknuddelt oder umarmt, so wie ich es bei meinen anderen Pferden gerne mache. Das alles hatte aber nichts damit zu tun, dass ich ihn nicht mochte – ich konnte es einfach nicht.
Eigentlich sehr seltsam, aber jetzt ist endlich alles anders und er gehört endgültig zur Familie! Meine emotionale Unnahbarkeit hat er mir auch kein bisschen übel genommen, sondern freut sich jetzt nur umso mehr über meine Aufmerksamkeit.

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