Angst vor der Hoffnung

25

Dezember 2017

Das Jahr ist bald vorbei und ich muss feststellen, ich habe meinen Optimismus ein wenig verloren.
In meinen Träumen habe ich für meine Pferde und mich immer eine goldene und glänzende Zukunft gesehen, denn ich war schon immer ein Träumer und habe Großes angestrebt. Doch die letzten Jahre wurden überschattet von schlimmen Ereignissen, ständigen Rückschritten und Unfällen, für die wir nichts konnten.
Jahr für Jahr habe ich hart gearbeitet, um die Folgen der Vergangenheit wieder hinzubiegen und ich hatte meine Hoffnung nie verloren, auch wenn es oft so schien. Letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt, nachdem ich den Kummer der Ereignisse überwunden hatte, dachte ich mir: „2017 wird unser Jahr“. Ich habe mich gefühlt, als könnten wir endlich durchstarten und alles erreichen. Und so schien es anfangs auch, denn die Saison lief grandios an, Dreamer hat kein einziges Mal verweigert und ist super gesprungen.
Doch dann kam schon wieder ein Unfall, als würden wir Pech anziehen. Den Moment, als das andere Auto in den Hänger gefahren ist, werde ich niemals im Leben vergessen, denn ich dachte, nun ist alles vorbei.
Vor einem Jahr war ich glücklich und so zuversichtlich, dass endlich alles gut werden würde. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ich habe Angst vor der Zukunft, ich habe Angst zu Versagen, ich habe Angst, dass meine Träume schon wieder zerstört werden und uns etwas geschehen wird.

Man sollte meinen, irgendwann ist es genug, aber wenn man sich unsere Geschichte ansieht, weiß ich nicht, ob ich daran noch glauben darf. In diesem Jahr war ich schon so weit, dass ich mir überlegt habe, Dreamer endgültig aus dem Turniersport zu nehmen.
Nicht, weil es ihm oder uns keinen Spaß mehr macht – sondern aus Angst, mein Pferd irgendwann ganz zu verlieren.
Ich habe Angst, dass irgendwann der Tag kommt, an dem etwas so schlimmes passiert, dass ich ihn nicht mehr habe – und es meine Schuld ist. Das wäre das Schlimmste für mich.
Das alles sind keine schönen Gedanken, aber sie sind real und ich weiß nicht immer, was ich machen soll.
Dreamer ist mein Champion und ich weiß, dass wir wahnsinnig viel erreichen könnten. Und doch haben mich die letzten Jahre verunsichert.
Derzeit habe ich nicht vor, mit den Turnieren aufzuhören, auch, wenn ich immer ein seltsames Gefühl haben werde, wenn ich mit meinem Pferd im Hänger wegfahre. Aber wie so viele von euch schon gesagt haben – es könnte immer was passieren. Bei einem Kurs, Ausritt, oder auch zuhause.
Meine Zuversicht habe ich nicht komplett verloren, aber doch einen großen Teil davon. Zu gerne würde ich sagen, 2018 wird unser Jahr. Aber das kann ich nicht, denn ich weiß nicht, wie das Jahr verlaufen wird.

Dreamer und ich mussten schon einiges durchstehen und wir beide sind riesige Sensibelchen und kleine (oder manchmal große) Nervenbündel. Ich musste feststellen, dass die letzten Jahre uns beide altern haben lassen, anders kann ich es nicht beschreiben. Er wirkt so viel älter und auch ich fühle mich so, beschwert durch alles, was uns passiert ist. Auch unsere Beziehung hat teilweise darunter gelitten. Wir haben bisher immer wieder einen Weg zueinander gefunden und in den nächsten Monaten steht auch genau das an erster Stelle – unsere Beziehung und unser Vertrauen. Denn meine Pferde stehen für mich immer an oberster Stelle!

Nach wie vor habe ich Träume, auch wenn mir diese im Moment nicht mehr erreichbar erscheinen. Vielleicht nennt man sowas auch einfach nur „gesunden Realismus“, aber wenn dem so ist, möchte ich kein Realist sein, denn es ist kein besonders schönes Gefühl.
Früher hatte ich immer das Gefühl, wir könnten alles erreichen, was wir uns vornehmen, nicht aber ohne die Realität aus den Augen zu verlieren!

Meine Hoffnungen ruhen derzeit auf Bulgari, mit dem ich noch nichts schlimmes erleben musste und der selbst so hoffnungsvoll und unvoreingenommen ist, dass er mich damit ansteckt! Wenn ich ihn ansehe, sehe ich Lebensfreude, Unbeschwertheit und Leichtigkeit.
Aber meine ‚erste‘ große Liebe, mit dem ich so vieles erreichen wollte, ist Dreamer und es wird auch immer Dreamer bleiben. Er ist für mich ein ganz besonderes Pferd und ich hoffe, es wird alles irgendwann wieder gut. Wir haben ein wenig mehr Glück nun wirklich verdient – ganz nach dem Motto „Am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“.

Daher möchte ich nicht sagen, dass unser nächstes Jahr gut wird. Ich will hoffen, dass es das wird – und ich möchte auch wieder lernen, Hoffnung zu haben, wieder Freude an dem Gedanken an unsere Zukunft zu finden. Und keine Angst davor haben zu müssen.

Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als Angst. Die Tapferen leben vielleicht nicht ewig, aber die Vorsichtigen leben überhaupt nicht.

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