Traumfänger 4 ist mein zweites Pferd, ein mittlerweile 7 Jähriger Trakehner Wallach.
Auf einer längeren Suche nach dem richtigen Sportpferd bekamen wir letztendlich von unserem Sattler den Tipp, dass in der Nähe von Lübeck (Norddeutschland) ein toller, junger Wallach zu Verkauf sei, welcher gut zu mir passen könnte.
Das Foto des Pferdes überzeugte mich nicht wirklich, dennoch wollte ich ihn mir ansehen – schließlich war es von Rosenheim nach Lübeck mit fast 1000 Kilometern ein Katzensprung. Meine Mutter, welche selbst viel Ahnung von Pferden hat, konnte wegen unserem Stall zuhause nicht mitkommen. Am 13.07.2014 kamen mein Vater (eher wenig Ahnung vom Reiten) und ich  – eine totale Spring- und Warmblutanfängerin –  also nach der zwölf Stunden langen Fahrt an.

Am nächsten Tag fuhren wir zum Besichtigen in den Stall. Natürlich war ich unglaublich aufgeregt und hoffte, dass alles passen würde.
Wir fuhren auf den Hof und schon aus dem Auto heraus sah ich in der Stallgasse ein wunderschönes Pferd stehen, groß und elegant. Er zog meinen Blick auf sich und ich konnte mich kaum losreißen – es war dieses Gefühl, welches man hat, wenn einfach alles perfekt passt.
So ein Gefühl erlebt man leider nicht oft, es war wie Magie. Ich hoffte so sehr, dass dieses Pferd Traumfänger ist, auch wenn ich wenig Hoffnung hatte, da er so ganz anders als das Pferd auf dem Foto aussah.
Nachdem wir mit der Verkäuferin in den Stall gingen, stellte sie uns Traumfänger vor – das Pferd in der Stallgasse, in welches ich mich vom ersten Augenblick an unsterblich verliebt hatte.
Ich denke, das war der Moment, in dem für mich der Kauf unterbewusst fest stand, solange es beim Reiten keine extremen Schwierigkeiten gegeben hätte.

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Ein wenig tollpatschig und unerfahren verlief das erste Probereiten dann, sah auch schrecklich aus, da ich bis dahin noch nicht viele Großpferde geritten bin und nie wirklich Springunterricht hatte.
Traumfänger war zu dem Zeitpunkt 5 Jahre alt, also auch noch jung.
Aber dennoch war alles perfekt. Dieses Gefühl kann man kaum beschreiben, es ist wie Liebe auf den ersten Blick. Ohne jegliche Erfahrung mit dem Springreiten habe ich in ihm einen großartigen Kämpfer gesehen, mit viel Ehrgeiz, Mut und Potenzial. Woher ich das Gefühl hatte, kann ich selbst nicht sagen. Irgendetwas in mir hat ein außergewöhnliches Pferd in ihm gesehen, wenn auch noch viel Arbeit vor uns stand. Auf dieses Bauchgefühl habe ich gehört.
Nach einem weiteren Probereiten und einem kleinen Ausritt im Anschluss stand es dann fest: Traumfänger würde mein neues Pferd werden.
Für mich als damals 16  Jährige war diese Entscheidung riesig und hat mir einige Male Magenschmerzen bereitet. Ohne Beratung eines Trainers oder einer wirklich sachkundigen Person, ein junges Pferd. Jahrelang habe ich für das ideale Pferd gespart, da ich es selbst kaufen wollte. Die Entscheidung, ob dieser Weg richtig oder falsch war, konnte mir niemand voraussagen. Vielleicht fühlte ich mich anfangs ein wenig überfordert – natürlich war der Entschluss eine Herausforderung und lies mich gelegentlich zweifeln. Würde ich das schaffen? Was, wenn ich das nicht kann, wenn ich versage?

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Am nächsten Morgen traten wir zu dritt die Heimreise an – erneut 1000 Kilometer mit Pferd. Mein Vater war wegen der Fußball WM am vorherigen Abend natürlich top fit und äußerst begeistert vom Heimweg. Ihm habe ich das Ganze auch zu verdanken, wie viele Eltern lassen sich schon auf so eine Fahrt ein, um ein einziges Pferd anzusehen?
Nun war Traumfänger also da und durfte in unserem kleinen Offenstall einziehen. Er war nicht nur mein (zweites) Seelenpferd, sondern gleichzeitig auch die Chance, dem Turniersport näher zu kommen – mit ihm begann ein neuer Lebensabschnitt.