Das Ende der Turniersaison

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MARCH, 2016

Dass unsere Turniersaison dieses Jahr vorbei ist, ist nur die halbe Wahrheit, denn im November fahren wir noch ein letztes Mal aufs Turnier. Doch offiziell ist die Saison vorüber und ich möchte euch nun einen kurzen Rückblick geben!

In diesem Jahr bin ich nur 12 Prüfungen geritten, worüber ich ein wenig enttäuscht bin. Die Saison hat super begonnen und in diesem Jahr wollte ich mehr Erfahrung in A** Prüfungen sammeln, ausserdem mit Dreamer meine erste Dressur reiten, da er ab Mitte des Jahres extrem gut und konstant lief!
Unser erstes Turnier hatten wir bereits im März, was für unsere Verhältnisse sehr früh war. In München wollte ich meine Saison starten, da der Parcours dort niedrig gebaut ist und ein schöner Einstieg möglich ist. Erwartet hatte ich nichts, da Dreamer eine längere Winterpause hatte und noch lange nicht voll im Training stand. Doch mit einer (nur halb) ordentlichen Runde machten wir dort direkt den zweiten Platz im E Stilspringen! Ich weiß noch genau, wie aufgeregt ich war. Der Beginn der vorherigen Saison lief extrem schlecht durch unseren Unfall und somit war ich unsicher, wie es an dem Tag laufen würde.

Die zweite Prüfung fand in einer Halle statt und lief bis auf zwei Sprünge nicht schlecht. Blöd nur, wenn man vor dem letzten Sprung (einem Aussprung einer nur leicht gebogenen Distanz)  das Pferd durchpariert und lobt, weil man den Sprung schlicht und einfach vergessen hat… die Richter haben mich schließlich gefragt, ob ich verzichte oder noch reite, als ich es direkt danach bemerkt habe. Da Dreamer aber wahsinnig brav war und mich so stolz gemacht hat mit seiner souveränen Runde, habe ich natürlich verzichtet und nur darüber gelacht. Geärgert hat es mich danach zwar total, so dass vor Aufregung auch kurz ein Paar Tränen geflossen sind, aber schließlich war alles wieder gut und ich konnte darüber lachen. Gleichzeitig sind solche Fehler immer eine Lehre – beim Abgehen des Parcours schauen wir mittlerweile immer doppelt, wie viele Sprünge im Parcours stehen und wo genau das Ende ist!

Schließlich stand im April dann unser zweites Zeitspringen der Klasse E an, besser gesagt ein Stilspringen mit Stechen. Während wir in einer passablen Runde gerade noch ins Stechen kamen, waren schließlich so schnell unterwegs, dass wir knapp auf dem zweiten Platz gelandet sind und fast gewonnen hätten. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel Spaß mir das gemacht habe. Beim Reiten auf Zeit bin ich ein ganz anderer Mensch, reite selbstbewusst und entschlossen – und werde nie unsicher. Auch Dreamer merkt dabei, worum es geht und kämpft für den Sieg!

Einige Wochen danach war ich schon wieder enorm aufgeregt, denn unser erstes A* Zeitspringen stand an!
Zuvor ritten wir noch ein E Stilspringen, welches aber schrecklich lief. So schlimm, dass ich zwischenzeitlich im Parcours kurz anhalten musste, damit wir beide uns sammeln konnten. Tatsächlich war ich nach dem Ritt etwas wütend auf ihn, denn er hatte keinen Grund für das Drama, welches er gemacht hat. Nach einem guten Ritt wäre ich direkt nach Hause gefahren, da er nicht müde gewirkt hat und ich so den Tag nicht beenden wollte, bin ich (ohne Erwartungen) auch noch das A* Zeit geritten.
Die Runde war einfach genial, natürlich habe ich noch viel an mir zu arbeiten. Gerade die Feinabstimmung muss noch deutlich verbessert werden, aber ein Zeitspringen auf Dreamer ist vergleichbar mit 250 km/h auf der Autobahn. Es erfordert höchste Konzentration, man ist angespannt und jede kleine Bewegung muss gut abgestimmt sein. An dieses Gefühl muss ich mich erst Mal gewöhnen, dazu kommt, dass Dreamer leider nicht einfach zu reiten ist – auch wenn andere das gerne sagen. Es erfordert eine Menge, ihn seit dem Unfall damals ordentlich durch den Parcours zu bekommen.
An diesem Tag waren wir wirklich schnell unterwegs, hatten aber leider einen unnötigen Abwurf, weil Dreamer sich auf irgendetwas hinter dem Sprung festgeglotzt hat und somit die Stange fiel, obwohl wir ideal hingekommen sind.. auch das hat mich geärgert, weil wir sonst wohl gut platziert gewesen wären. Aber ich war trotzdem sehr stolz und wirklich überglücklich, wie toll er sich durch den Parcours gekämpft hat.
Ìn dem E Stil haben wir an dem Tag sogar den 9. Platz gemacht, wie ich gerade festgestellt habe. Wegen dem Abwurf im Zeitspringen hat es nur noch für den 17. Platz gereicht. Doch ich persönlich finde, dass man selbst bei Niederlagen oder sogar bei einem Verzicht / Abbruch etwas positives finden kann. Für uns war es ein voller Erfolg, auch wenn es in den Turnierergebnissen nicht so vermerkt ist!

Dann ging es für uns im Juni zwei Wochen nach Kreuth, wo wir einige Prüfungen geritten sind. Leider lief es ab dem ersten Tag wirklich schlecht, wir kamen nicht durch den Parcours. Woran es lag, weiß ich nach wie vor nicht. Dreamer hat blockiert und dicht gemacht, sobald wir nur in auf den Prüfungsplatz geritten sind. Noch weit vor dem ersten Sprung kam ich gar nicht mehr zu ihm durch. Nach dem zweiten Tag war ich deswegen ziemlich verzweifelt, denn ich fand keinen Grund und wusste nicht, was ich machen sollte.
Schließlich sind wir ohne ein einziges Mal durch den Parcours zu kommen wieder etwas eher nach Hause gefahren, um in der zweiten Woche wieder in Kreuth zu reiten.
Zu Beginn lief es wieder schlecht und genauso wie in der vorherigen Woche, sogar mit Steffi hat er verweigert. Nachdem er an diesen Tagen aber nur ein Drama aus allem gemacht hat und sozusagen „extra“ verweigert hat, bin ich schließlich am vorletzten Tag ein Zeitspringen mit Sporen geritten.
Ja, das war das allererste Mal, dass ich zu solchen Mitteln gegriffen habe – man muss aber auch Bedenken, wie man etwas anwendet!
Leider habe ich einfach keinen anderen Weg gesehen zu dem Zeitpunkt und würde es auch rückblickend einmalig wieder so machen. Denn er hatte keine Schmerzen, ist beim Abreiten fantastisch und extrem locker gesprungen, hat keinen Ansatz zum Verweigern gemacht. Lief eben einfach toll.
Als ich ihn dann einmal ganz durch den Parcours bekommen habe, wenn auch alles andere als schön, haben wir sogar den zweiten Platz gemacht – womit ich nicht gerechnet habe und worauf ich nicht aus war. Wichtig war mir nur, durch den Parcours zu kommen, mehr nicht. Und das ist die einzige Schleife, auf die ich nicht wirklich stolz bin und über die ich mich nicht freuen kann.
Wenn ich mir überlege, wie häufig man Reiter-Pferd-Paare sieht, die nur mit Zwang, Schmerz und eben durch solche Hilfsmittel durch den Parcours kommen und Erfolge erzielen… ich könnte es nicht. Wo bleibt da die Freude über einen Erfolg? Bei mir ist er ausgeblieben!
Doch ich muss sagen, dass es an dem Tag bei Dreamer „Klick“ gemacht hat. Am nächsten Morgen ist Steffi mit ihm ein E Stilspringen geritten und er lief wieder richtig gut, wollte vor allem auch selbst durch den Parcours. Für sie war es erst die dritte Prüfung und sie landeten sofort auf dem vierten Platz, was mich wirklich stolz gemacht hat!
Insofern war es hier wohl die richtige Entscheidung, grundsätzlich ist mir aber wichtig, immer die Ursache zu finden und dem Pferd zuzuhören. Denn normalerweise haben Verweigerungen immer einen Grund, den man finden sollte!
Leider hatten wir bei der Heimfahrt aus Kreuth dann den Unfall auf der Autobahn und schließlich fielen die Turniere für uns flach…

Im August bin ich mit Dreamer und Bulgari nach Kirchstockach gefahren, da dort niedrig und schön aufgebaut ist und ich das Turnier zum Einstieg nutzen wollte. Dreamer sprang an dem Tag leider nicht besonders gut, da er überall Gespenster gesehen hat, aber wir sind durch den Parcours gekommen und das war auch etwas wert.
Spannend war das E Springen danach mit Bulgari, da es unser erstes richtiges Turnier war. Wir sind nur bis zum dritten Sprung gekommen, weil er so aufgeregt war – und doch fand ich seinen Mut an dem Tag bewundernswert!
Wir vergessen zu oft, dass es nicht selbstverständlich für ein Pferd ist, uns sicher durch Prüfungen am Turnier zu tragen. Der Kleine ist toll gesprungen und ich freue mich sehr auf die ersten richtigen Versuche nächstes Jahr, zu denen wir auch ordentlich vorbereitet fahren werden.

So endete unsere Saison dann auch schon mit nur drei Platzierungen. Lustig, dass es je 2. Plätze sind!
Der Unfall hat uns viele Möglichkeiten weggenommen, ich hatte noch so viele schöne Turniere geplant und mich darauf gefreut. Hoffentlich wird die nächste Saison endlich Mal ohne Störungen und Zwischenfälle verlaufen!

 

Für nächstes Jahr möchte ich erst einmal sehen, ob sich nach dem Unfall etwas an Dreamers Sicherheit verändert hat. Wenn nicht und wenn es bis dahin körperlich wieder geht, möchte ich in der Klasse A** so viele Prüfungen wie möglich reiten, um dort Sicherheit zu bekommen. Ausserdem sind mehrere A* Zeitspringen geplant, in denen ich mir ein paar Platzierungen erhoffe.
Mit Bulgari stehen ab Mitte der Saison ein paar E Stilspringen an, jedoch nicht mehr als fünf ausgewählte Prüfungen, um ihn etwas an die Turniere heranzuführen.

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