Bulgaris Springtraining [Jungpferdeausbildung]

19

Juli 2017

Nachdem ich Bulgari derzeit langsam antrainiere und auch kleine Sprünge wieder dazu genommen habe, möchte ich euch in diesem Beitrag von seinen Fortschritten berichten.

Grundsätzlich muss ich sagen, dass er zwar immer motiviert und bei der Sache ist, ich aber noch nie im Leben auf so einem schwierig zu reitenden Pferd saß – zumindest nicht im Bezug auf das Springen. Phasenweise geht er nur durch, komplett gegen den Zügel, steigt und rennt mir fast durch den Zaun. Das sind die weniger angenehmen Momente, die mich kurz mal zum Verzweifeln bringen können.
Ein Problem bei ihm ist, dass er im Maul komplett dicht macht, wenn ihm etwas nicht passt oder er übermütig wird. Und während andere sagen, ich soll mich nicht beschweren, ein faules Pferd ist deutlich schlimmer – nein, ich beschwere mich nicht.
Trotzdem finde ich es nicht mehr lustig, wenn er mit mir fast durch den Zaun rennt… oder sich beim Steigen fast rückwärts überschlägt.

Das Springtraining gestalten wir relativ einfach, es besteht aus einzelnen kleinen Kreuzen. Wir reiten diese zu Beginn nur aus dem Trab an, da er lernen muss, die Spur und das Tempo zu halten, und sich nicht komplett meinen Hilfen zu entziehen. Und diese Arbeit klappt derzeit am besten in einem langsamen Trab.
Die größte Schwierigkeit besteht darin, ein Mittelmaß an Druck zu finden, mit dem wir beide gut arbeiten können. Denn baut man vorne zu viel Druck auf und hat zu viel Zug, geht er komplett dagegen und wehrt sich schnell, in dem er durchgeht oder kopflos wird. Und hier rede ich nicht von wildem Rumgezerre meinerseits, denn wie ihr wisst reite ich generell mit wenig Zug.
Doch was soll man machen, wenn das Pferd unkontrolliert zum Sprung zieht und vorne dicht macht, so dass man mit feinen Hilfen nicht mehr durchkommt, eine deutliche Parade es aber nur noch verschlimmern würde?
Zurzeit arbeite ich viel mit meiner Stimme und dem Sitz, Bulgari darf zum Sprung ziehen, aber nicht zu stark. Wir nähern uns durch viel loben und belohnen so einer gewissen Zusammenarbeit, mit der ich dann zufrieden bin, obwohl alles noch nicht optimal ist.
Gibt er vor dem Sprung nach und wird nicht schneller, lobe ich ihn. Zieht er erst an, lässt sich dann aber minimal bremsen, lobe ich ihn.
Das gleiche auch nach dem Sprung, wo er häufig ‚wilder‘ wird und man das Gefühl hat, man schafft die Kurve vor dem Zaun nicht mehr.
Was ich bei Bulgari gemerkt habe ist, dass er nach dem Sprung kurz den Zügel benötigt, ohne zurückgehalten zu werden. Und durch das oben beschriebene Verfahren bessert sich das langsam auch.

Im Galopp sieht es noch etwas anders aus, doch auch hier gibt es schon Momente, in denen er sich gut regulieren lässt und ich ihn teilweise ganz deutlich zurücknehmen oder vorschicken kann, wodurch wir dann passend zum Sprung kommen können, ohne dabei durchzugehen. Vor einer Woche bin ich mit ihm sein erstes In Out gesprungen, aufgebaut hatten wir einen 3,20 m Abstand und ich bin an dem Tag nur aus dem Trab angeritten.
Während wir beim ersten Mal fast über beide Kreuze gemeinsam gesprungen wären, oder hingefallen wären weil er so angezogen hat, wurden die nächsten Male deutlich besser.
Unsere Hauptarbeit im Moment besteht daraus, einen gemeinsamen, für uns beide akzeptablen Weg zu finden. Ich könnte ihn zusammenzerren und grob werden, auf Dauer ginge es dann sicher. Aber so sieht meine Arbeitsweise nicht aus, denn ich bin überzeugt, dass wir es auch anders gut hinbekommen werden.

Gestern bin ich erneut gesprungen und es hat schon super geklappt, aber ich musste mich noch nie auf einem Pferd so sehr konzentrieren. Obwohl es extrem anstrengend ist auf ihm, macht es gleichzeitig auch immer wahnsinnig viel Spaß! Ich bin mir sicher, dass er das Potenzial zum Schleifenpony haben wird, wenn er nur richtig gefördert und unterstützt wird.

Unsere weitere Arbeit wird dann aus dem Springen von Distanzen und Kombinationen bestehen, natürlich muss auch am Galopp gearbeitet werden. Wenn man ihn im normalen Training zurücknehmen und vorschicken kann, er sich auch etwas setzen kann, wird ihm das Springen natürlich deutlich leichter fallen.
Sobald die ersten Distanzen funktionieren, möchte ich auch eine kleine Springreihe aufbauen, die wir dann variieren und immer umbauen können.
Das Wichtigste bis jetzt ist aber die Förderung der Durchlässigkeit!

Trotz einiger Baustellen freue ich mich jedes Mal wieder wie ein Kind, wenn er ohne einen Mucks ganz easy über den Wassergraben springt, im Galopp an sämtlichen Hindernisständern oder Stangen vorbeigaloppiert, ohne zu glotzen. Man kann einfach so entspannt auf ihm sitzen, ohne ständig vorausschauen zu müssen, wovor er als nächstes Angst haben wird und ein zur Seite springen zu verhindern. Wahnsinnig angenehm, von Dreamer bin ich schließlich leider ganz anderes gewohnt!

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3 Kommentare

  1. Svenja

    Hast du schon mal versucht, ihn so schnell wie möglich nach dem Sprung durch zu parieren? Bei mir hat das sehr gut geholfen. Ich bin erst im Trab den Sprung angeritten, hab immer und immer wieder geübt, nach dem Sprung zügig in den Schritt durch zu parieren. Als das einigermaßen geklappt hat, hab ich das gleiche im Galopp trainiert. Die Regulierung vor dem Sprung kommt dann ganz von allein.

    Antworten
    • teresasarnow

      Nein, das geht bei ihm derzeit noch nicht, eben wie oben beschrieben wehrt er sich extrem gegen jeden Druck – und wie soll ich ihn sonst durchparieren, wenn er gerade dicht macht und teils schon fast am durchgehen ist … In dieser Phase seiner Entwicklung würde er auf sowas eher mit steigen oder eben wirklich mit durchgehen reagieren. Grundsätzlich mache ich das bei Dreamer zB gelegentlich Mal, wenn er phasenweise schwieriger war, aber bei Bulgari muss ich versuchen komplett ohne Druck zu arbeiten. Und es wird ja besser, schließlich fangen wir erst an und er ist generell noch nicht weit in der Ausbildung 🙂

      Antworten
  2. Nele

    Wir hatten ein sehr ähnliches Problem mit einem jungen Pferd. Da es auch nicht gedrängt hat, haben wir uns erstmal nur auf die Dressurarbeit konzentriert – knapp ein Jahr. Trotzdem haben wir die ganze Zeit natürlich beim longieren Stangen eingebaut und auch ab und zu beim Freispringen mitgemacht. Dann haben wir langsam wieder angefangen Stangen in die – mit viel Unterricht mittlerweile ganz gute – einzubauen. Die würden dann ganz langsam höher. Da sie sich aber immer mehr aufgeputscht hatte, je öfter hintereinander man gesprungen ist, haben wir immer ganz viel Dressur geritten und halt mal zwischendurch einen Sprung eingebaut, dann wieder 10min Dressur und dann wieder einen Hüpfer. Am Anfang auch nur nachdem wir ca. eine halbe Stunde geritten waren, damit sie schon etwas ausgepowert war. Für uns war das so die beste Entscheidung, sicherlich hätte man diese Springpause auch kürzer halten können, aber auch aus gesundheitlichen Gründen hat das so gepasst. Jetzt ist es immer noch so, dass ich gar nicht erst Springe, wenn ich merke, dass sie einen Tag mal komplett schlecht drauf ist, damit sie nicht in alte Muster verfällt. Das passiert aber selten, und sonst klappt es jetzt super. Sie putscht sich nicht mehr so an den Hindernissen auf und ist mittlerweile echt super händelbar und ruhig, auch Parcours springen klappt mittlerweile (meistens) gut 😉 Ich denke einfach Dressurarbeit ist das allerwichtigste, um sowas in den Griff zu bekommen und bevor einem selbst oder dem Pferd etwas passiert (die „Gefahr“ steigert sich meinem Empfinden nach mit jedem Mal, wo das Pferd mit so etwas durchkommt – was man ja auch (ohne den Einsatz starker Gewalt) nicht verhindern kann) lieber nochmal von vorne anfangen bzw. eine kleine Springpause einlegen.
    Ich bin mir sicher, dass ihr diese Phase überwindet, zumal du eine echt vorbildliche Einstellung hast!
    Lg

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