Bulgari ist ein 4 Jährige Mecklenburger Wallach, der etwa dreijährig angeritten wurde. Damals gab es große Probleme mit ihm, da er ein extremer Steiger war. In diesem Jahr ist er vier Eignungsprüfungen geritten worden, bei denen er unter anderem den 2. und 3. Platz machte. Auch beim Freispringen hat er schon sein Talent bewiesen und gezeigt, dass er mal hoch hinaus kann. Er stammt ab von dem Hengst D’Olympic und der Stute Manja (von Methusalem). Gekauft habe ich ihn dieses Jahr im August.

Ich war auf der Suche nach einem jungen Springpferd, einem Nachwuchspferd, welches viel Potenzial hat, jedoch noch nicht zu lange unter dem Reiter war. Um im Turniersport weiter zu kommen und da Dreamer wegen dem Unfall noch sehr unsicher ist, habe ich mir überlegt, dass ein zweites Pferd auf Dauer gesehen sinnvoll wäre. Das Thema Pferdekauf ist immer schwierig, ganz besonders wenn man von der typischen Turnierreiterei nicht viel hält. Alles muss schnell gehen und durch die Anforderungen der Prüfungen sieht man leider selten wirklich reell ausgebildete und gerittene Pferde.
Mittlerweile habe ich schon mit vielen Pferden Erfahrungen gemacht und davon war nur ein einziges wirklich fein zu reiten und reell ausgebildet.

Pferd Reiten Reitsport

Da wir mit Dreamers Verkaufsstall sehr zufrieden sind, haben wir bei ihnen nachgefragt ob sie zurzeit passende Pferde zum Verkauf hätten. Zwar muss ich sagen dass die Ausbildung dieser Pferde nicht ganz zu unserer Einstellung passt, jedoch sind die Menschen an diesem Stall von Grund auf ehrlich. Es geht nicht darum, so viele Pferde wie möglich wegzubekommen, egal zu welcher Person sie kommen. Sie weisen auf Stärken und Schwächen der Pferde hin und sind ehrlich im Bezug auf deren Potenzial. Mit viel Herz und Liebe fällt ihnen der ein oder andere Verkauf auch wirklich schwer.
Doch eigentlich begann Bulgaris Geschichte schon vor etwas über einem Jahr, als er noch dreijährig und unreitbar war.
Wir fuhren im Sommer nach Lübeck um die Verkäuferin und eine Freundin zu besuchen, welche Dreamer früher geritten hatte. Natürlich waren wir jeden Tag im Stall und sahen uns auch die Pferde an – Bulgari war eines davon. Damals stand ein Kauf noch gar nicht zur Option, ich hatte nicht einmal einen Gedanken daran. Doch nachdem ich ihn gesehen hatte war ich ein wenig verliebt und er ging mir nicht mehr aus dem Kopf:
Manchmal dachte ich, würden wir noch ein Pferd kaufen, wäre er es. Ich konnte ja nicht ahnen, dass wir nur ein Jahr später auf der (nicht wirklich aktiven) Suche nach einem Pferd waren!

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Nach einer erneuten 12 Stunden Fahrt (wieder mit Hänger) ging es direkt zum Probereiten, was wirklich anstrengend war. Die Fahrt ist doch immer auszehrend und ich war sehr müde.
Neben Bulgari stand noch ein weiterer Wallach zur Auswahl, der ein ganz anderen Typ war. Groß, kräftig, eine riesen Galoppade und über dem Sprung schwieriger zu sitzen (mit einem wahnsinns Schub). Aus irgendeinem Grund hatten wir eher ihn im Fokus, beim Reiten wurde uns aber klar, dass es einfach nicht zusammenpassen konnte. Mir fehlte auf ihm das Gefühl – es machte schon Spaß, ihn zu reiten, aber es passte einfach nicht.
Auf Bulgari dagegen war es ganz anders. Auch beim Springen klappte es  deutlich besser, zwar macht er nur das nötigste, schien mir aber trotzdem einen ehrgeizigeren und bemühteren Eindruck zu machen.
Die ganze Nacht grübelte ich und wusste nicht,  was ich tun sollte. Schon wieder hatte ich Zweifel. Erst vor etwa zwei Jahren hatte ich ein junges Pferd gekauft, doch Bulgari hatte noch viel weniger Erfahrung. Er braucht viel Sicherheit beim Springen, und konnte genau genommen noch nichts.
Erneut stellte sich mir die Frage, ob ich das alles schaffen würde.
Neben der vor mir liegenden Ausbildung gibt es natürlich auch noch einen weiteren Aspekt: Zeit.
Würde ich neben dem Abitur zwei Pferde trainieren können und auf Turniere mitnehmen? Der große Vorteil an einem jungen Pferd: Ich wusste, dass ich ihn nicht so oft bewegen würde wie Dreamer – zumindest bis Bulgari älter ist.
Ich halte nichts von frühem Anreiten und viel Springen im jungen Alter. Klar war also, dass ich einen Vierjährigen nicht öfter als vier Mal die Woche „arbeiten“ würde. Auch fünfjährig wird er wegen seines Körperbaus noch nicht sehr viel mehr machen müssen – ich habe also fast zwei Jahre Zeit (solange ich noch auf die Schule gehe) in denen ich mit einem der beiden Pferde nicht  täglich trainieren muss.
Doch zu meinen Zukunftsplänen mit ihm will ich hier nicht zu viel schreiben, da es sonst zu viel wird.

Nach einem weiteren Probereiten und einigen kleinen (persönlichen) Schwierigkeiten stand der Kauf schließlich fest und wir nahmen ihn mit nach Hause.
Realisiert hatte ich es zu dem Zeitpunkt noch lange nicht, auch nicht nach mehreren Wochen.

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Auf welchem Stand er war: Bulgari wurde leider recht eng und mit harter Hand geritten, im Maul war er extrem abgestumpft. Die treibenden Hilfen hatte er nie gelernt, Sporenstiche bedeuteten für ihn schneller gehen.
Er wurde noch nie in Dehnungshaltung geritten, trotzdem nahm er sie zum Glück schnell und dankbar an. Sein Gleichgewicht ist schlecht, aber woher soll ein Pferd das auch entwickeln, wenn es ständig am engen Zügel geritten wird? In Anlehnung reiten war nur durch Zwang möglich, also bin ich zu Beginn fast ausschlißlich am langen Zügel geritten und habe selten versucht, ihn ein wenig aufzunehmen.
Auf welchem Niveau er im Moment ist: Noch lange noch nicht bei ‚Null‘ angekommen (also auf dem Stand eines rohen Pferdes – das wird zwar auch nie ganz funktionieren, dennoch versuchen wir an ein Grundniveau heranzukommen), ich arbeite zurzeit sehr wenig mit ihm. Im Maul wurde er dadurch schon viel feiner und lässt sich nun leichter lenken, auch die Galopphilfe habe ich neu mit ihm erarbeitet und er hat nun verstanden, was genau er da eigentlich machen soll. Was die Anlehnung betrifft sind wir ein ganzes Stück weiter gekommen – während wir diese anfangs nur ganz langsam und vorsichtig aus der Dehnungshaltung heraus erarbeiten konnten, geht es nun ohne ihm vorher dehnen zu lassen. Er versteht auch hier endlich die Paraden und hat es ein paar Mal schon geschafft, reell über den Rücken zu schwingen  – wenn auch nur wenige Tritte.

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Unser erstes Turnier ritten wir im November in Kreuth, ein E Stilspringen. Fürgewöhnlich bauen sie die E Springen dort immer sehr niedrig, zu dem Zeitpunkt leider nicht. Die Oxer waren wirklich hoch gebaut und er wurde bis dahin noch nie in dieser Höhe gesprungen. Nachdem er beim Warm Up in der Abreitehalle super entspannt war, wurde auch ich ein wenig gelassener. Trotzdem war ich gespannt, zuhause war ich ihn vorher nur zweimal nichtmal auf Cavaletti Höhe gesprungen. So aufgeregt war ich schon lange nicht mehr!
Die ersten drei Sprünge liefen super – zwar etwas zögerlich, aber mutig. Ein schwarzer Oxer schüchterte ihn dann so ein, dass ich abgebrochen habe.
Wichtig war mir bei dieser Prüfung lediglich zu sehen, wie er reagiert, um unser Training ein wenig darauf abstimmen zu können. An sich ist er ein total entspannter Kerl, in der riesigen Ostbayernhalle (deren Atmosphäre schon das ein oder andere erfahrene Turnierpferd eingeschüchtert hat) gab es überhaupt keine Probleme. Genau genommen war ihm das sowas von egal.
Aber da es keine Jungpferdeprüfung war, also viele Pflanzen, „gruselige“ Fänge und Unterbauten rumstanden, hat es ihn ein wenig überfordert und unsicher gemacht. So viele Eindrücke hatte er noch nie auf einmal – von daher bin ich mega stolz auf den Kleinen und habe große Hoffnung in ihn gesetzt!