Amadeus Lahmheit

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August, 2018

Amadeus geht seit ein paar Monaten lahm. Begonnen hat das alles, wenn ich mich richtig erinnere, Mitte Mai. Erstmal hatten wir uns nicht allzuviel dabei gedacht und ein wenig abgewartet. Als sich nach kleineren Behandlungen nichts veränderte, bestellten wir eine mobile Weidehütte. Bulgari jagt Amadeus leider ständig umher, so dass er nie zur Ruhe kommt und auch nicht auskurieren kann.
Gestern konnte Amadeus dann endlich dort einziehen, steht nun also getrennt von den anderen. Er soll sich bewegen, es geht dabei also nicht um „Boxenruhe“, sondern um generelle Ruhe vor anderen Pferden. Er hat eine eigene Weide bekommen und darf sich normal bewegen. Heute kam dann ein anderer Tierarzt zu uns, welcher auch für das Röntgen zuständig ist – er hat ihn nochmal ausführlich untersucht.

Zuerst hat er ihn sich auf der Strasse im Schritt und Trab angesehen, schließlich auf einer Volte auf festen Boden, beides dann auch nochmal auf unserem Reitplatz. Im Schritt sieht man kaum etwas, im Trab auf der Geraden erkennt man eine Lahmheit und auf einem Kreis sieht man eine sehr starke Lahmheit.
Also stand eine Leitungsanästhesie an, von unten nach oben. Der Verdacht lag auf dem Hufgelenk und so kann man nach und nach sehen, wo es dem Pferd weh tut.
Nach der ersten Betäubung lief er schon besser, nach der zweiten weiter oben nochmal viel besser und letztendlich dann lahmfrei.

Eine grobe Einschätzung war also möglich. Daraufhin stand das Röntgen an, wo man am Hufgelenk etwas erkannt hat – unter anderem eine leichte Arthrose, was bei einem 18 Jährigen Pferd aber nichts ungewöhnliches ist.
Wir geben nun zehn Tage lang Entzündungshemmer um zu sehen, ob es davon, und mit der Ruhe die er nun hat, verschwindet oder deutlich besser wird. Schritt gehen darf und soll er, natürlich auf weichem Boden und ohne kleine Wendungen.
Sollten die Entzündungshemmer nicht helfen, müssten wir ins Gelenk spritzen – was natürlich kein ganz risikofreier Eingriff ist.
Nun sehen wir aber erstmal so weiter und hoffen das beste!

Zu Beginn des Tierarztbesuches war ich dann doch erstmal ziemlich besorgt, da alles nicht besonders positiv klang. Schließlich war er aber letztendlich zuversichtlicher. Meine Angst ist nicht, dass Amadeus nicht mehr geritten werden kann. Ja, das wäre schade – sehr sogar. Wir haben so viel zusammen erarbeitet, so viel erreicht.
Bekommen habe ich Amadeus als Kind – als wir beide noch jung waren. Es gab auch schwierigere Zeiten. Doch ich kann sagen, dass ich alles mit ihm zum ersten Mal erlebt habe. Das erste eigene Pferd. Der erste Ausritt alleine. Das erste Mal mit Halsring reiten. Der erste Kurs. Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan – das trifft auf ihn zu.
Als ich etwas älter war habe ich ihn (mit Hilfe meines Trainers, geritten bin aber nur ich) alleine auf ein hohes Niveau ausgebildet.
Traversalen, Galoppirouetten, Piaffe. Ausser Passage, fliegender Galoppwechsel und vielleicht noch Lektionen wie starker Trab / starker Galopp haben wir  eigentlich alles erreicht. Levade, das Steigen – und letztendlich dann auch alle Lektionen nur mit Halsring und ohne Sattel. Der erste Ausritt ohne alles – ohne Sattel, Trense oder Halsring. So unendlich viele Momente verbinden mich mit ihm!
Und doch kann ich auf das Reiten verzichten, denn wir haben eine Leidenschaft gefunden die uns beiden großen Spaß macht – spazieren und wandern gehen. Meine Angst war, am Ende nichts mehr mit ihm machen zu können. Um das Reiten geht es mir schon lange nicht mehr, aber ich möchte eines Tages noch mit ihm ans Meer fahren. Es gibt noch so vieles, was wir gemeinsam unternehmen wollen – und obwohl das alles nun vermutlich tragisch klingt, hat es mir mal wieder gezeigt, dass man nichts zu lange aufschieben soll.
Sobald es ihm besser geht und wenn es von ihm aus möglich ist, fahren wir ans Meer. Ich weiß noch nicht, wohin – ob nach Norddeutschland oder nicht sogar eher Italien. Ich weiß nur, dass wir das spätestens nächstes Jahr machen werden.

Nun hoffe ich, dass es Amadeus bald auch nur mit den Entzündungshemmern besser geht und wir keine weiteren, riskanten Maßnahmen treffen müssen. Bis dahin heißt es, abwarten und hoffen. Und die Reise ans Meer planen – und allen weiteren Träumen nachgehen, welche ich mit meinem Pferden habe.
Natürlich halte ich euch auf dem Laufenden!

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