Vor Weihnachten bereits habe ich Dreamer und Bulgari eine kurze Winterpause gegönnt. Aus einer Woche wurde mit der Zeit über einen Monat und Dreamer steht nun fast seit eineinhalb Monaten – zwar bewege ich ihn zwischendurch und natürlich dürfen unsere Pferde bei diesem Wetter durchgehend auf die Koppeln, aber grundsätzlich hatte er durchgehend Pause.
Ich war nie ein großer Fan von langen Ausfällen, gerade da Dreamer und ich diesbezüglich noch nie viel Glück hatten und er seit ich ihn hatte insgesamt wohl schon ein halbes Jahr Zwangspause haben musste.
Für mich selbst war die Winterpause anfangs sehr entspannend, da es mir manchmal auch nichts ausmacht, einfach ein paar Tage nicht zu reiten. Am Stall war ich trotz allem regelmäßig wenn auch nicht täglich.
Nach über einem Monat Reitpause habe ich mich schon sehr daran gewöhnt, mehr Zeit für andere Aktivitäten zu haben. Man muss zwar auch dazu sagen dass ich seit dieser Zeit auf YouTube aktiv bin und das dann eigentlich meine Hauptbeschäftigung war, aber es war eben nichts draußen, nicht in der Kälte (ausser zum Videos drehen) sondern ganz gemütlich drinnen im Haus.
Für mich hat diese kleine Auszeit viel gebracht, denke ich. Es fällt mir nicht leicht, das so zu sagen, denn oft genug hört man schließlich, man muss sich täglich um das Pferd kümmern, es täglich bewegen und es sei ja verwerflich, einfach mal eine Pause zu machen.
Die Konsequenzen aus den vielen freien Tagen sind mir bewusst: Ich muss sowohl Dreamer als auch mich wieder antrainieren und langsam Muskulatur und Ausdauer aufbauen, die definitiv weniger geworden ist.

Pferd Tinker Reiten

Als ich letztens aber auf Dreamer saß und ihn zum ersten Mal seit Trainingsende wieder ordentlich geritten bin, war ich einfach nur erstaunt. Nichts, absolut nichts, ist verloren gegangen. Man kann sogar behaupten, wir sind ein ganzes Stück weiter voran gekommen!
Mit der Anlehnung hatten wir aufgrund vieler Vorgeschichten immer große Probleme. Ich bin kein Mensch, der das erzwingen will, meiner Meinung nach entwickelt sich die Anlehnung mit der richtigen Arbeit von alleine.
Es war also nie konstant, er hat sich andauernd leicht rausgehoben und lief immer mal wieder leicht gegen den Zügel. Es war nicht schlimm, ich gebe Pferden die Zeit, die sie brauchen – andere meinen vielleicht, nach fast 2 Jahren in meinem Besitz muss er schon „perfekt“ gehen.
Aber nein, das muss er definitiv nicht. Der Körper braucht Zeit, um sich umzustrukurieren.
Früher wurde Dreamer komplett anders geritten, als es bei uns der Fall ist – ein halbes Jahr lang bin ich ihn nur am langen Zügel vorwärts abwärts und in Dehnungshaltung geritten, um ihn etwas lockerer im Genick und Rücken zu bekommen. Außerdem war das die einzige Möglichkeit, ihn Balance entwickeln zu lassen, was ihm durch das enge Halten am Zügel vorher nicht ermöglicht wurde.
Daraufhin begann ich ganz langsam, ihn aufzunehmen, etwas zu arbeiten.

Und nun, fast zweieinhalb Jahre später, geht er endlich fast konstant in einer reellen Anlehnung – ein langer und anstrengender Weg, den wir zurücklegen mussten. Aber gelohnt hat es sich.
Was mir der Abstand von den Pferden gelehrt hat war, dass ich ihnen öfter Pausen lassen muss. In Zukunft werde ich die Wintermonate ganz gezielt dazu nutzen und auch während der Turniersaison versuchen, wenigstens eine ganze Woche am Stück zu pausieren. Manche Pferde brauchen das und auch mir als Mensch schadet es gelegentlich nicht.
Vielleicht haben sich auch meine Eltern ein wenig Sorgen gemacht, ob ich mich kurz nach Bulgaris Kauf etwa doch entscheide, mit dem Reitsport aufzuhören – wer weiß. Es ist schließlich oft so und gerade in meinem Alter, dass Reiter ihren Sport aufgeben und ihre Pferde verkaufen.
In meinem Fall ist es nicht so und wird es auch nie so sein – ich will diesen Sport am liebsten ausüben, bis ich sterbe.
Aber die Pause hat mich zur Ruhe kommen lassen und mich Kraft tanken lassen – 2017 wird ein anstrengendes Jahr für uns und ich will darauf vorbereitet sein.
Jetzt langsam kommt die Lust aufs Reiten wieder und ich kann es kaum erwarten, bis der Schnee taut und wir endlich loslegen können!

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