Update zu Dreamer – Narkoleptischer Anfall

26

Juni 2017

Heute habe ich mit Dreamer zum ersten Mal ein wenig vom Boden aus gemacht, arbeiten kann man es nicht Mal ansatzweise nennen. Er bekommt täglich Schmerzmittel, insgesamt zehn Tage lang. Seit dem Unfall ist nun etwas über eine Woche vergangen und um ganz ehrlich zu sein, liegt es mir immer noch schwer im Magen.
Ende letzter Woche hatte Dreamer einen narkopeltischen Anfall, wie wir es bisher noch nie beobachten konnten. In einem anderen Beitrag hatte ich schon mehr dazu geschrieben, an diesem Tag ist er aber tagsüber vor den Augen meiner Mutter fast komplett zu Boden gesackt, als er sich gerade noch aufrappeln konnte. Dabei hat er sich am Hinterbein an einer Kante verletzt und komplett aufgeschürft. Da er so eine Ausprägung der Krankheit noch nie gezeigt hat, nehme ich an, dass es vom Schock kommt. Er ist zusätzlich stark gestresst und kommt wohl selbst nicht besonders zum Schlafen. Wenn ich zurzeit am Stall bin und bei ihm bin, war es die letzten Tage immer seltsam zwischen uns, als hätte sich etwas (negativ) verändert. Heute habe ich davon zum Glück nur noch wenig gespürt, sicher liegt es auch an den Bildern, die ich im Kopf habe. Er ist so sensibel, dass man mit Trauer, Enttäuschung oder sonstigen negativen Gefühlen eigentlich gar nicht in seine Nähe gehen sollte.

Dreamer wurde also ein wenig am Platz geführt, ich habe ihn erst aufgewärmt. Um seine körperlichen Grenzen nicht zu überschreiten, da man selbst schließlich immer am besten weiß, was gut oder schlecht für den Körper ist, habe ich das noch vor der Eingabe der Schmerzmittel gemacht.
Nach einigen Runden im Schritt habe ich ganz vorsichtig ein paar Schritte zum Übertreten aufgefordert. Hierbei habe ich wirklich kaum seitliches übertreten verlangt, sondern nur den Ansatz dazu. Nach zwei bis drei Schritten ging es sofort wieder geradeaus.
Abwechselnd habe ich das auf beiden Händen je drei Mal wiederholt.

Bei der Übung habe ich schon gemerkt, dass es ihm nicht angenehm war, da er ein paar Mal ein Zwicken angedeutet hat, was er normalerweise nicht macht. Erziehung ist mir immerhin sehr wichtig!

Abschließend habe ich ihn auf jeder Hand noch ein paar Schritte im Schulterherein über die lange Seite gehen lassen, auch hier nur wenig gefordert und das ging relativ problemlos. Nachdem ich ihn noch einige Minuten geführt habe, durfte er noch die Straße entlang traben. Während dem Führen selbst zu entscheiden, wie das Pferd läuft, ist gar nicht so einfach – daher kann ich hierzu nichts genaues sagen, nur dass er sehr klamm ging und meiner Meinung nach immernoch deutlich taktunrein.

Es ist erst eine Woche vergangen. Erst oder schon, das ist immer schwierig zu sagen…so wie sich meine Ansichten über „günstig und teuer“ im Pferdesport stark zu früher unterscheiden (und zwar leider nicht, weil ich zu viel Geld hätte), musste ich auch lernen, dass scheinbar viele Monate eine sehr kurze Zeit sein können.
Generell hängt es immer von der Situation ab. Wenn ich höre, dass jemand ein geliebtes Pferd oder auch einen Menschen verloren hat, und es nach „schon“ einem Jahr noch nicht sehr viel besser wurde, kann ich nur sagen, dass ein Jahr gar nichts ist. Ein Jahr kann weniger sein als ein Wimpernschlag. Über gewisse Dinge hinweg zu kommen kann viele Jahre dauern, manchmal Jahrzehnte.
Wieso sagt das eine gerade Mal 19 Jährige, die noch nicht Mal zwei Jahrzehnte erlebt hat? Ich musste schon selbst die Erfahrung machen, und auch nach nun schon fast zehn Jahren fällt es mir noch schwer.

 

Sicher hängt das immer individuell von einem Menschen ab, die einen vergessen schneller als andere.
Doch bezogen auf unseren Unfall weiß ich jetzt schon, dass ich viel Geduld mitbringen muss, denn langsam stapeln sich die Blockaden mehrfach und das alles abzubauen, psychisch und physisch, wird nicht einfach.

Beginnen wir gar nicht erst bei meinem Pferd, sondern bei mir – ich habe Angst davor, wieder mit dem Hänger zu fahren. Wahnsinnig große Angst!
Sitze nur ich im Auto und wäre der Hänger leer, wäre mir so ein Unfall wohl fast egal. Denn es geht dabei nur um mich und einen Sachschaden. Doch sobald andere oder meine Pferde involviert sind, werde ich extrem verletzlich, denn genau das ist mein Schwachpunkt.  Meine größte Angst beim Fahren mit dem Hänger war immer, einen Unfall zu haben. Ich möchte nicht, dass meinen Pferden etwas passiert, obwohl man gewisse Dinge im Leben nicht kontrollieren kann. Ich habe Angst, dass sowas jemals wieder passieren könnte, und ich traue mir im Moment nicht zu, in der nächsten Zeit erneut Hänger zu fahren.
Natürlich kann ich es, wenn es sein muss. Denn dann geht bekanntlich so gut wie alles. Allerdings verzichte ich nur zu gerne darauf und werde auch mit einem pochenden Herzen als Beifahrer im Auto sitzen und regelmäßig den Seitenspiegel überprüfen.

Seit letztem Sonntag habe ich immer wieder Alpträume und wie schon in einem letzteren Blogbeitrag gesagt lässt mich das Bild einfach nicht mehr los. Jedes Mal wenn ich Auto fahre (ohne Hänger) und aus irgendeinem Grund in den Seitenspiegel blicke, sehe ich ein rotes Auto in den Hänger krachen und uns zur Seite drücken.
An manchen Tagen habe ich einfach Momente, in denen ich nur noch weinen kann, weil alles so passiert ist, wie es nun Mal passiert ist und sich nichts rückgängig machen lässt. Übertrieben und bedauernswert?  Ja, vielleicht ist es das. Doch wer so denkt sollte sich ins Gedächtnis rufen, dass jeder Mensch anders ist. Jeder Mensch äußert seine Trauer und Verzweiflung anders – manche gar nicht.

Mich quälen Gedanken wie „Wäre ich nur ein paar Minuten später oder früher losgefahren“, nur wenige Sekunden, nur ein paar km/h schneller oder langsamer gefahren… die üblichen Vorwürfe, die man sich selbst gelegenlich nach solchen Vorfällen eben macht… oder zumindest mache ich es. Natürlich absolut sinnlos und bescheuert, denn sowas scheint wohl Schicksal zu sein und gerade jetzt im Nachhinein kann man erst recht nichts mehr ändern.
Man kann sich nur weiter selbst quälen.

 

 

Schon wieder schweife ich ab, denn eigentlich sollte es nur ein kleines Update bezüglich Dreamers Gesundheit werden. Wie ihr vielleicht merkt, gehen mir einfach sehr viele Gedanken im Kopf rum – doch wozu hat man schließlich einen Blog?  Sicher nicht, um seinen Gedanken keinen freien Lauf lassen zu lassen.

Wieso trifft es immer uns, was wäre ohne den Turniersport, wieso haben wir immer so viel Pech. Und vorallem die Frage, ob es nun immer so weiter gehen wird – ein Schritt vor und zehn zurück. Denn fest steht, dass ich nicht mehr viele Unfälle mit Dreamer mitmachen werde, obwohl wir sie scheinbar anziehen. Mich belasten nicht nur die Unfälle an sich und dass er dadurch eine Weile ausfällt – eine meiner größeren Sorgen ist seine Gesundheit im Alter. Durch die vielen Blockaden und Schonhaltungen (durch das Schmerzgedächtnis) geht er nicht ideal, sogar im Moment wieder sehr schlecht. Wie wird sich das im Alter auswirken?

Ich tue alles, um meine Pferde reell auszubilden, ich gebe ihnen Zeit und schone sie. Warum mache ich das alles? Um sie so lange wie nur möglich gesund zu erhalten! Und genau das ist der Knackpunkt, denn meine Angst ist es, dass er bereits in relativ jungen Alter schon mit Arthrose zu kämpfen haben könnte, oder sonstigen Beschwerden.

Mit zwanzig sollte ein Pferd meiner Meinung nach noch fit und im Sport einsetzbar sein, beziehungsweise zuhause normal geritten werden können. Denn zwanzig ist kein Alter.
Doch wie es bei so einem vorbelasteten Pferd aussieht, weiß ich nicht. Aus dem Grund überlege ich im Moment, ihn über den Winter in ein Reha Zentrum zu bringen und informiere mich im Moment.
Falls von euch jemand Erfahrungen damit gemacht hat und etwas empfehlen kann (bestenfalls so nah wie möglich bei uns im Raum München/ Rosenheim), schreibt mir gerne!
Wichtig ist mir neben einem guten Angebot und einer pferdegerechten Unterbringung ein kompetenter Umgang mit den Pferden, auch mit schwierigeren und sensiblen Pferden wie Dreamer. Menschen gegenpber ist er meist misstrauisch und lässt sich vorallem von Männern ungern anfassen. Mit Gewalt geht bei ihm nichts, sobald man körperlich zu viel auf ihn einwirkt (wie bei einer osteopathischen Behandlung mit „einrenken“ etc) rastet er komplett aus.

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3 Kommentare

  1. Lisa

    Hey 🙂
    Ich habe schon einiges über euren Unfall mitbekommen, das ist einfach schrecklich!
    Was mir aber noch nicht ganz klar ist, ist WARUM der PKW überhaupt in euch reingefahren ist? Ist er selber in Schlenkern gekommen? Gegenverkehr beim Überholen auf Autobahnen kann es ja eigentlich nicht geben… Oder einfach Böse Absicht? :/
    Vielen Dank für Eure Antworten 🙂

    Antworten
    • teresasarnow

      Das habe ich glaube ich wirklich noch gar nicht geschrieben, da hast du Recht. Der Fahrer ist eingenickt und kam so scheinbar stark ins Schwanken bzw muss schon fast Schlangenlinien gefahren sein, so wie das Auto in uns gefahren ist… war also keine Absicht, sondern so eine Art Sekundenschlaf …

      Antworten
  2. Ella

    Halte durch!

    Antworten

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